Alle wollen nach Angola. Das Partnerland der diesjährigen ITB ist Afrikas neuestes Traumziel – und im Detail noch kaum bekannt. Wir sprachen mit einem Weltenbummler, der es kürzlich intensiv kennenlernen durfte: Robert Haidinger, Autor und LAIF-Fotograf, über die Gründe warum man Angola jetzt besuchen sollte.
Was vor zwei Jahren mit der Visa-freien Einreise für mittlerweile über neunzig Staaten begann, entwickelte sich binnen Kürze zu einer der heißesten Outdoor & Adventure Destinationen Afrikas: Angola erlebt soeben seinen touristischen Höhenflug.
Die Gründe für den Hype um “Afrikas letztes Geheimnis” liegen auf der Hand. Dichte Maiombe-Wälder an der nördlichen Grenze zum Kongo, und am südlichen Ende spektakuläre 4WD Abenteuer inmitten riesiger Sanddünen unmittelbar an der einsamen Atlantikküste. Dazwischen laden kilometerlange Sandstrände, Lagunensysteme an der Mündung mächtiger Flüsse, und Bergplateaus mit historischen Kaffeeplantagen zum Staunen ein — nicht zu vergessen Afrikas zweitgrößter Wasserfall, die spektakulären Kalandula-Fälle. All das macht Afrikas siebengrößtes Land zum Idealrevier für abenteuerlustige Entdecker.
An Platz mangelt es dabei nicht: Angola ist viermal so groß wie Deutschland, bei 39 Millionen Einwohnern. Klingt fast zu gut um wahr zu sein? Mit dieser Frage beginnen die Unschärfen des neu entdeckten Traumzieles. Kaum Reiseliteratur, noch weniger Leute, die hier unterwegs waren — sieht man von Managern und Monteuren jener großen internationalen Unternehmen ab, die das rohstoffreiche Land seit Jahren aus ganz anderer Perspektive kennen gelernt haben. Was ist freudig aufgenommenes Klischee, was reiner Werbe-Sprech, was geht wirklich vor Ort — und wie? Einer, der Angola vor wenigen Monaten intensiv bereisen konnte, und solche Fragen beantworten kann, ist der Wiener Autor und LAIF-Fotograf Robert Haidinger. Signature traf ihn zum Angola-Fakten-Check.
Robert, was hat dich konkret nach Angola gezogen — vor dem aktuellen Hype?
Das geschah mit längerem Anlauf. Der eigentliche Auslöser war eine Fly-In-Safari Reportage über die namibische Skeleton Coast. Wir landeten mitunter auf einsamen Sandstränden, und der Pilot, Andrew DuPreeze, schwärmte vom schönen Land nördlich der Grenze — leider Off Limits. Seither trieb mich die Idee zu einem Angola-Projekt an. Aber lange Zeit überwogen Negativ-Meldungen: Landminen, Bürgerkrieg, später Reisebeschränkungen, und abgehobene Preise auf dem Manager-Niveau des internationalen Erdöl-Business. Als mich letztes Jahr eine Agentur, Kleber Group, mit dem Job beauftragte, das Reiseland Angola in Szene zu setzen, lief man bei mir offene Türen ein.
Wie einfach ist individuelles Reisen im Land heute?
Nicht schwieriger als in anderen Ländern der Region. Mietwagen und Selfdrive sind kein Problem. Der Zustand der Straßen ist variabel. Mitunter Piste, oder es werden gerade neue Abschnitte errichtet. Dann geht es langsamer, und staubig wird es auch. Die meisten Ziele, die Touristen ansteuern, liegen allerdings entlang des Atlantik, und damit an einer überwiegend gut ausgebauten Autobahn.
Wie sieht es mit der Versorgung unterwegs aus?
Das Tankstellennetz ist gut ausgebaut. Bei den modernen Filialen der Pumangol-Gruppe gibt es sogar einen hervorragenden Espresso! Das findet man nicht überall. Die größeren Städte wie Luanda, Benguela oder Lubango haben längst moderne Supermärkte.
Und die Kulinarik?
In Angola betritt man den lusitanischen Kulturkreis, geprägt von portugiesischen Kolonialzeiten. Das bedeutet: Brasilianische Feijoado-Eintöpfe, diverse Arroz-Varianten. Kleinere Cafès servieren zum Nachschlag portugiesische Pasteis de Nata, und Marisquerias frisches Seafood. Bacalaho-Varianten findet sich neben gegrilltem Fisch. Am Land wird es afrikanischer. Beim Calulu-Eintopf ist man auf der sicheren Seite. Red Alert Vokabel, die eher zu Vorsicht mahnen, sind dann Catatas oder Cabidela. Sie stehen für Raupen in Knoblauch und Gerichte, die in Blut gekocht werden.
