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Als erste deutsche Stadt wird Frankfurt 2026 zur World Design Capital gekürt. Unter dem Motto Design for Democracy“ und mit aktiver Einbindung der Bürger.

Design, Demokratie, Architektur, vielleicht übergroße Hunde, möglicherweise zu enge Türen. Wie immer hängt alles mit allem zusammen. Eine Frage der Perspektive ist es auch. Frankfurt am Main, Mitte November: Mainhattan“ steht in den Startlöchern zum Programm-Marathon World Design Capital 2026. Allgemeine Ausrichtung: Yes, we care. Das vor Kurzem eröffnete Boutique-Hotel Kimpton Main Frankfurt“ bricht die komplexe Materie lieber auf Vierbeiner-Niveau herunter. Aber holen wir eine Hundeleinenlänge weiter aus. Als fast vollwertiges Familienmitglied hat sich das Genre Haushund längst in zentrale Prozesse sozialer Alltagsstrukturen eingeschleust. Das weiß man auch im Design-Hotel, das mit Yogamatten in jedem Zimmer, einem analogen Echte-Menschen-Kennenlern-Format, nämlich der Kimpton Social Hour“ (freie Drinks) und dem fürsorglichen Forgot it? We’ve got it“-Service für zerstreute Traveller aktuelle Facetten einer urban geprägten Gästegeneration souverän bedient. Die Pets Welcome!“-Philosophie ist da nur ein weiterer Aspekt. In Frankfurt wird sie so pragmatisch gelebt, wie man es für einen Ort der Denker und Neuerer auch erwarten darf. Einzige Bedingung für den Check-in: Die Pets müssen durch die Tür passen. Maß nehmen am Leben selbst. Dimensionen richtig einordnen und innovative Lösungen wagen.

All das ist typisch für die künftige Design-Hauptstadt der Welt. Oder präziser: für die Region FrankfurtRheinMain, die mit Jahresbeginn San Diego und Tijuana als World Design Capitals ablöst, und die mit Fug und Recht von sich behauptet, eine Stadt im ewigen Wandel zu sein. An Belegen dafür mangelt es jedenfalls nicht. Das kürzlich fertig gestellte Quartier FOUR, ein Konvolut aus vier Hochhäusern nach Entwürfen des renommierten niederländischen Architekten Ben van Berkel, wird soeben als das neue Herz der Stadt gefeiert. Selbst sperrige deutsche Wortschöpfungen wie Hochhausrahmenplan“ können am prickelnden Versprechen des urbanen Neuen nichts ändern. Einmal öfter wird das nahtlose Ineinandergreifen von Wohnen, Arbeit, Kultur und Konsum in den Mittelpunkt gestellt. Das hat in der WDC 26 Tradition. 

04 View Up Quartiersplatz final
FOURFrankfurt ©

Apropos Tradition: Dass die Bar des in einem der Quartier-FOUR-Hochhaustürme untergebrachten Kimpton“ MAY“ heißt und mit Bauhaus-Stil aufwartet, ist dann kein Zufall. Sondern eine Hommage an Ernst May, jenen Architekten, der mit seinem Frankfurter Stil“ vor hundert Jahren das damals avantgardistische Gesicht Frankfurts prägte. Chronisch überschattet von den Bauhaus-Coverstars Dessau und Weimar ist die Würdigung dieses Frankfurter Erbes mehr als überfällig. Auch daran nimmt die neue Word Design Hauptstadt Maß.

Schrittmacher mit Einbauküche

Das Timing der Fertigstellung des neuen Stadtzentrums ist dabei keineswegs schlecht – knüpft es doch an stadtplanerische Überlegungen an, die unter dem Begriff Das Neue Frankfurt“ in die Architektur- und Designgeschichte eingingen. Im Jahr 2025 feierte dieses Neue Frankfurt seinen 100. Geburtstag. 1925 startete die Stadt am Main ein soziales Wohnungsbau- und Stadtplanungsprogramm, mit dem Ziel, die breite Bevölkerung mit bezahlbarem Wohnraum zu versorgen. Innerhalb von nur 5 Jahren entstanden mehrere Siedlungen mit 12.000 Wohnungen, die mit hohem Komfort ausgestattet waren; Balkon oder Dachterrasse, Zentralheizung, Badezimmer und Toi­lette sowie eine moderne Einbauküche – die legendäre Frankfurter Küche – setzten neue Standards. Öffentliche Gebäude und Grünflächen, Industrieanlagen wie das Elektrizitätswerk oder die Großmarkthalle halfen mit, den Ruf Frankfurts als Großstadt der Moderne zu etablieren. 

