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Frauen im Fokus, Biennalen im Wandel, der Markt in Bewegung: 2026 verspricht ein Jahr zu werden, das den Dialog zwischen Geschichte und Gegenwart neu belebt – ein vielschichtiges Bild der Kunstwelt, zwischen Vermächtnis und Aufbruch, zwischen Markt und Forschung, zwischen persönlicher Handschrift und globaler Bühne.

Dicht und vielseitig: Das Jahr 2026 verspricht ein spannendes Kunstjahr zu werden. Überall auf der Welt laufen große Ausstellungen, Biennalen und Kunstmessen, die neue Themen aufgreifen und bekannte Formate weiterentwickeln. Dabei treffen sehr unterschiedliche Dynamiken aufeinander: kuratorische Langzeitprojekte auf ein immer schneller getaktetes Messejahr, politische und gesellschaftliche Fragestellungen auf den internationalen Kunstmarkt. Was auffällt: Ein zentrales Thema ist die starke Präsenz weiblicher Positionen.

Viele Institutionen – allen voran die Tate in London – rücken Künstlerinnen des 20. und 21. Jahrhunderts ins Zentrum und setzen damit klare Schwerpunkte im aktuellen Kunstbetrieb. Die Tate Modern widmet 2026 mehrere große Retrospektiven Frauen, die Kunst und Selbstbild neu definiert haben: Tracey Emin, Frida Kahlo und Ana Mendieta. Parallel dazu zeigt die Tate Britain Einzelausstellungen von Hurvin Anderson sowie eine große Schau über Kunst und Mode der 1990er Jahre, kuratiert von Edward Enninful.

Gropius in Kreuzberg, Chanel in Berlin

In Paris rückt das Grand Palais mit der Ausstellung Matisse. 1941 – 1954“ das späte Werk des Künstlers ins Licht – jene Jahre, in denen Matisse mit Farbe, Scherenschnitt und Form radikal experimentierte. In Deutschland feiert der Hamburger Bahnhof in Berlin sein 30-jähriges Bestehen mit einem ambitionierten Programm: Einzelausstellungen von Shilpa Gupta und eine zweite CHANEL Commission“ mit Lina Lapelytė stehen ebenso auf dem Plan wie die Retrospektive zu Ryūichi Sakamoto. Der Gropius Bau beleuchtet mit Kreuzberg (AT)“ die Geschichte der Arbeitsmigration in Berlin und betont die Rolle lokaler Communitys im internationalen Kunstgespräch. Wann: 24. März bis zum 2. August 2026

61. Biennale di Venezia

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Francesco Galli / Mirjam Kluka ©

Im Mittelpunkt des internationalen Kalenders steht die 61. Biennale di Venezia, die vom 9. Mai bis zum 22. November 2026 läuft. Sie setzt das Konzept der 2025 verstorbenen Kuratorin Koyo Kouoh posthum um. Unter dem Titel In Minor Keys“ dürfte die Schau zu den prägenden Momenten des Jahres gehören. Auch andere Biennalen stellen 2026 ihre Struktur auf den Prüfstand. In Istanbul widmet sich die 18. Biennale unter Christine Tohmé dem Aufbau einer Akademie und einem umfassenden Bildungsprogramm in Zusammenarbeit mit lokalen Initiativen. Die Manifesta 16 im Ruhrgebiet bezieht sich auf die Nachkriegsarchitektur der Region und verbindet Kunst mit Fragen des sozialen und städtischen Wandels. Die ­Biennale of Sydney bringt im Frühjahr unter der Leitung von Hoor al-Qasimi internationale Künstler in der White Bay Power Station zusammen, während in den USA das Carnegie International in Pittsburgh den Dialog über neue Formen der Zusammenarbeit sucht. Wann: 9. Mai bis 22. November 2026

Neu im Netzwerk: Art Basel Qatar

M7 in Doha horizontal Courtesy of Art Basel Hi Res
Courtesy of Art Basel ©
M7 in Doha

Auch der Kunstmarkt bleibt 2026 in Bewegung. Die Art Basel erweitert ihr globales Netzwerk um einen neuen Standort: Erstmals findet mit Art Basel Qatar (Doha, 5. – 7. Februar 2026) eine Messe im Nahen Osten statt – ein Schritt, der die wachsende Bedeutung der Region unterstreicht. Daneben behauptet die Art Basel ihre zentrale Rolle mit weiteren Ausgaben in Hongkong, Basel, Paris und Miami Beach. Die Schweizer Hauptmesse im Juni bleibt der wichtigste Treffpunkt des Jahres; parallel zeigt die Liste Art Fair in Basel aufstrebende Positionen. In New York, London und Los Angeles prägt die Marke Frieze den Messekalender; in Maastricht bleibt die TEFAF der Maßstab für Kunst, Antiquitäten und Design. Wann: 5. bis 7. Februar 2026

