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Mit Alice Wittmann an der Spitze setzt die österreichische Traditionsmanufaktur auf zeitlose Form, kompromisslose Qualität und eine neue Generation von Komfort.

Bei Wittmann geht es nicht um Möbel für den schnellen Effekt, sondern um langlebige Stücke. Seit 1896 steht das österreichische Unternehmen für anspruchsvolles Polsterhandwerk, eine Formensprache jenseits kurzlebiger Moden sowie für Komfort, der aus Erfahrung, Materialkenntnis und Liebe zum Detail entsteht. Mit Alice Wittmann ist im Februar 2026 die fünfte Generation an der Spitze des Unternehmens angekommen. Im Rahmen der Munich Design Days haben wir mit ihr ein Interview geführt, in dem sie über die Verbindung von Tradition und Erneuerung, den Einfluss von Hospitality-Projekten auf die Kollektion und die Tatsache, dass gute Möbel keinen Trends folgen müssen, um zeitgemäß zu sein, gesprochen hat.

Portraet Alice Wittmann
beigestellt ©
Alice Wittmann führt in fünfter Generation das Unternehmen

Alice Wittmann im Interview mit Signature

Frau Wittmann, Ihre aktuellen Entwürfe verbinden Ikonen wie den Kubus mit neuen, weicheren Formen. Was ist Ihnen bei dieser Verbindung am wichtigsten?
Uns ist wichtig, dass Klassiker und neue Modelle selbstverständlich nebeneinander bestehen können. Der Kubus ist über ein Jahrhundert alt und hat eine enorme Präsenz im Raum – neue Entwürfe wie die von Jaime Hayon, die wir zuletzt in Mailand gezeigt haben, müssen diesem Anspruch standhalten und gleichzeitig eine eigene Haltung entwickeln. Wir suchen daher nach Stücken, die von Anfang an eine gewisse Zeitlosigkeit mitbringen, statt Trends hinterherzulaufen. Ein Möbel, das 30 oder 50 Jahre hält, sollte man nicht nach fünf Jahren sattgesehen haben.

Wittmann KOLINA Sofa und Fauteuil auf der Fuorisalone 2025
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Wittmann KOLINAS Sofa und Fauteuil auf der Fuorisalone 2025

Viele Ihrer aktuellen Designer arbeiten mit weicheren, organischeren Formen. Wie finden diese sehr unterschiedlichen Formensprachen zu Wittmann?
Das Spektrum ist groß, und genauso vielfältig sind die Wege, wie wir zusammenkommen. Manchmal melden sich Designerinnen und Designer, weil sie sich mit Josef Hoffmann beschäftigen und dabei über Wittmann stolpern. Sie wollen die Werkstätten sehen, unsere Fertigung erleben – und spüren dann schnell: Das ist mehr Manufaktur als Industrie. Mit langjährigen Partnern reicht oft ein grobes Briefing, weil sie genau wissen, was unsere Leute können und wie sich Qualität in einem Entwurf ausdrückt. Parallel dazu beobachten wir, was die Kollektion braucht, wo Lücken entstehen und welche Anforderungen der Markt stellt.

Wichtig ist immer: Bevor jemand für uns entwirft, muss er verstehen, wer wir sind und welche Identität hinter der Marke steht. Das dauert manchmal – zahlt sich aber im Ergebnis aus.

Ein Möbel, das 30 oder 50 Jahre hält, sollte man nicht nach fünf Jahren sattgesehen haben.“ Alice Wittmann

Handwerk spielt bei Ihnen eine zentrale Rolle. Wie sehr prägt das Ihre Zusammenarbeit mit Designerinnen und Designern?
Ohne Handwerk wären wir nicht Wittmann. Unsere Möbel entstehen in Österreich, in einer Manufaktur, die seit Generationen daran arbeitet, Komfort, Qualität und Langlebigkeit auf ein sehr hohes Niveau zu bringen. Wir spüren derzeit eine neue Begeisterung für Herkunft, Material und Fertigung. Viele Menschen möchten wieder wissen, wie Dinge gemacht werden – und warum sie lange bleiben. Gleichzeitig ist es anspruchsvoll, Nachwuchs zu finden. Wir bilden selbst aus, aber es braucht Jahre, bis jemand wirklich auf unserem Niveau polstern kann. Was junge Menschen begeistert: Sie sehen, dass sie etwas schaffen, das Bestand hat – Möbel, die bleiben, statt nach wenigen Jahren ersetzt zu werden.

