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Wie Van Cleef & Arpels sein Erbe bewahrt – und warum Haute Joaillerie heute im Museum angekommen ist. Ein Gespräch mit Alexandrine Maviel-Sonet, Patrimony & Exhibitions Director der Maison.

Schmuck ist mehr als Dekoration. Er trägt Erinnerungen, verdichtet Geschichte und erzählt von Handwerk, Stil und kulturellen Strömungen oft unmittelbarer als viele andere Kunstformen. Mit der Ausstellung Glanzstücke“ im Wiener MAK rückt Haute Joaillerie in einen musealen Kontext, der ihre Nähe zu Architektur, Design und angewandter Kunst sichtbar macht.

Van Cleef & Arpels spielt dabei eine zentrale Rolle: Die 1906 an der Place Vendôme gegründete Maison verfügt über ein außergewöhnliches Archiv und eine Patrimoine-Sammlung, die Kreationen aus mehr als einem Jahrhundert bewahrt. Im Gespräch erklärt Alexandrine Maviel-Sonet, wie historische Schmuckstücke identifiziert werden, warum die 1980er-Jahre gerade neu entdeckt werden und wie sich die Geschichte Europas bisweilen an einem einzigen Juwel ablesen lässt.

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Van Cleef & Arpels ©
Alexandrine Maviel-Sonet, Patrimony & Exhibitions Director bei Van Cleef & Arpels

Ein Gespräch mit Alexandrine Maviel-Sonet, Patrimony & Exhibitions Director bei Van Cleef & Arpels

Die Maison bringt Geschichte, Kreation und Erbe zusammen. Wie werden die Stücke für diese Sammlung identifiziert und ausgewählt? Welche Qualitäten muss ein Objekt verkörpern, um Teil des Patrimoine zu werden?
Wie Sie schon sagten, muss es das Erbe und die Kreativität des Hauses widerspiegeln. Wir achten auf die Identität unserer Kreationen. Das ist in all unseren Arbeiten sichtbar, daher ist es manchmal schwer zu entscheiden, was wir aufnehmen. Wir können natürlich nicht alles kaufen, was auf dem Markt an historischen Stücken verfügbar ist. Wir konzentrieren uns auf Objekte, die wir noch nicht besitzen, um eine repräsentative Sammlung von 1906 bis heute aufzubauen. Wir möchten jedes Jahrzehnt vertreten wissen, um die Verbindung zu allen Kunstbewegungen der Zeit herstellen zu können. Letztes Jahr hatten wir beispielsweise eine Ausstellung zum Art déco; wir hatten zwar Stücke, mussten diesen Bereich aber verstärken und haben gezielt Objekte aus dieser ­Periode erworben. Aktuell erweitern wir den Bestand der 80er- und 90er-Jahre, da diese Epoche nun 35 Jahre zurückliegt und wir diesen Teil der Geschichte und diesen wichtigen Trend zeigen möchten.

Tauchen Stücke manchmal über Auktionen oder private Sammlungen wieder auf? Welche Rolle spielen die Archive bei der Verifizierung?
Der Patrimoine kümmert sich um die Archive, die Sammlung und die Ausstellungen – diese drei Bereiche gehören zusammen. Jedes Stück hat eine Nummer, mit der wir es in den Archiven zurückverfolgen können. So stellen wir fest, ob es ein Original und ein echtes Stück des Hauses ist. Dank der Archive wissen wir, wer der Kunde oder wer der Auftraggeber war. Das Haus wurde 1906 an der Place Vendôme Nr. 22 gegründet, und dort sind wir immer noch. Alles wurde vor Ort aufbewahrt. Heute verfügen wir über zwei Kilometer Archivmaterial: Kundenda­teien, Rechnungen, Zeichnungen, kurz: ­einfach alles. Die Details zu den Kunden geben wir jedoch nicht preis. Das erwähnen wir nur, wenn es bereits öffentlich bekannt ist, wie bei einem Stück von Maria Callas, das aus einer öffentlichen Auktion stammte. Ansonsten kennen wir die Geschichte, teilen sie aber nicht, da es sich um private Daten handelt.

