Aston Martin verfolgt mit dem „Piss-off-Factor“ eine Philosophie, die uns sofort erreicht: Wenn Technologie nicht mehr nützlich ist, sondern stört, muss sie weichen. Sobald die Justierung der Temperatur zum digitalen Hindernislauf in Untermenüs gerät, geht die Freude am Fahren verloren. Die Konsequenz beim neuen Vantage S: die Rückkehr zum analogen Befehl. Der Mut, komplizierte Lösungen wegzulassen und stattdessen auf physische Präzision zu setzen, ist Marek Reichman hoch anzurechnen.
Diese Entscheidung ist radikal, da sie sich dem Zeitgeist der totalen digitalen Vereinnahmung widersetzt. Doch sie ist vor allem konsequent zu Ende gedacht. Unter der Haube werkt der massiv überarbeitete 4,0‑Liter-V8-Biturbo mit 680 PS und 800 Nm Drehmoment. Mit einer Beschleunigung von 3,4 Sekunden auf 100 km/h und einer Höchstgeschwindigkeit von 325 km/h fordert der Vantage S volle Konzentration. Genau hier wird die haptische Logik zum Sicherheitsfaktor: Massive Drehregler erlauben eine blinde Bedienung bei hoher Dynamik. „Man möchte einen physischen Knopf für die Dinge haben, die man ständig benutzt“, bringt es der Designchef auf den Punkt. Es geht um die Freiheit, sich auf das Wesentliche zu konzentrieren: die Straße.
Was den Vantage S interessant macht, ist nicht nur die rohe Leistung, sondern die Art, wie Aston Martin das Auto auf Fahrpräzision trimmt. Der Frontmittelmotor arbeitet mit Hinterradantrieb, dazu kommt ein hinten angeordnetes ZF-Achtgang-Automatikgetriebe samt elektronischem Sperrdifferenzial. Die Gewichtsverteilung liegt bei 50:50, die Lenkung übersetzt mit 12,8:1, Aston Martin nennt zudem eine fest montierte Lenksäule und einen starr gelagerten Hinterachsträger, der die Torsionssteifigkeit der Karosserie um fünf Prozent erhöht. Genau diese Entscheidungen erklären, warum der Vantage S nicht nur schnell, sondern präzise und unmittelbar wirken soll.
Auch aerodynamisch bleibt es nicht bei Show. Die zentralen Haubenblades leiten heiße Luft aus dem Motorraum, am Heck erzeugt der durchgehende Decklid-Spoiler bei Höchstgeschwindigkeit 44 Kilogramm zusätzlichen Abtrieb. Dazu kommen 21-Zoll-Schmiederäder mit modellspezifischen Michelin Pilot Sport S 5‑Reifen, adaptiv geregelte Bilstein-DTX-Dämpfer und optional Carbon-Keramik-Bremsen, die 27 Kilogramm ungefederte Masse einsparen können. Das passt zur Grundidee dieses Autos: nicht digitale Überforderung, sondern maximale Rückmeldung dort, wo sie zählt.
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