150 Jahre sind in Wien keine Zahl, sondern ein Versprechen. Eines, das nach Geschichte klingt, nach rotem Samt, nach echter Grandezza – und im Fall des Hotel Sacher Wien auch ein bisschen nach Schokolade. Umso überraschender, dass ausgerechnet zum Jubiläum zwei überlebensgroße Handtaschen vor der Tür auftauchen.
Mit „Step Big“ und „Dancer“ setzt Erwin Wurm den ersten Akzent im Jubiläumsjahr – und zwar direkt dort, wo sonst Koffer rollen und Gäste ankommen. Seine überdimensionalen Taschen auf langen Beinen wirken wie futuristische Ausreißer aus dem Sacher-Kosmos: ein bisschen absurd, ein bisschen poetisch und sehr bewusst irritierend. Sie schreiten, tanzen, posieren – und wirken dabei ein bisschen so, als wollten sie gerade in die Lobby spazieren, um im Luxus-Hotel ein bisschen von der weltberühmten Torte zu naschen.
Doch wie immer bei Wurm ist das mehr als nur ein augenzwinkernder Auftritt: Es geht um das „unsichtbare Gepäck“, das wir alle mit uns tragen. Herkunft, Erwartungen, Rollenbilder – und vielleicht auch die eine oder andere Sünde aus der Mehlspeisenkarte.
Happy Birthday, Sachertorte!
Die Geschichte des Hauses beginnt lange bevor Selfies vor Luxushotels zum Ritual wurden. 1832 erfand Franz Sacher eine Torte, die heute so ikonisch ist wie der Stephansdom – die Sachertorte.
Mit der Eröffnung des Hotels 1876 durch Eduard Sacher und die legendäre Anna Sacher (die biografische Verfilmung dieser Frau sollte man unbedingt gesehen haben!) wurde daraus weit mehr als ein kulinarisches Denkmal. Das Sacher wurde Salon, Bühne, Wohnzimmer der Welt – ein Ort, an dem sich Politik, Kunst und Gesellschaft trafen. Und heute? Das einzige 5‑Sterne Haus in Österreich, das noch immer familiengeführt ist, noch immer mit rotem Samt, Eleganz, Wiener Seele und „Weltklasse“ assoziiert wird.
Zwischen Tradition und absurdem Charme
Dass ausgerechnet Wurm das Jubiläumsjahr eröffnet, ist kein Zufall. Seine Kunst stellt Fragen – genau wie ein Haus, das sich seit eineinhalb Jahrhunderten immer wieder neu erfindet, ohne seine Identität zu verlieren. Chapeau! Das Sacher weiß also, dass man Tradition nicht konserviert wie Marillenmarmelade. Man muss sie bewegen. Manchmal sogar auf dünnen, stelzenartigen Beinen.
Ein Geburtstag mit Augenzwinkern
Dass also Michael Ludwig (im Übrigen selbst ernannte, leidenschaftliche Naschkatze) gemeinsam mit der Eigentümerfamilie und dem Künstler die Skulpturen am 26.März 2026 enthüllte, ist schon irgendwie mehr als ein Fototermin — wobei die zahlreichen Medienvertreter sicherlich vor allem wegen der Fotos gekommen sind — und natürlich wegen der Sachertorte, die es traditionell immer im Anschluss an die offiziellen Termine gibt, ebenso wie das obligatorische Gläschen Champagner.
Es ist aber sicherlich auch ein Statement: Wien kann Geschichte. Aber Wien kann auch ziemlich gut über sich selbst lachen. Und vielleicht ist genau das das Geheimnis dieses Hauses: Zwischen Kristallluster und Kunstinstallation, zwischen Etikette und Ironie bleibt das Sacher ein Ort, an dem sich selbst eine Handtasche traut, groß aufzutreten. Oder, um es ganz im Sinne des Jubiläums zu sagen: 150 Jahre Stil. Und immer noch genug Platz für ein bisschen Verrücktheit vor der Tür. Und ab jetzt — zumindest für ein Jahr, ist im Sacher der Wurm drin. Und das ist auch wirklich gut so!
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