Von kräftigem Acetat über neue geometrische Formen bis zu filigranen Metallfassungen: Diese Modelle zeigen, wohin sich Eyewear in dieser Saison bewegt.
Die Zeiten, in denen eine Brille möglichst unauffällig sein sollte, sind endgültig vorbei. Die neuen Fassungen spielen mit Farbe, Proportion und Material – mal demonstrativ, mal erstaunlich subtil. Zwischen burgunderrotem Acetat, grafischen Konturen und fast schwerelosen Metallrahmen wird die Brille zum eigenständigen Teil des Looks. Eine Auswahl der spannendsten Modelle der Saison.
1. Color Theory
Schwarz bleibt, aber es bekommt Konkurrenz. Vor allem tiefe Rot‑, Grün- und Beerentöne machen Farbe derzeit erstaunlich tragbar. Statt plakativem Colour Blocking setzen viele Fassungen auf transparente, changierende oder marmorierte Acetate, die je nach Licht anders wirken.
Besonders konsequent zeigt das Alain Mikli mit einer leuchtend roten, fast kristallin wirkenden Fassung. Miu Miu übersetzt denselben Gedanken in ein schmales dunkles Rot, während Burberry mit sattem Grün deutlich zurückhaltender bleibt. Auch gedeckte Rosa‑, Pflaumen- und Olivtöne tauchen immer wieder auf – Farbe wird weniger zum Statement als zur Alternative zu Schwarz und Havanna.
2. Soft Geometry
Rechteckig, aber nicht streng. Viele der stärksten Modelle der Saison arbeiten mit klaren geometrischen Grundformen, deren Konturen leicht abgerundet oder bewusst überzeichnet werden. Das Ergebnis wirkt grafisch, ohne technisch zu werden.
Prada setzt auf eine kräftige Acetatfassung mit leicht angehobenen äusseren Linien, Jimmy Choo auf ein beinahe skulpturales schwarzes Rechteck. Bei Ray-Ban und Coach wird die Form etwas weicher interpretiert. Auffällig ist dabei weniger eine einzelne Silhouette als die neue Präsenz der Fassung: Die Front darf sichtbar sein, die Bügel dürfen breiter werden, und selbst klassische Formen bekommen mehr Volumen.
3. Metal Works
Parallel zum kräftigen Acetat erlebt die feine Metallfassung ihr Gegenprogramm. Dünne Profile, geometrische Gläser und dezente Doppelstege erinnern an klassische technische Brillen – wirken heute aber wesentlich präziser und modischer.
Bei Ferrari wird die rechteckige Metallfassung betont funktional interpretiert. Giorgio Armani reduziert den Rahmen beinahe bis zur Linie, während Tory Burch mit polygonalen Konturen spielt. Besonders cool sind Modelle, bei denen Metall und Acetat kombiniert werden: etwa ein feiner Metallsteg mit einer farbigen oder schildpattartigen Einfassung der Gläser.
4. More Is More – in Detail
Die dekorativere Seite der Saison zeigt sich nicht unbedingt in übergrossen Logos. Interessanter sind Materialien, Muster und kleine konstruktive Details.
Eine gemusterte Fassung von Dolce & Gabbana erinnert fast an Spitze oder Brokat. Tiffany & Co. kombiniert marmoriertes Ac etat mit feinen goldfarbenen Bügeln, während Swarovski transparente und metallische Elemente gegeneinandersetzt. So entsteht Opulenz eher über Oberfläche und Verarbeitung als über reine Grösse.
Gerade diese Modelle zeigen, dass sich die Brille zunehmend ähnlich behandeln lässt wie Schmuck: als Detail, das einem ansonsten reduzierten Look Charakter gibt.
Die neue Freiheit der Form
Was die unterschiedlichen Entwürfe verbindet, ist weniger ein einzelner dominanter Trend als eine neue Bandbreite. Kleine und schmale Fassungen existieren neben grossen Acetatrahmen, hauchdünnes Metall neben expressiver Farbe. Die wichtigste Entwicklung ist deshalb vielleicht gerade, dass die Brille nicht länger einer bestimmten Silhouette folgen muss.
Entscheidend ist vielmehr ihre Wirkung: grafisch oder filigran, farbig oder fast unsichtbar, klassisch oder bewusst eigenwillig. Die besten Modelle dieser Saison versuchen nicht, sich zurückzunehmen.
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