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Zwischen Betonbunker, Performance-Oper und moderner Skulptur: Berlin zeigt sich im Juni 2026 einmal mehr als Kunsthauptstadt Europas. 

Oft grau, trist und dreckig, zeigt sich Berlin im Sommer – gerade kulturell – von seiner besten Seite: Das Stadtbild wird lebhafter, bunter und internationaler. Zwischen Museumsinsel, Mitte und Kulturforum verschwimmen Galeriehopping, Architekturspaziergang und Aperitivo beinahe automatisch miteinander. Genau darin liegt gerade jetzt die Stärke der Berliner Kunstszene: große Institutionen treffen auf experimentelle Räume, monumentale Retrospektiven auf intime Performances, Bunkergeschichte auf Klangkunst. Unsere vier Highlights für den Berliner Kunstsommer 2026 zeigen, warum sich ein Trip nach Berlin derzeit mehr denn je lohnt.


1. Klangräume & Kollektive: Lina Lapelytė – CHANEL Commission

400.000 Holzwürfel, Gedichte von insgesamt 15 internationalen Autoren – darunter Ocean Vuong, Etel Adnan und Mahmoud Darwish – und mittendrin Besucher, die Teil der Performance werden: Mit We Make Years Out of Hours verwandelt die litauische Künstlerin Lina Lapelytė auf Basis der zweiten CHANEL Commission im Rahmen des 30-jährigen Jubiläums des Hauses die historische Halle des Hamburger Bahnhofs in eine ständig wachsende, wieder verschwindende Landschaft aus Klang, Bewegung und Gemeinschaft. 

Was zunächst wie ein überdimensionales Spiel wirkt, entwickelt sich schnell zu einer poetischen Reflexion über Zeit, Fürsorge und kollektives Handeln. Gerade die Offenheit der Arbeit macht sie so besonders: Man schaut nicht nur zu, sondern bewegt sich mitten durch das Werk.

Lapelytė zählt längst zu den spannendsten Stimmen der internationalen Performancekunst – spätestens seit ihrem Goldenen Löwen bei der Biennale von Venedig für Sun & Sea. Für 2026 ist außerdem ein Projekt im Rahmen von Tate Play“ in der Turbine Hall der Tate Modern angekündigt.

Laufzeit: 1. Mai 202610. Januar 2027
Ort: Hamburger Bahnhof
Mehr Infos: Hamburger Bahnhof – Lina Lapelytė


2. Kunst im Betonbunker: Boros Collection #5

Kaum ein Ort steht so sehr für die Berliner Kunstszene wie die Boros Collection. Allein die Architektur macht den Besuch zum Erlebnis: ein ehemaliger Reichsbahnbunker aus dem Zweiten Weltkrieg, später Gefängnis, Lagerhalle und Techno-Club – heute eines der spektakulärsten privaten Ausstellungshäuser Europas.

Mit der fünften Sammlungspräsentation öffnet die Boros Collection nun wieder Räume, die für die kommenden Jahre unverändert bleiben werden. Gezeigt werden rund 27 zeitgenössische Positionen, darunter Pol Taburet, Mire Lee, Ed Atkins, Sung Tieu, Cyprien Gaillard oder Klára Hosnedlová.

Besonders spannend ist dabei die Dramaturgie der Schau: Viele Arbeiten kreisen um innere Zustände, Übergänge und psychologische Intensität – passend zur fast dystopischen Atmosphäre des Betonkolosses. Wer Berlin verstehen will, sollte diesen Ort gesehen haben.

Laufzeit: ab 3. Mai 2026
Ort:
Bunker Berlin-Mitte
Mehr Infos:
Boros Collection


3. Kunst als Ritual: Marina Abramović – Balkan Erotic Epic

Marina Abramović wird 80 – und wirkt gleichzeitig radikaler denn je. Mit einer großen Ausstellung rund um ihr Werk – unter anderem mit Balkan Erotic Epic“ – zeigt der Gropius Bau eine immersive Schau zwischen Performance, Videoarbeit, Ritual und Erinnerung.

Im Zentrum stehen Themen wie Körper, Spiritualität, Sexualität und kollektive Rituale des Balkans. Historische Arbeiten treffen auf neue Installationen und räumliche Inszenierungen. Live-Performances verwandeln den Museumsbesuch bewusst in ein physisches Erlebnis.

Abramović bleibt eine Ausnahmeerscheinung, weil ihre Arbeiten nicht distanziert betrachtet werden können – sie verlangen Präsenz.

Laufzeit: 15. April – 23. August 2026
Ort:
Gropius Bau
Mehr Infos:
Gropius Bau – Marina Abramović


4. Die Essenz der Form: Brancusi

Es ist eine jener Ausstellungen, für die man normalerweise nach Paris reisen müsste: Die Neue Nationalgalerie zeigt 2026 eine der umfassendsten Brancusi-Retrospektiven, die bislang in Deutschland zu sehen waren, mit über 150 Werken und einer Teilrekonstruktion seines legendären Ateliers. Brancusi gilt als Wegbereiter der modernen Skulptur. Seine radikal reduzierten Formen wirken bis heute erstaunlich zeitgenössisch – fast meditativ in ihrer Klarheit. Gerade im lichtdurchfluteten Mies-van-der-Rohe-Bau entfalten Werke wie Vogel im Raum oder Schlummernde Muse eine beinahe stille Kraft.

Besonders bemerkenswert: Die in die Ausstellung integrierte Atelierrekonstruktion macht anschaulich, wie eng Brancusi Raum, Sockel, Licht und Skulptur als Gesamtkunstwerk dachte.

Laufzeit: 20. März – 9. August 2026
Ort:
Neue Nationalgalerie
Mehr Infos: Neue Nationalgalerie – Brancusi


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