Das Timing ist aber auch im Hinblick auf heutige Entwicklungen perfekt. Weltweit verfolgen gefeierte Architekten Co-Living-Strategien und machen die Stadt zum Dorf – unter anderem. Der Blick auf den öffentliche Raum hat sich gewandelt. Blickt man auf die künftigen Schauplätze und Aktivitäten von WDC 26 und auf das Motto Design for Democracy. Atmospheres for a better life“, dann wird klar: FrankfurtMainRhein befindet sich auf der richtigen Spur. Von der Design Academy Eindhoven bis zum Politecnico di Milano gilt: Social Design ist die Disziplin der Stunde, verändert soeben den Designbegriff. Plötzlich steht weniger die Gestaltung von Objekten im Mittelpunkt als jene von Dienstleistungen und von Räumen – auch, um visuelle Identitäten zu formen. 

Menschlich gesehen: die Frankfurter Küche

Als die Wiener Architektin Margarete Schütte-Lihotzky hier ihre Frankfurter Küche entwickelte, ging es im Wesentlichen um die Erleichterung von Hausarbeit durch verbesserte Organisation und um die Aufwertung der Rolle der Frau – was diesen Entwurf auch zu einem Leitfossil von Social Design macht. Die menschliche Perspektive, die die Verbesserung der Lebensumstände von Otto und Ottilie Normalverbraucher in den Mittelpunkt rückt, nimmt im Design der Stadt und ihrer Umgebung eine zentrale Rolle ein. Noch heute sind die meisten Wohnhäuser und Siedlungen sowie zahlreichen öffentlichen Gebäude des Neuen Frankfurt in Funktion und sichtbar, werden gebraucht und genutzt.

Herabschauender Fund: der Flughafen Frankfurt

Umsteigen, weiterfliegen, runterschauen, wie das Frankfurter Kreuz, eines der meistbefahrenen Autobahnkreuze Europas, im Hochnebel verschwindet. Auch das ist für viele Frankfurt. Der Airport ist weiterhin Deutschlands wichtigster Hub – und hinsichtlich Frachtaufkommen der größte Europas. Geldströme lassen Mainhattan“ pulsieren. Deutschlands einzige Hochhaus-Skyline mit bis zu 300 Meter hohen Wolkenkratzern unterstreicht die Rolle als Messeplatz, Bankenstadt und Verkehrsknotenpunkt, als Ort der Märkte der Zukunft von IT, Finanzen und Pharmazie. 

FrankfurtRheinMain ist aber auch ein Zentrum der Kreativwirtschaft – mit einer enormen Dichte an Design- und Architekturbüros, mit Hochschulen, Agenturen, Museen, Theatern und Ateliers. Greater Frankfurt: Das ist zudem Städelschule, Goethe-Universität, Frankfurter Buchmesse, Daimler AG Design Center, Innovationscampus Offenbach, BDA Bund Deutscher Architekten, Braun Design und Deutscher Design Club. Stärker denn je lautet das Zauberwort in diesem Kontext: Vernetzung.

Zukunftsweisende Events

Eine Werkstatt mit großem Schaufenster – und ein Reallabor für zukunftsweisende Ideen. Auch so wird die World Design Capital 2026 von den Organisatoren beschrieben. Das eigentliche Ziel: Stärkung der in Bedrängnis geratenen Demokratie. Denn es geht um aktive Beteiligung. Als Design-Welthauptstadt fokussiert Frankfurt auf partizipatorisches Tun: Mehr als 1.000 Vorschläge wurden 2024 im Rahmen des Open Calls eingereicht. Eine Einladung zu einer große Party mit vielfältigen Designschwerpunkten ist WDC FrankfurtMainRhein auch. Luminale-Lichtkunstfestival, Young Talent Design Campus, Zukunftsfestival sind nur einige davon; als Festival Hub dient das Museum Angewandte Kunst. Etablierte Events wie das Museumsuferfest oder die Internationalen Maifestspiele in Wiesbaden profitieren ebenfalls davon. 

WD Cgeneral WDC Werkstattwagen Foto Ben Kuhlmann
Ben Kuhlmann ©

Im Frühsommer 2026 wird FrankfurtRheinMain im Rahmen der World Design Experience zur internationalen Bühne: Neun Tage lang trifft visionäres Design aus der Region auf Impulse aus aller Welt. Offene Ateliers und inspirierende Begegnungen stehen auf dem Programm, zukunftsweisende Orte und ikonische Räume verwandeln sich in Schauplätze für die Metamorphose urbaner Zivilisation. Das gilt besonders für die zehntägige Open – Design Week FrankfurtRheinMain, das Kern-Event im Juni 2026, sowie den Month of Design im August. Herzstück dieses Monats: die World Design Street Festivals, die an drei Wochenenden verschiedene urbane Quartiere in lebendige Kreativräume verwandeln.


Auf dem Laufenden bleiben

Das Programm der World Design Capital 2026 entwickelt sich stetig weiter. Aktueller Planungsstand unter: wdc2026​.org


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