Ab ins Museum: Was sonst noch kommt

Cezanne La Montagne Sainte Victoire vue des Lauves 1902 06
Privatsammlung, Fondation Beyeler ©
Paul Cezanne, La Montagne Sainte-Victoire vue des Lauves, 1902–06 Öl auf Leinwand, 65 x 81 cm Privatsammlung

Neben internationalen Blockbustern rücken 2026 zahlreiche präzise kuratierte Programme in den Vordergrund, die neue Perspektiven und vielfältige Stimmen sichtbar machen. In Wien zeigt das Belvedere 21 zeitgenössische Positionen von Sandra Mujinga, Friedl Kubelka / vom Gröller, Sue Williams und Miao Ying. Die Albertina widmet sich Honoré Daumier sowie der Popkultur-Ikone KAWS; das Kunsthistorische Museum kombiniert Canaletto und Bellotto in einer großen Schau zu Städtebildern und urbanen Atmosphären. In Frankreich präsentiert das Centre Pompidou-Metz eine umfassende Retrospektive zu Louise Nevelson, und die Fondation Beyeler in Riehen eröffnet das Jahr mit einer Cézanne-Schau. Im Mori Art Museum in Tokio treffen mit Ron Mueck und Mariko Mori zwei sehr unterschiedliche künstlerische Zugänge zu Körper und Spiritualität aufeinander. Ergänzend rücken viele Häuser Themen wie Ökologie, Erinnerungskultur und Transkulturalität in den Fokus.


Tate Modern

London widmet Tracey Emin ihre bislang umfassendste Schau. A Second Life“ – eine kraftvolle Rückschau und Verdichtung ihres Werks – präsentiert über 90 Werke aus vier Jahrzehnten. Emin, die in den 1990ern mit ikonischen Arbeiten wie My Bed“ weltbekannt wurde, löste mit radikaler Offenheit Debatten über Grenzen von Kunst und Intimität aus. Ihre kompromisslose Selbstent-blö-ßung prägte eine Ära britischer Kultur: verletzlich, direkt, unerschrocken.

Eyal Ofer Galleries
27.2. bis 31.08.2026
tate​.org​.uk

Hamburger Bahnhof – Staatliche Museen zu Berlin

Für die zweite Ausgabe der CHANEL Commission“ verwandelt Lina Lapelytė die Historische Halle des Hamburger Bahnhofs in eine polyphone Bühne. Ihre interdisziplinäre Praxis – verwurzelt in klassischem Violinspiel, improvisierter Musik und Popkultur – aktiviert gesangliche Gemeinschaftssituationen, in denen Architektur, Stimme und Raum verschmelzen. 2019 erhielt sie für Sun & Sea (Marina)“ den Goldenen Löwen in Venedig.

Hamburger Bahnhof – Nationalgalerie der Gegenwart
01.05.2026 bis 10.01.2027
smb​.museum

Österreichische Galerie Belvedere

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Sue Williams. Courtesy 303 Gallery, New York. Foto: John Berens ©
Sue Williams, All Roads Lead to Langley, 2016

Im Belvedere 21 setzen 2026 zwei Frauen starke Akzente: Sandra Mujinga („Skin to Skin“, von 29.01. bis 31.05.2026) erforscht Identität, Sichtbarkeit und digitale Körperlichkeit in atmosphärischen Installationen, die Machtstrukturen und Zukunftsfiktionen verhandeln. Parallel dazu zeigt das Museum von 20.02. bis 07.06.2026 eine große Schau der US-Künstlerin Sue Williams, deren Werk Feminismus, Körper und Machtverhältnisse sowie Gewalt zwischen Comic-Ästhetik und abstraktem Ausdruck neu verhandelt. Beide Präsentationen öffnen Räume für vielschichtige Perspektiven und Dialoge. belvedere​.at

Grand Palais

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Getty Images / Archive Photos ©

Das Grand Palais in Paris präsentiert Henri Matisse. La couleur sans limite“, eine umfassende Schau zum Spätwerk des Künstlers. Im Fokus stehen die Jahre 1941 – 1954 und die von Matisse entwickelte gouache-découpée-Technik, die Farbe und Form neu definiert. Neben ausgeschnittenen Papierarbeiten sind Gemälde, Zeichnungen, Textilien und Glasarbeiten zu sehen – insgesamt mehr als 230 Werke aus internationalen Sammlungen.

Grand Palais

24.03. bis 26.07.2026
grandpalais​.fr


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