Sie richten Privaträume, aber auch Hotels und andere Objekte ein. Fließt der Objektbereich in die Produktentwicklung ein?
Bis zu einem gewissen Grad auf jeden Fall. Wir definieren oft schon im Vorfeld, ob ein Entwurf stärker in Richtung Contract oder Residential gedacht ist. Die Grenzen sind allerdings fließend – viele unserer Stücke finden Sie sowohl im Hotel als auch im Wohnzimmer. Entscheidend sind Faktoren wie Beanspruchung, Pflege und Robustheit. Gerade im Hospitality-Bereich spielt das eine große Rolle. Gleichzeitig wollen wir keine eigene Objektsprache“ entwickeln, sondern mit einer Kollektion arbeiten, die in beiden Welten souverän funktioniert.

Wohin soll sich die Kollektion in den nächsten Jahren entwickeln?
Wir suchen gezielt neue, vor allem auch jüngere Designerinnen und Designer – eine Mischung aus aktivem Suchen und schönen Zufällen. Gleichzeitig pflegen wir bewusst die Partnerschaften mit Gestaltern, die uns seit Jahren begleiten und unsere DNA im Detail kennen. Diese Mischung aus Kontinuität und frischem Wind ist für uns ideal. Spannend finde ich auch, wieder stärker nach Österreich zu schauen. Länder wie Skandinavien bauen sehr selbstverständlich auf ihre eigene Designszene – das dürfen wir uns ruhig abschauen. Verjüngen“ heißt für mich nicht, plötzlich nur 20-Jährige anzusprechen. Es geht vielmehr darum, die nächsten Generationen mitzunehmen, ohne unsere Identität zu verwässern.

Gibt es Trends im Polstermöbel-Design, die Sie klar ablehnen?
Alles, was sehr kurzlebig ist. Ein echter Trend entsteht aus einem Bedürfnis – und das wechselt nicht alle paar Monate. Wenn wir in solchen Entwicklungen etwas Sinnvolles erkennen, hören wir genau hin. Aber reine Medienphänomene, die ein paar Saisonen lang über Social Media getrieben werden, sind kein Grund, unsere Kollektion zu verbiegen. Wir orientieren uns lieber an langfristigen Tendenzen als an kurzfristigen Hypes.

Wittmann Sofa in dunkelblau
Ana Barros ©
Wittmann BELETAGE

Gibt es ein Möbelstück, das Sie persönlich schon lange begleitet?
Ich bin in den letzten Jahren oft umgezogen, habe Möbel mitgenommen und wieder losgelassen – deshalb gibt es keine klassische Lebensbegleitung“. Aber ich bin mit einem Modell aufgewachsen, das lange ein Bestseller war und auch in meinem Kinderzimmer stand. Später gab es davon sogar eine Mini-Version für Kinder. Aura ist bis heute Teil der Kollektion, und auch wenn ich es nicht als mein einziges Lieblingsstück bezeichnen würde, verbindet mich mit ihm eine besondere Geschichte.

Wittmann Fauteuil AURA in schwarz und weiß
Ana Barros ©
Wittmann Fauteuil AURA

Wo holen Sie sich Inspiration – auch bei Messen und Events?
Dieses Jahr fahre ich zum ersten Mal privat nach Mailand, um mir die Möbelmesse in Ruhe anzusehen. Wenn man als Aussteller dort ist, kommt man kaum vom Stand weg und erlebt vieles nur im Vorbeigehen. Ansonsten sagen wir oft: Unsere größte Inspiration sind die Designerinnen und Designer, die von außen zu uns kommen. Sie reisen, entdecken, vernetzen sich – und bringen diese Eindrücke in unsere Manufaktur. Diese Perspektive von außen ist enorm wertvoll.

Entstehen bei Ihnen auch Möbel direkt aus konkreten Projekten heraus?
Ja, immer wieder. Da wir von der Metallverarbeitung bis zum fertigen Polstermöbel alles im Haus haben, können wir sehr flexibel auf architektonische Anforderungen reagieren, Sonderlösungen entwickeln oder bestehende Entwürfe so anpassen, dass sie perfekt in ein Projekt passen. Aus solchen Projekten sind in der Vergangenheit auch Modelle entstanden, die später Teil der Kollektion wurden. Zu unseren Neuheiten für 2026 kann ich noch nicht viel verraten – wir zeigen sie im Herbst. Aber so viel kann ich sagen: Es tut sich gerade sehr viel, sowohl im Objekt- als auch im Wohnbereich.


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