Wie Juan David Martínez Jofre eine Industriehalle in Inca in ein architektonisches Wellness-Erlebnis verwandelte – und welche Kunst‑, Design- und Genussadressen Mallorca abseits bekannter Pfade prägen.
Bella Hora entstand aus einer klaren Absicht: Eine ehemalige Industriehalle in Inca sollte nicht nur verkleidet, sondern in ein architektonisches Wellness-Erlebnis transformiert werden. Der Bestand war geprägt von einer klaren Tragstruktur, einer großen Raumhöhe und einer starken technischen Präsenz. Die Herausforderung lag nicht im Mangel an Charakter, sondern in dessen Übermaß.
Anstatt die industrielle Identität zu neutralisieren, entschied sich Minimal Studio für einen dialogischen Ansatz. Das Weiche tritt in Beziehung zum Strukturellen, das Menschliche überlagert das Mechanische. Die bestehende Halle bleibt lesbar, doch innerhalb ihres orthogonalen Rasters entwickelt sich eine neue, organische Ordnung.
Bella Hora basiert auf einer klaren Überzeugung: Wohlbefinden ist eine räumliche Aufgabe. Das Projekt versteht sich daher nicht als Planung einer Sportinfrastruktur, sondern als Gestaltung einer Atmosphäre. Das Ziel bestand darin, Training als kontinuierliches architektonisches Erlebnis zu konzipieren und einen Raum zu schaffen, der Intensität ermöglicht, ohne visuelle Überreizung zu erzeugen. Reduktion wird zur Strategie. Kontinuität wird zur Struktur. Ruhe wird zur Voraussetzung für Aktivierung.
Die räumliche Umsetzung folgt einer fließenden Bewegung. Anstelle additiver Räume entsteht eine zusammenhängende Innenlandschaft. Kurvige Einbauten lösen die Starrheit der Halle auf und eliminieren visuelle Reibung. Übergänge werden weich und beinahe intuitiv. Der Nutzer bewegt sich nicht durch klar definierte Zonen, sondern durch eine Sequenz, deren Rhythmus den Körper vorbereitet und den Geist stabilisiert.
Licht wird dabei als Material verstanden. Indirekte Beleuchtung modelliert die Konturen, mildert Kontraste und schafft eine stabile Atmosphäre. Selbst in Momenten körperlicher Intensität bleibt der Raum ruhig.
Die Materialpalette folgt einer strengen Disziplin: Sand- und Elfenbeintöne, fugenarme Oberflächen, warmes Naturholz und dezente Akzente aus gebürstetem Messing. Jede Entscheidung reduziert visuelle Störungen und lenkt die Wahrnehmung.
Leere ist dabei kein Rest, sondern ein aktives Gestaltungselement. Großzügige Volumen bleiben lesbar, Höhe und Luft arbeiten mit dem Licht. Reduktion führt nicht zu Verzicht, sondern zu Intensität.
Bella Hora misst nicht nur Wiederholungen. Es misst die Qualität von Zeit.
Juan David Martínez Jofre, Minimal Studio
Juan David Martínez Jofre gründete Minimal Studio als multidisziplinäres Büro mit Sitz im Norden Mallorcas. Der Fokus liegt auf Architektur, Innenarchitektur, Möbeln und maßgefertigten Elementen – mit dem Anspruch, Konstruktion, Design und Gestaltung auf ein gemeinsames Qualitätsniveau zu heben. Das Studio betrachtet jedes Projekt als Unikat. Anstelle standardisierter Lösungen verfolgt Minimal Studio einen stark personalisierten Ansatz, der von der konzeptionellen Idee bis zur baulichen Umsetzung reicht.
Die jüngsten Auszeichnungen im Jahr 2025 – darunter mehrere renommierte Designpreise – fügen sich dabei nahtlos in eine bereits vielfach prämierte Laufbahn ein.
Mit Bella Hora hat Juan David Martínez Jofre eine nüchterne Lagerhalle in Inca, Mallorca, in einen Wellness- & Fitnessclub mit atmosphärischer Tiefe verwandelt. Das Starre trifft auf organische Formen, das Industrielle auf fließende Kurven. Licht modelliert die Architektur, statt sie zu inszenieren. Sandtöne, Holz und Messing schaffen Ruhe und Präzision zugleich. Ein Ort, an dem Kraft und Regeneration, Disziplin und Genuss selbstverständlich koexistieren. Das Motto: Reduzieren, um zu intensivieren.
Der Plastic Box „Supermarket Akelarre“ im Hafen von Port de Pollença an der Nordküste Mallorcas ist radikaler Minimalismus im Gewand des Brutalismus. Eine klare, fast hermetische Hülle im urbanen Gefüge – roh, präzise, kompromisslos. Dunkle Portale führen in einen Raum aus Beton, Stahl und Licht. Über allem schwebt das Dach aus modularen Kunststoffboxen: recycelt, funktional, poetisch. Es filtert Tageslicht, verbirgt die Technik und zeichnet wechselnde Schattenbilder. Ein Supermarkt, in dem Material neu eingesetzt und Funktion zur Ästhetik erhoben wurde.
Im Symmetry Fitness & Fight Club in Alcúdia auf Mallorca empfängt den Besucher eine stille, ausbalancierte Atmosphäre, in der reduziertes Design und präzise gesetztes Licht eine ruhige Klarheit schaffen. Polierter Beton, feine Linien und modernste Trainingsgeräte fügen sich zu einem Raum, der Konzentration und Gelassenheit gleichermaßen trägt. Im Zentrum steht der beleuchtete Boxring, der die Dynamik des Raumes sammelt und fokussiert.