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Van Cleef & Arpels ©
Die berühmten Van Cleef & Arpels Zip-Ketten

Wir sprachen bereits über den Goldrausch“ der 80er-Jahre. Wie spiegelt sich die Ästhetik dieser Dekade in der Sammlung wider?
Es gibt ein wachsendes Interesse an den 80er-Jahren. In der Ausstellung in der ­Patrimoine-Galerie an der Place Vendôme zeigen wir Stücke wie die Torque“-Halsketten, die sehr spezifisch für diese Zeit sind. Wir organisieren dort kleine Ausstellungen mit etwa 50 bis 60 Objekten, um bestimmte Facetten der Sammlung zu erkunden. Die 80er- und 90er-Jahre haben eine sehr klare Linie und einen eigenen Stil. Diese Torque-Reifen, meist aus Gold, teilweise mit Diamanten oder sehr farbenfroh, vermitteln ein Gefühl von Macht. Es ist kein Klischee – man sieht förmlich die kraftvolle Frau der 80er-Jahre vor sich, die diesen auffälligen Schmuck trägt.

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Van Cleef & Arpels ©
links: der ikonische Ballerina-Clip; rechts: ein Collier mit Saphiren

Wie verbinden Sie historischen Schmuck mit zeitgenössischen Kontexten?
Es bereitet uns große Freude, unsere Schmuckstücke mit Meisterwerken aus dem MAK (Museum für angewandte Kunst) zusammenzubringen. Die Verbindung zwischen Schmuckkreation und angewandter Kunst ist deutlich sichtbar. Man erkennt die Kunstbewegungen, auch wenn sie nicht aus derselben Epoche stammen. Es war ein wichtiger Impuls, auch Stücke aus dem 16. Jahrhundert zu zeigen, die beispielsweise Arbeiten aus den 1950er-Jahren mit vielen Perlen inspiriert haben. Wir weiten den zeitlichen Rahmen bewusst aus, um diese Inspirationen innerhalb der Ausstellung sichtbar zu machen. Vor zehn Jahren war es noch nicht so üblich, Schmuck im Museum zu zeigen. Das hat sich erst in den letzten Jahren geändert; Schmuck wird heute als Kunst wahrgenommen. Wir möchten das Publikum daran erinnern, dass Schmuckstücke vollwertige Kunstwerke sind, besonders wenn man sie in diesem musealen Kontext sieht.

Wie lange dauert die Planung einer solchen Ausstellung?
Die Ausstellung hat im Juni eröffnet, und wir haben uns zum ersten Mal vor etwa zwei Jahren getroffen. Man braucht diese Zeit, um ein Konzept zu entwickeln, das sowohl für das MAK als auch für uns bedeutsam ist. Es soll keine schnell zusammengestellte Schau sein. Wir haben uns mit den Kuratoren über jedes Kapitel abgestimmt. Unsere Sammlung umfasst 3.000 Stücke, das MAK hat über 700.000 – wir konnten natürlich nicht alles sichten. Daher haben wir uns für eine Reise“ durch beide Sammlungen entschieden. Ein Thema ist Wanderlust“, da das MAK viele Objekte aus Übersee besitzt, insbesondere aus Asien. Asien und auch Indien waren wiederum große Inspirationsquellen für die Maison. Wanderlust“ steht aber auch für eine innere Suche: für den Wunsch, Dinge anders zu betrachten.

Es gibt faszinierende Querverbindungen in der europäischen Geschichte. Ein Teil des Schmucks von Marie-Antoinette gelangte doch einst über Brüssel in Einzelteilen nach Wien und wurde später neu gefasst. Gibt es historische Anknüpfungspunkte in Ihren eigenen Annalen?
Das ist das Faszinierende an Schmuck in Europa: Durch ein einziges Stück kann man die gesamte europäische Geschichte rekonstruieren. Die Geschichte der Juwelen von Marie-Antoinette klingt eigentlich wie ein Thriller. Tatsächlich war die Person, die damals für den Schmuck verantwortlich war, in Paris in dem Gebäude ansässig, in dem heute unsere Schmuckschule (L’École) untergebracht ist. Königin Marie-Antoinette übergab ihr die Juwelen, damit sie in Sicherheit gebracht werden. Es gibt so viele Querverbindungen in dieser Geschichte. Genau diese Tiefe wollen wir auch in der Ausstellung im MAK vermitteln, denn Schmuck erzählt Geschichten.


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