teilen via

Zweihundert Jahre muss man erst einmal schaffen, das gilt für Schildkröten, Nationen und Demokratien. Für Bolivien ist es bereits heuer so weit, präziser am 6. August. Dann feiert der, nach dem Revolutionär Simón Bolívar benannte, dünn besiedelte Andenstaat das Bicentenario de Bolivia, die Unabhängigkeitserklärung gegenüber der alten Kolonialmacht.

Neben La Paz rückt dabei der Ort der historischen Vertragsunterfertigung in den Fokus: Sucre. Boliviens sechstgrößte Stadt ist zugleich eine der schönsten, und punktet mit atemberaubender hispanischer Architektur, was Sucre längst zu UNESCO Weltkulturerbe-City macht. Ewige Rivale von La Paz ist das auf 2790 Meter gelegene Sucre, das vor 200 Jahren noch den Inka-Namen Chuquisaca trug, auch. 

Bolivien in Feierlaune kann man freilich auch zu anderen Gelegenheiten erleben. Der farbenprächtige Karneval von Oruro, die Tänze der Sonnenkrieger von San Ignacio de Moxas oder die zweitägige Fiesta de Chutillos in Potosi sind weitere Rückblenden auf das Erbe traditioneller Kulturen. Die meisten Tänzer, nämlich bis zu 30.000, versammeln sich dabei im Rahmen von La Paz Festival Nuestro Senor Jesús del Gran Poderextravagante Umzüge, die sich ebenfalls auf Etappen der bolivianischen Geschichte beziehen.

Was wird 2025 gefeiert?

Im Zentrum der symbolisch höchst bedeutenden Feierlichkeiten steht die Unabhängigkeitserklärung von 1825, mit der sich Bolivien als eigenständige Republik vom spanischen Kolonialreich löste. Dieser Schritt markierte das Ende eines langen, blutigen Befreiungskampfes, der 1809 mit den ersten Aufständen in Chuquisaca (heute Sucre) und La Paz begonnen hatte und schließlich in den Siegen der Truppen von Simón Bolívar und Antonio José de Sucre mündete. Die neue Nation wurde zu Ehren Bolívars benannt – Bolivien.

Doch wie so oft liegt auch in diesem Jubiläum eine gewisse Ambivalenz. Die Republik war zunächst ein Projekt der kreolischen Elite, das viele strukturelle Ungleichheiten bestehen ließ – insbesondere für die indigene Mehrheit. Diese ungelöste Frage“ prägt die bolivianische Gesellschaft bis heute. Mit der neuen Verfassung von 2009 wurde Bolivien als Plurinationaler Staat“ neu gegründet – ein Versuch, die Vielstimmigkeit der über 30 indigenen Nationen anzuerkennen.

Das Bicentenario 2025 ist damit mehr als nur ein Blick zurück. Es ist ein Moment kollektiver Selbstvergewisserung und politischer Positionierung. Die Regierung inszeniert es als Schaufenster für ihren Entwicklungsplan Agenda Patriótica 2025“ – mit dem Versprechen, nun endlich die wahre“ Unabhängigkeit zu verwirklichen: ökonomisch, kulturell, sozial. Kritische Stimmen mahnen derweil: Zwischen historischem Stolz und gegenwärtigen Herausforderungen verläuft ein schmaler Grat.

Eine kulturelle Revolution

Wenn Bolivien feiert, dann mit ganzer Leidenschaft – und 2025 erst recht. Das Land mobilisiert für sein 200-jähriges Jubiläum eine kulturelle Großoffensive, die Tradition und Zukunft, Folklore und politisches Statement miteinander verwebt. Von Sucre über La Paz bis nach Cochabamba: Das gesamte Jahr ist ein Fest.

Im Mittelpunkt stehen natürlich die offiziellen Feierlichkeiten am 6. August, dem Nationalfeiertag, mit Militärparade und Flaggenzeremonie in Sucre. Doch das Bicentenario wird viel mehr sein als ein Staatsakt. Es ist eine kulturelle Feier der Vielfalt. Geplant sind landesweit über 200 Konzerte, wöchentliche Platzkonzerte (Retretas), Tanz- und Musikwettbewerbe sowie Wandertheater mit kritischer Geschichte“ – eine neue Erzählung jenseits kolonialer Klischees.

Auch international präsentiert sich Bolivien mit Stolz: Die Botschaften weltweit laden zu Gastronomie-Festivals ein, bekannte Wahrzeichen sollen in den Farben der bolivianischen Flagge und der Wiphala erstrahlen. Ein globales Jugendtreffen bringt junge Menschen aus über 80 Ländern nach Sucre. Influencer reisen zu den 200 touristischen Zielen des Bicentenario“.

Die Regierung spricht von einer kulturellen Revolution“. Ein ehrgeiziges Ziel, das auch neue Bildungsprojekte umfasst: eine historische Olympiade für Schüler, eine nationale Tesis-Initiative und die Bibliothek des Bicentenario“ mit 200 neu aufgelegten Werken. Und während in den Städten gefeiert wird, ist das Bicentenario zugleich Bühne für tiefere Debatten – über Identität, Zukunft und die Bedeutung eines Plurinationalen Staates“.

So wird aus einem runden Jahrestag eine Einladung: zum Feiern, zum Denken – und zum Neu-Erfinden.

Hoteltipp: Atix Hotel in La Paz

Neues High-Design Boutique Hotel in der Hauptstadt La Paz und zusätzlicher Schwerpunkt auf regionale Kulinarik im Rahmen von Proyecto Nativa.

Calle 16 n°, 8052, Calacoto La Paz
(+591) 789 61 200 | atixhotel​.com
DZ ab ca. € 158,–


Nichts mehr verpassen – wir halten Sie auf dem Laufenden!

Melden Sie sich jetzt für unseren Newsletter an.