Apropos Blut. Hast du dich vor Ort immer sicher gefühlt?
Vor allem habe ich mich mitunter wie ein Alien gefühlt.
Warum das?
Das hat damit zu tun, dass das Land viele Jahre lang praktisch isoliert war. Touristen sind an vielen Orten noch immer kein alltäglicher Anblick. Man hat mitunter das Gefühl, die Einheimischen wissen nicht so recht, wie Umgehen mit Fremden. Das beinhaltet eine gewisse Scheu, die durchaus Vorteile hat. Man wird in Ruhe gelassen, aufdringliche Keiler und bettelnde Kinder sind in Angola noch die Ausnahme. Gelegentlich hatte ich das Gefühl: So muss das Reisen in den Sixties gewesen sein, als viele Länder kaum Tourismus kannten. Oder anders gesagt: Man hat es hier mit einem einzigartigen Zeitfenster zu tun, das sich wohl schnell schließen wird.
Wie läuft die Kommunikation auf sprachlicher Ebene?
Was mich überraschte: Portugiesisch ist weit verbreitet. In Angola gibt es einundvierzig Sprachen. Gerade deswegen ist Portugiesisch als verbindendes Element wichtig. Dreiviertel der Einwohner sprechen zu Hause Portugiesisch. Wer ein paar Brocken Spanisch oder Italienisch kann, ist dann im Vorteil. In den Städten kommt man auch mit Englisch ein Stück weiter.
Aber kommen wir nochmal zum Thema Sicherheit.
Generell hatte ich das Gefühl: nach mehreren Jahrzehnten Bürgerkrieg, der fast jede Familie auf die eine oder andere Weise betroffen hat, dominiert der Wunsch nach Stabilität und Sicherheit. In den Städten ist Polizei präsent, die Verbrechensrate von Luanda liegt weit hinter jener von Johannesburg oder Nairobi. Was Gewaltverbrechen angeht, rangiert Angola hinter Ländern wie den USA, Argentinien, Brasilien und sogar hinter den Seychellen. Natürlich gilt auch hier: keine nächtlichen Spaziergänge in afrikanischen Städten. Es sei denn man hat Gründe. Ich bin zur Dämmerung ja regelmäßig mit Foto-Equipment unterwegs, da ist ein Fahrzeug keine schlechte Idee.
Und am Land?
Ein Sonderfall sind die Ziele im Norden. Hier liegen wertvolle Bodenschätze, es existieren die Diamantensperrgebiete Lunda Norte und Lunda Sul. Der berühmte Resource Curse, der Fluch des Geldes, lockt auch hier Kriminelle an. Wer zu den extraterritorialen Maiombe Regenwäldern von Cabinda hoch will, oder zu anderen Grenzgebieten zum Kongo, organisiert das besser mit einer lokalen Agentur oder über die Lodge selbst. Der Weg zu den spektakulären Kalandula Falls, Afrikas zweitgrößtem Wasserfall östlich von Luanda, ist hingegen kein Problem. Gleich daneben liegt dann ein weiteres Highlight: die magischen Schwarzen Felsen von Pungo Andongo — für mich der ideale Drehort von “Tarzan und der geheime Elefantenfriedhof”. In der Morgendämmerung ist das Romantik pur.
Wie aufwändig ist es zu den anderen landschaftlichen Coverstars zu kommen?
Immer nur die Küste runter. Entlang der wichtigsten Nord-Süd-Verbindung des Landes fädeln sich dann die bizarre Erosionslandschaft Miradouro da Lua, die Traumstrände um Cabo Ledo und ganz im Süden natürlich die spektakulären Sandsteinformationen und Dünenlandschaften um den Ort Namibe auf. Erste Strandresorts existieren auch. Luxuriöse Camps, wie man sie von Afrika kennt, kann man noch an einer Hand abzählen.
Was hat dich am meisten überrascht?
Zunächst die enorme Vielfalt an Landschaften: Urwald, Wüste, Schluchten, Wasserfälle, Hochplateaus, wildromantische Küsten — das Potential von Angola ist sensationell. Aber das ist längst nicht alles. Es existiert eine vielfältige, intakte Stammeskultur. Wer, wie ich, ein Faible für Lost Places hat, kann im Hinterland verwaiste Plantagenhäuser aus der Kolonialzeit entdecken. Eine andere Besonderheit ist das moderne Architekturerbe: In ganz Angola finden sich frühmodernistische Gebäude aus den Dreißiger bis Sechziger Jahren. Bunt gefärbte Häuser mit futuristischen Heckflossen, brutalistische Kinobauten, oder Markthallen in Art Déco-Eleganz. Auch das trägt zum sensationellen Angola-Mix bei.
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