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Luxus definiert sich gerade neu: weg vom Besitz, hin zum Erlebnis. Viele Hotels haben das verstanden und setzen nun auf Kunst als Schlüssel zu mehr ­Atmosphäre, Identität und Storytelling. Eine Reise in die Welt der Art Hotels.

Früher war Luxus einfach: große Betten, schwere Vorhänge, dicke Teppiche, ein Obstkorb, der nie leer wurde. Dann kam die Zeit der überdimensionalen Spas. Der anspruchsvolle Gast hat das längst alles gesehen. Was heute gesucht wird, ist etwas anderes: das Gefühl, zur richtigen Zeit am richtigen Ort zu sein. Ein Spitzenhotel verkauft nicht nur Zimmer, sondern Zugänge – zu besonderen Orten, Menschen und Erlebnissen. Die Klientel wünscht sich eine individuelle und sinnerfüllte Gestaltung von Zeiträumen, maßgeschneiderte Programme und temporäre Formate, die Exklusivität vermitteln und bleibenden Eindruck hinterlassen. Es geht nicht mehr um größere Suiten, es geht um Bedeutung. Und im besten Fall um kulturelle Authentizität. Damit kommt die Kunst ins Spiel. 

Art Hotels nennen sich mittlerweile viele – und sei es nur zu Marketingzwecken. Doch Häuser, in denen es wirklich um die Kunst geht, haben bestimmte Kriterien zu erfüllen und lassen sich in mehrere Kategorien unterteilen: Hotels mit großer Sammlung (meistens, weil der Besitzer selbst ein Kunstfreak ist), Lifestyle-Tempel, die auf originelle Weise Design und Kunst verbinden, und Edel-Herbergen, die eine Art Erweiterung eines Museums bilden. 

Ein besonders konsequentes Beispiel für letztere Kategorie ist The Silo Hotel“ in Kapstadt. Es sitzt buchstäblich auf einem Museumsbau: dem legendären Zeitz Museum of Contemporary Art Africa (MOCAA), dessen kürzlich verstorbene Direktorin Koyo Kouoh auch Chefkuratorin der diesjährigen Biennale von Venedig war. Wer im Silo“ übernachtet, muss sich nicht zwischen Kultur und Komfort entscheiden, man bekommt beides. Das Hotel ist Ergänzung des Museums, das Museum Teil des Aufenthalts. Eine elegante Lösung für ein klassisches Problem: Wie bringt man Menschen dazu, sich freiwillig mit Gegenwartskunst zu beschäftigen? Man gibt ihnen den Zimmerschlüssel dazu. Ein noch stringenteres Konzept verfolgt das MACAM in Lissabon. Ein beeindruckendes Ensemble aus historischer Industrie-Architektur und modernen Anbauten, das sowohl ein exquisites Hotel als auch ein Museum beherbergt. Doch Musentempel und Schlafstätte sind hier nicht getrennt; die Zimmer befinden sich sowohl im historischen als auch in den neuen Gebäudeteilen, und auch die Galerieräume erstrecken sich über den gesamten Komplex. Die Basis für diese außergewöhnliche Kunstpräsentation bildet die riesige Sammlung von Armando Martins: portugiesische sowie internationale Kunst von Marina Abramović, Ólafur Elíasson, Dan Graham und vielen mehr. Hier lässt sich ein arty weekend verbringen, ohne dass man das Haus verlässt.

Das trifft aber auch auf manche Designhotels zu. Das Byblos Art Hotel Villa Amistà“ bei ­Verona etwa wirkt wie eine historische Villa, die zunächst von überambitionierten Stylisten und danach von der Kunst vereinnahmt worden ist. Werke von internationalem Rang stehen dort nicht im White Cube, sondern zwischen Bett, Bad und Frühstücksraum. Das kann man auch als Demokratisierung lesen – wenngleich man für die intime Nähe zur Kunst durchaus einen gewissen Preis zahlen muss. Auch das Ham Yard Hotel“ in London ist so ein Beispiel. Kunstvolle Innen­architektur, knallige Farben, gemusterte Stoffe, britische Handwerkskunst in äußerst spielerischen Ausformungen: Schon im Innenhof begrüßt den Besucher eine mächtige Bronzeskulptur von Tony Cragg. Hier ist der Übergang zwischen Design und Kunstinstallation fließend; einen Raum zum Zeichnen, eine prachtvolle Bibliothek und ein Theater gibt es ebenfalls. Laut der Times one of the 50 Best Places to Stay in the UK“.

Wirklich spannend sind solche Hotels besonders dann, wenn sie den Geist der Gegend atmen, wenn sie kulturelle Eigenheiten spürbar machen und zugleich Treffpunkt und Forum für die lokale Szene sind. The Standard, East Village“ in New York ist so ein Ort: ein kultureller Hotspot in Downtown Manhattan, wo Künstler nicht nur Präsentationsflächen finden, sondern auch Projekte mit Partnern aus der Nachbarschaft entwickeln können – wie etwa den Garden of Collective Futures“ gemeinsam mit dem Austrian Cultural Forum in New York. Für dieses Public Art Project wurde zehn internationalen ­Kreativen die Gartenmauer des Hotels zur Verfügung gestellt – ein bleibendes Zeichen im öffentlichen Raum.

Solche Initiativen gibt es längst nicht nur in den urbanen Zentren. Selbst klassische Ferienhotels am Strand können mit kulturellem Engagement überraschen. Das Minos Beach Art Hotel“ auf Kreta etwa präsentiert moderne Kunst mit einer lässigen Unaufdringlichkeit – sowohl in den Hotelräumlichkeiten als auch in der weitläufigen Gartenanlage. Ein Skulpturenpark mit mehr als 70 Objekten erstreckt sich zwischen den geschmackvollen weiß getünchten Bungalows – oft lugen sonderbare künstlerische Geschöpfe über­raschend zwischen der üppigen südlichen Flora hervor. Dieser Schatz wurde mit System geschaffen: Schon in den späten 1980er Jahren organisierte Gina Mamidakis ihr erstes Kunstsymposion, um eine neue kulturelle Identität für den mediterranen Raum zu definieren. Viele weitere Symposien folgten ebenso wie Förderprogramme für Studenten, Künstlerresidenzen sowie die Stiftung eines Kunstpreises. Eine über Jahrzehnte gewachsene Initiative, die wegweisend war und deren langjährige Expertise man bis heute spürt. 

Das ist es wohl, worauf es ankommt, wenn sich ein Haus als Art Hotel verstehen will: Seriosität und Vertrauenswürdigkeit; ein Verständnis von Kunst nicht als Dekor, sondern als Inhalt, als Überzeugung. Als Mittel, die Welt zu befragen und neue Perspektiven zu schaffen. Ein glaubwürdiges kulturelles Profil entsteht nicht über Nacht. Es braucht Kuratoren, Netzwerke, Geduld und Erfahrung – lauter Dinge, die sich nicht so leicht skalieren oder reproduzieren lassen. Für Hotels kann das auch ein Geschenk sein. Man schafft mit der Kunst genau das, was im Luxussegment zur knappsten Ressource geworden ist: ein Gefühl von Einzigartigkeit. Die Möglichkeit, Dinge und Begegnungen zu erleben, die man anderswo nicht haben kann. Kunst kann irritieren oder besänftigen, aufrütteln oder berühren – oder einfach nur schön sein. Und im besten Fall tut sie genau das, was ein gutes Hotel leisten sollte: Sie sorgt dafür, dass man anders abreist, als man angekommen ist.


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