Numa Beach, direkt an der Playa de Muro im Norden von Mallorca, fügt sich harmonisch in die Küstenlandschaft ein. Neutrale Farben verbinden Raum und Meerblick zu einer klaren Einheit. Die Fugen aus Sand verankern das Gebäude im Gelände, während Lounge, Amphitheater und Rückzugsbereiche fließend ineinander übergehen. Der Zugang zu den Nassräumen wird bewusst inszeniert und öffnet den Blick auf Enge und Weite zugleich.
5 Fragen an Minimal Studio
Was ist die Kernidee hinter Bella Hora?
Wohlbefinden ist eine räumliche Aufgabe. Wir haben keine Sportinfrastruktur entworfen, sondern eine Atmosphäre. Architektur sollte nicht beschleunigen, sondern halten. Reduktion war unser Mittel, um Intensität zu ermöglichen.
Gibt es eine räumliche Erzählung?
Ja. Das Projekt ist als kontinuierliche Sequenz konzipiert. Die Nutzer bewegen sich nicht durch isolierte Räume, sondern durch eine fließende Innenlandschaft. Jede Kurve begleitet die Bewegung, und jeder Übergang reduziert die Reibung.
Welche Rolle spielt Leere?
Leere ist strukturell. Sie ist kein Rest, sondern ein aktives Gestaltungselement. Sie lässt Licht gleiten, verstärkt die Höhe und verhindert eine visuelle Überladung.
Wie wurden Material und Licht konzipiert?
Beides wurde als integraler Bestandteil der Architektur verstanden. Indirektes Licht modelliert den Raum, ohne ihn zu dominieren. Die bewusst reduzierte Materialpalette ermöglicht Kohärenz und Konzentration.
Was unterscheidet Bella Hora von einem klassischen Fitnessstudio?
Der Unterschied liegt nicht in der Ausstattung, sondern in der Atmosphäre. Bella Hora misst nicht nur Leistung, sondern auch die Qualität von Zeit.
Sightseeing in Hochform: Mallorquinische Designgeheimnisse, kuratiert für Signature von Juan David Martínez Jofre
Mallorca ist längst mehr als ein Postkartenklischee im mediterranen Spotlight. Die Insel hat sich zu einem Mekka für zeitgenössisches Design entwickelt, in dem Architektur, Handwerk, Kunst und Gastronomie entspannt mit Landschaft und Geschichte interagieren. Für Signature hat Juan David Martínez Jofre, Gründer des mallorquinischen Minimal Studio, eine Auswahl solcher Orte zusammengestellt. Sie zeigen ein anderes Mallorca – klar, sinnlich und neugierig auf alles jenseits der bekannten Pfade.
Palma mit Raumwunder
In der Hauptstadt Mallorcas reihen sich gotische Fassaden, enge Gassen und stille Innenhöfe aneinander. Die Altstadt wird zur Bühne für Gegenwartskunst und angewandtes Design. „Gallery RED“ setzt mit einem klaren internationalen Programm einen markanten Akzent. Kunst wird hier nicht dekorativ inszeniert, sondern selbstbewusst präsentiert. In der „Studio Gallery Mallorca“ trifft reduzierte Architektur auf eine neue Generation von Künstlern: Der Raum hält sich bewusst zurück, damit die Werke für sich sprechen können. Die „Gerhardt Braun Gallery“ erweitert den Blick mit kraftvollen, oft großformatigen Arbeiten, die zwischen Contemporary Art und designnahen Positionen pendeln. Und dann ist da noch „Stick No Bills“: Grafik als Erinnerungsarchiv der Insel. Reiseplakate werden hier zu Designobjekten – klar, ikonisch und mit starker visueller Identität. Palma zeigt sich an diesen Orten nicht als Kulisse, sondern als lebendiger Kurationsraum.
Design-Appetizer
In Playa de Muro liegt „NU Mallorca“ – mehr als ein Beach Club, vielmehr ein durchkomponiertes Erlebnis direkt am Meer. Architektur, Materialität und mediterrane Leichtigkeit greifen selbstverständlich ineinander. Die Linien sind klar, das Licht präzise gesetzt, der Horizont bleibt der eigentliche Protagonist. Auch die Küche folgt dieser Haltung: mediterrane Basis, asiatische Akzente. Sushi im Gegenlicht, später Lunch mit Sand unter den Füßen, Dinner im Rhythmus der Wellen.
Dialog mit dem Material
Die Straße führt weiter in Richtung Tramuntana. Stein, Wind und Vegetation verdichten sich, die Landschaft gewinnt an Intensität. In Deià treffen dichte Natur und gewachsene Dorfstruktur auf unmittelbare Weise aufeinander. Die „Gres Gallery“ versteht sich als Raum im Dialog mit diesem Kontext: zeitgenössische Kunst, eingebettet in Gassen, Topografie und das besondere Licht des Tals. Deutlich wird: Die Insel ist nicht Hintergrund, sondern Ausgangspunkt. Architektur und Kunst arbeiten mit dem, was Mallorca vorgibt – nicht dagegen.
Sound, Licht, Community
In Palma endet der Tag im „Over Club“. Ein Raum, der vom Klang her gedacht ist: Akustik, Lichtführung und Architektur folgen einer klaren, funktionalen Idee. Es gibt keine Effekte um ihrer selbst willen, sondern eine bewusst orchestrierte Atmosphäre. Techno, House und urbane Sounds, aber ohne Klischees. Im Mittelpunkt steht eine offene Community, die das Nachtleben als gemeinsames Erlebnis und räumliche Dramaturgie versteht.
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