Cartier startet gemeinsam mit The King’s Foundation ein neues Förderprogramm für dekorative Uhrmacherkünste. Der Punkt dabei ist grösser als Ausbildung: In einer Branche, die permanent über Innovation spricht, wird hier das Überleben seltener Handwerke zur eigentlichen Zukunftsfrage.
Die Uhrenwelt liebt den Blick nach vorn. Neue Materialien, neue Komplikationen, neue Inszenierungen. Was dabei oft übersehen wird: Die eigentliche Substanz dieser Industrie liegt in Techniken, die sich nicht beschleunigen lassen. Genau dort setzt die neue Partnerschaft von Cartier und The King’s Foundation an. Gemeinsam lancieren sie ein auf drei Jahre angelegtes Ausbildungsprogramm für dekorative Métiers d’Art in der Uhrmacherei – mit Fokus auf Disziplinen wie Emailkunst und Marketerie.
Das ist keine dekorative Randnotiz im Kulturkalender, sondern ein ziemlich präzises Signal. Denn während viel über die Zukunft des Luxus gesprochen wird, entscheidet sie sich oft an einer viel stilleren Stelle: bei der Frage, wer die seltenen handwerklichen Techniken morgen überhaupt noch beherrscht. Cartier beantwortet diese Frage nicht mit einer Sonderedition, sondern mit Ausbildung. Und genau das macht dieses Projekt so bahnbrechend für die Zukunft der Uhrenwelt.
Das neue postgraduate Programm umfasst fünf Monate formale Ausbildung und zwei Monate Projektarbeit. Unterrichtet werden spezialisierte Techniken wie Champlevé, Grisaille und Marketerie. Bewerben können sich in Großbritannien ansässige Absolventen aus Schmuck- und Uhrmacherei sowie junge Designer in den ersten drei Jahren ihrer Selbstständigkeit. Der Ausbildungsort ist bewusst stark gesetzt: Dumfries House in Ayrshire als Basis, ergänzt durch Aufenthalte in Cartiers Maison des Métiers d’Art in La Chaux-de-Fonds. Die erste Kohorte soll ihre Arbeiten im Frühjahr 2027 präsentieren; die Bewerbungsphase startet am 27. April 2026.
Interessant ist dabei nicht nur der inhaltliche Fokus, sondern auch die Symbolik dieser Kooperation. The King’s Foundation steht seit Jahren für den Erhalt traditioneller Künste und handwerklicher Ausbildung. Cartier wiederum verankert seine uhrmacherische Glaubwürdigkeit seit Langem über Savoir-faire, Atelierkultur und die Weitergabe von Wissen. Dass beide Seiten nun genau im Feld der dekorativen Uhrmacherkünste zusammenfinden, ist nur folgerichtig. Denn gerade diese Disziplinen gehören zu jenen Bereichen, die den Unterschied zwischen industrieller Produktion und kultureller Relevanz ausmachen.
Man kann diese Initiative auch als Antwort auf ein Luxusverständnis lesen, das sich gerade verschiebt. Weg von reinem Oberflächenglanz, hin zu Herkunft, Technik und echter Meisterschaft. Wer heute über Wert spricht, kommt an der Frage des Könnens nicht vorbei. Cartier scheint das verstanden zu haben. Die spannendste Investition ist 2026 nicht zwingend die nächste Uhr, sondern die nächste Generation jener Menschen, die sie auf einem aussergewöhnlichen Niveau überhaupt erst möglich machen.
Mehr zum Programm: kings-foundation.org
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