Jenseits von Kontrolle und Konvention: Auf der Architekturbiennale 2025 war ausgelotet, wie sich Architektur neu erfindet.
Die Architekturbiennale Venedig 2025 zeigt, wie Architektur jenseits von Kontrolle, Konvention und Beton neu gedacht wird. Ob KI-gesteuerte Biostrukturen, flüssige Räume im Zeichen des Wassers oder queere Körper als Widerstand gegen fossile Macht – die Beiträge reichen von spekulativer Stadtplanung bis hin zu textilen Meditationen über Vergänglichkeit. In einer Zeit globaler Krisen wird Architektur zum lebendigen Prozess, der nicht nur gestaltet, sondern hinterfragt, vernetzt und verwandelt.
1. ecoLogicStudio & Synthetic Landscape Lab Innsbruck
Wie könnte Stadtplanung aussehen, wenn nicht nur Menschen, sondern auch Mikroben und Algen mitentscheiden? Die Installation FundamentAI von ecoLogicStudio und dem Synthetic Landscape Lab Innsbruck zeigt auf der Architekturbiennale Venedig 2025 eine Zukunft, in der Biotechnologie, KI und Echtzeitdaten zusammenwirken. Im Arsenale reagieren 3D-gedruckte, biofabrizierte Säulen auf die chemische Zusammensetzung der Lagune – inspiriert von Venedigs Briccole. Besucher speisen via QR-Code eigene Inhalte ein, die KI in spekulative Architekturvisionen verwandelt. FundamentAI versteht Architektur als lebendigen Prozess und Testfeld für klimaresiliente Städte im Globalen Süden – unterstützt von offenen KI-Tools und biologisch abbaubaren Materialien.
2. Uruguay
Der uruguayische Pavillon ruft das Hydrocene aus – ein Zeitalter, in dem Wasser zur architektonischen Intelligenz wird. Zwischen schwebenden Tropfen, metallischen Resonatoren und Stimmen indigener Gemeinschaften entsteht ein poetischer Raum über Knappheit, Klang und Klimaresilienz. Architektur fließt, kreist, tropft – und verflüssigt alte Paradigmen.
3. Teo Ala-Ruona
Der ikonische Pavillon von Sverre Fehn wird, kuratiert von der in Helsinki ansässigen Architektin Kaisa Karvinen, zur Arena des Widerstands: In „Industry Muscle: Five Scores for Architecture“ inszeniert der finnische Künstler Teo Ala-Ruona eine radikale Kritik an fossilen Machtstrukturen und architektonischer Starrheit. Zwischen choreografierter Nacktheit, recyceltem Marmor und queerer Fluidität entsteht eine neue Form räumlicher Erfahrung. Der Körper wird zum Werkzeug, um das moderne Erbe zu durchbrechen – roh, sinnlich, unbequem.
4. Maciej Siuda, Krzysztof Maniak & Katarzyna Przezwańska
Was schützt uns – der Feuerlöscher an der Wand oder der gesegnete Rosenkranz am Türrahmen? Die polnische Ausstellung tastet sich an ein Gefühl heran, das sich nicht normieren lässt: Sicherheit. Zwischen archaischen Ritualen und moderner Bürokratie wird der Wohnraum zur Projektionsfläche kollektiver Ängste. Der immersive Pavillon von Maciej Siuda, Krzysztof Maniak und Katarzyna Przezwańska wirkt wie ein Schutzzauber – gegen Katastrophen, aber auch gegen das Vergessen.
5. Unraveling: New Spaces
Gewebte Wollpaneele, gefertigt von Mensch und Maschine, hängen wie atmende Landschaften im Raum – und werden von solarbetriebenen Motoren langsam dekonstruiert. Am Ende der Biennale: 125 Wollknäuel. Der serbische Beitrag ist eine textile Meditation über Vergänglichkeit, Kreislaufwirtschaft und das stille Zusammenspiel von Handwerk und Technologie.
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