Im Palazzo Landriani, einem historischen Stadtpalais im Mailänder Stadtteil Brera, ließ Dior Maison während der Milan Design Week 2026 eine Welt entstehen, die auf den ersten Blick eher an einen Garten als an eine Designausstellung erinnerte. Die Szenografie griff die Gärten der Villa Les Rhumbs in Granville auf, dem Elternhaus von Christian Dior. Die thailändischen Künstler Korakot Aromdee und Vasana Saima übersetzten diese wichtige Inspirationsquelle des Couturiers in eine Installation, die Natur und Design miteinander verband.
Die Inszenierung erwies sich zugleich als Auftakt für die neue Corolle-Kollektion von Dior Maison. Denn hinter den Leuchten verbirgt sich eine Geschichte, die von jahrhundertealten Handwerkstechniken, kulturellem Erbe und der bis heute spürbaren Verbindung zur Haute Couture erzählt.
Die von Noé Duchaufour-Lawrance entworfene Kollektion nimmt Bezug auf den legendären New Look von 1947. Insbesondere die geschwungene Silhouette des Corolle-Rocks, die Christian Dior einst weltberühmt machte, dient als gestalterischer Ausgangspunkt. Doch die eigentliche Besonderheit dieser Leuchten liegt weniger in ihrer Form als in der Art ihrer Entstehung.
Für die Glasmodelle greift Dior auf die jahrhundertealte Tradition der Murano-Glasbläser zurück. Bei hohen Temperaturen wird das glühende Material allein durch Erfahrung, Atem und präzise Handbewegungen geformt. So entstehen feine Strukturen, die an Plissees, Faltenwürfe und die Drapierungen eines Couture-Kleides erinnern. Kein Stück gleicht dabei exakt dem anderen. Erst nach dem Abkühlen offenbart das Glas seine besondere Wirkung: Es fängt das Licht ein, reflektiert es und erzeugt feine Schimmer- und Leuchteffekte.
Einen anderen Weg beschreiten die Bambusleuchten der Kollektion. Sie werden in Kyoto aus Madake-Bambus gefertigt, einer besonders flexiblen Bambusart, die seit Generationen im japanischen Kunsthandwerk Verwendung findet. Die Halme werden gespalten, veredelt, eingeweicht und anschließend von Hand verflochten. Die daraus entstehenden Strukturen greifen das ikonische Cannage-Muster von Dior auf, das seit Jahrzehnten zu den wiederkehrenden Codes des Hauses zählt. Jede einzelne Bewegung folgt dabei einem präzisen Ablauf, der Erfahrung, Geduld und höchste Konzentration verlangt.
So unterschiedlich die Materialien auch sein mögen, beide Techniken verbindet dieselbe Haltung. Jede Leuchte entsteht in zahlreichen Arbeitsschritten, die über Generationen weitergegebenes Wissen bewahren. Genau darin liegt auch die Nähe zur Haute Couture. Wie in den Ateliers der Avenue Montaigne entstehen Objekte, deren Wert nicht allein im Material liegt, sondern im Können jener Menschen, die sie erschaffen.
An den Corolle-Leuchten zeigt sich exemplarisch, wie Dior Maison traditionelle Handwerkskünste bewahrt und gleichzeitig in die Gegenwart übersetzt. Zwischen Murano und Kyoto, zwischen Couture und Design entsteht eine Kollektion, die nicht nur Licht spendet, sondern auch von der Bedeutung des Handwerks erzählt – und davon, wie eng Tradition und Innovation bis heute miteinander verbunden sind.
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