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Es gibt Künstler, deren Werke man betrachtet. Und es gibt jene, die Räume verändern, Wahrnehmung verschieben und einen körperlich in ihre Kunst hineinziehen. Anish Kapoor gehört seit Jahrzehnten zweifellos zur zweiten Kategorie. Umso größer ist die Vorfreude auf seine große Ausstellung in der Hayward Gallery des Londoner Southbank Centre, die von 16. Juni bis 18. Oktober 2026 zu den kulturellen Höhepunkten des Jahres zählen dürfte.

Nach beinahe drei Jahrzehnten kehrt Kapoor damit an jenen Ort zurück, an dem bereits 1998 seine erste große institutionelle Überblicksschau in Großbritannien stattfand. Der 1954 in Mumbai geborene und heute in London lebende Künstler zählt zu den prägenden Stimmen der Gegenwartskunst. International bekannt wurde Kapoor mit Werken, die unsere Wahrnehmung herausfordern: spiegelnde Oberflächen, scheinbar bodenlose Leerräume, monumentale Pigmentarbeiten oder jene tiefschwarzen Objekte, die Licht beinahe vollständig absorbieren. 

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George Darell ©
Anish Kapoor

Vielen ist er durch Cloud Gate in Chicago – liebevoll The Bean“ genannt – bekannt, andere verbinden ihn mit seinen monumentalen Installationen in Versailles, Venedig oder London. Immer geht es um mehr als Skulptur: um Raum, Illusion, Körperlichkeit und die Frage, wie wir sehen und empfinden. Dass Kapoor längst weit über den klassischen Kunstkontext hinaus wirkt, zeigen auch seine Kooperationen. So arbeitete der Künstler zuletzt mit Rémy Martin XO zusammen und entwickelte eine skulpturale Edition, die seine Faszination für Reflexion, Materialität und Wahrnehmung in ein Objekt übersetzte – ein spannender Beleg dafür, wie selbstverständlich sich seine Formensprache heute zwischen Kunst, Design und Luxus bewegt. Mehr dazu auf signature​.at: Rémy Martin XO macht gemeinsame Sache mit Star-Künstler Anish Kapoor

Die Ausstellung in der Hayward Gallery wird bewusst keine klassische Retrospektive sein. Statt eines chronologischen Rückblicks erwartet Besucher eine immersive Reise durch fünf Jahrzehnte künstlerischen Schaffens – mit ikonischen Arbeiten ebenso wie neuen Installationen, die eigens für London entwickelt wurden. Drei monumentale Werke sollen dabei ganze Bereiche der Galerie einnehmen und Kapoor-typische Grenzerfahrungen schaffen: Räume, die sich auszudehnen scheinen, Oberflächen, die Orientierung auflösen, und Objekte, die zwischen Faszination und Irritation oszillieren. Bereits angekündigt sind großformatige Spiegelarbeiten auf den Außenterrassen, geheimnisvolle Void Works“ sowie neue, fast architektonisch gedachte Installationen, die Besucher körperlich fordern.

Besonders spannend erscheint dabei auch der Kontrast innerhalb seines Werks. Neben den fast meditativ wirkenden Spiegel- und Pigmentarbeiten zeigt Kapoor seit einigen Jahren zunehmend rohe, körperliche und tiefrote Arbeiten aus Wachs, Silikon und Harz – Werke, die eher an organische Landschaften oder innere Zustände erinnern als an klassische Skulptur. Gerade diese Spannung zwischen Schönheit, Irritation und emotionaler Wucht macht seine Kunst bis heute so faszinierend.

Anish Kapoor
Anish Kapoor. All rights reserved, DACS, 2026 ©
Blinded by Eyes, Butchered by Birth, 2024

Dass ausgerechnet das Southbank Centre diese Ausstellung im Rahmen seines 75-jährigen Jubiläums präsentiert, erscheint fast folgerichtig. Kaum ein Künstler versteht es so eindrucksvoll, Räume in emotionale Erfahrungswelten zu verwandeln. Wer also in diesem Sommer nach London reist, sollte diese Ausstellung unbedingt einplanen. Denn wenn Kapoor eines schafft, dann wohl dies: dass man eine Galerie anders verlässt, als man sie betreten hat.

southbankcentre​.co​.uk


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