Blumen sind nicht nur eines der ältesten Bildmotive der Kunst, sondern auch heute noch präsenteste Symbole unserer Gegenwart. Deswegen taucht die Ausstellung „Flowers Forever“ vom 27. März bis 30. August 2026 in der Kunsthal Rotterdam in die kulturelle Geschichte der Blume ein. Über zweihundert Exponate aus Kunst, Design, Mode und Wissenschaft verdeutlichen, welche Bedeutung sie im Laufe der Zeit hatte und wie sie sich über Jahrhunderte hinweg verändert hat.
Die Ausstellung verfolgt einen kulturhistorischen Ansatz: Blumen erscheinen hier nicht nur als ästhetisches Motiv, sondern als Träger religiöser Symbolik, wirtschaftlicher Wertgegenstand, politisches Zeichen oder Teil komplexer ökologischer Zusammenhänge. In sieben thematischen Kapiteln zeichnet die Schau nach, wie eng Pflanzen mit gesellschaftlichen Ritualen, Emotionen und Ideen verbunden sind.
Gleich zu Beginn betreten Besucher eine der spektakulärsten Installationen der Ausstellung: Calyx der britischen Künstlerin Rebecca Louise Law. Die Arbeit besteht aus mehr als hunderttausend getrockneten Blumen, die zu einem raumfüllenden Geflecht zusammengefügt wurden. Der Besucher bewegt sich durch eine multisensorische Umgebung aus Duft, Farbe und Struktur – eine Installation, die bewusst zur Verlangsamung und Kontemplation einlädt.
Die Ausstellung zeigt zugleich, wie tief Blumen in mythologische und religiöse Bildwelten eingebettet sind. In der antiken griechischen Mythologie stehen sie häufig für Transformation oder göttliche Eingriffe. Ein bekanntes Beispiel ist der Mythos des Narziss, dessen Geschichte nicht nur literarische Traditionen prägte, sondern auch einer der bekanntesten Frühlingsblumen ihren Namen gab.
Ein weiterer Schwerpunkt liegt auf der Verbindung von Kunst und Wissenschaft. Botanische Zeichnungen und Herbarien aus dem 18. und 19. Jahrhundert dokumentieren, wie präzise naturwissenschaftliche Beobachtung und künstlerische Darstellung zusammenwirkten. Eine zentrale historische Figur ist die Naturforscherin Maria Sibylla Merian, deren Werk Metamorphosis insectorum Surinamensium von 1705 ebenfalls Teil der Ausstellung ist. Die zeitgenössische Künstlerin patricia kaersenhout greift dieses Kapitel in ihrer Arbeit Of Palimpsests and Erasure auf und macht in großformatigen Textilarbeiten auf übersehene Wissensquellen aufmerksam – insbesondere auf das botanische Wissen indigener und afrikanischer Frauen, das lange unsichtbar blieb.
Auch wirtschaftliche Aspekte spielen eine Rolle. Im 17. Jahrhundert wurden Blumen im Zuge der niederländischen Tulpenmanie erstmals zu Spekulationsobjekten. Die britische Künstlerin Anna Ridler übersetzt diese historische Verbindung von Natur und Markt in die Gegenwart: In ihrer Videoarbeit Mosaic Virus reagiert das Wachstum einer Tulpe auf Schwankungen des Bitcoin-Kurses.
Politische Bedeutungen von Pflanzen werden ebenfalls thematisiert. Die kanadische Künstlerin Kapwani Kiwanga beschäftigt sich in ihrer Arbeit The Marias mit dem Pfauenblumenstrauch, dessen Samen von versklavten Frauen genutzt wurden, um ungewollte Schwangerschaften zu beenden – ein stiller Akt des Widerstands innerhalb kolonialer Systeme.
Neben historischen Objekten präsentiert die Ausstellung auch Arbeiten zeitgenössischer Medienkunst. Das niederländische Studio Studio DRIFT zeigt mit Meadow eine kinetische Installation mechanischer Blumen, die sich in einer choreografierten Bewegung öffnen und schließen. Der französische Medienkünstler Miguel Chevalier lädt mit seiner interaktiven Installation Extra Natural in einen virtuellen Garten ein, in dem digitale Pflanzen auf die Bewegungen der Besucher reagieren.
Initiiert wurde Flowers Forever von der Kunsthalle München, die das Projekt gemeinsam mit der Kunsthal Rotterdam realisierte. Die Ausstellung wird von einem umfangreichen Katalog begleitet, der die kulturelle Bedeutung von Blumen in Kunst und Gesellschaft weiter vertieft. Mit dieser Schau wird deutlich, dass Blumen weit mehr sind als dekorative Motive. Sie erzählen Geschichten über Glauben, Macht, Wissenschaft, Handel und Widerstand – und spiegeln damit die komplexe Beziehung zwischen Mensch und Natur wider.
Lesetipp: Ann Carrington im Profil
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