Vienna calling: In ihrem neuen Varieté-Programm kombiniert Dita Von Teese sinnliche Burlesque mit funkelndem Las-Vegas-Glam und dem Zauber von Illusionisten-Shows.
Sie gilt als die einzig wahre „Queen of Burlesque“: Mit ihrer letzten Tournee zog Dita Von Teese über fünf Jahre hinweg ein Publikum auf mehreren Kontinenten in ihren Bann. Mitte April bringt die US-Amerikanerin die hohe Schule des stilvollen Striptease zurück nach Wien. Eine Nacht lang will die Performerin und Schauspielerin die Hauptstadt mit ihrer neuen Show „Nocturnelle“ verzaubern, in der sie Erotik, Glamour und die Illusionskunst des frühen 19. Jahrhunderts miteinander kombiniert. Dita Von Teese im Signature-Interview über die Kraft der Fantasie, die Lust am Geschichtenerzählen und ihre Faszination für Dinge mit Vergangenheit.
Ihre neue Show verknüpft die Burlesque mit der Kunst der Illusion. Was hat Sie dazu inspiriert?
Die Kombination aus Striptease und Magie hat mich schon immer gereizt. Ich lebe hier in Los Angeles nicht allzu weit weg vom legendären Magic Castle – einem echten Mekka für Zauberkünstler, in dem schon die bedeutendsten Artisten aus aller Welt aufgetreten sind. Dadurch habe ich viele Magier in meinem Bekanntenkreis, die mich vor ein paar Jahren auf die Idee zu einer eigenen Show brachten. Also habe ich mich intensiv mit diesem Thema beschäftigt, viele Bücher gelesen und mich mit Freunden ausgetauscht, von denen ich mir einiges abgeschaut und dieses weiterentwickelt habe. Und ich habe sogar Unterricht im Zaubern genommen!
Wie hat es sich angefühlt, noch einmal als „Zauberlehrling“ die Schulbank zu drücken?
Es hat wahnsinnig viel Spaß gemacht! Obwohl viele Tricks auf den ersten Blick kinderleicht wirken, sind sie in Wahrheit extrem kompliziert und anspruchsvoll. Besonders interessant ist die technische Seite. Alles beginnt mit der eigenen Fantasie: Man stellt sich vor, wie man etwa auf der Bühne eine Person verschwinden lassen könnte und überlegt dann Schritt für Schritt, wie sich diese Idee umsetzen lässt. Bei anderen Illusionen steht die präzise Choreografie im Vordergrund. Oft ist dabei auch voller Körpereinsatz gefragt. Gerade zu Beginn der Proben kam ich abends regelmäßig voller Blutergüsse und Kratzer nach Hause. Viele Zauberer arbeiten jahrelang daran, ihre Tricks zu perfektionieren. Umso mehr Respekt habe ich heute vor diesem Handwerk.
Was verraten Sie uns im Vorfeld über „Nocturnelle“?
Nur so viel: Man muss es mit eigenen Augen gesehen haben! Jeder Auftritt ist anders. Burlesque und Vaudeville hatten schon immer etwas Unberechenbares, bei dem das Publikum vorher nie so genau wusste, was es erwartet — diese Tradition behalte ich bei. Ich liebe das Varieté! Wenn sich der Vorhang öffnet und ich immer neue Geschichten erzählen kann. Es gibt natürlich feste Elemente, aber im Grunde erfinde ich die Show von Abend zu Abend neu.
Wird denn auch Ihre ikonische Champagnerglas-Performance zu sehen sein?
Natürlich! Allerdings etwas anders, als man sie bisher von mir kannte. Mein Bad im Champagnerglas wurde in den letzten Jahren so oft von anderen Künstlern kopiert – es war höchste Zeit, sie neu zu denken. Für „Nocturnelle“ habe ich fast alles selbst entworfen, angefangen bei den Illusionen bis hin zu sämtlichen Requisiten. Man darf sich auf eine große, glamouröse Varieté-Show freuen, in der ich neben verschiedenen anderen Burlesque-Performern in einer besonderen Rolle zu erleben bin. Man kennt ja diese Tricks zur Genüge, bei denen ein Magier ein hübsches Mädchen in einer Box verschwinden lässt oder eine Jungfrau in zwei Teile zersägt. Wir möchten die Leute überraschen und die Dinge anders machen, als man sie eigentlich erwarten würde. Dabei versuche ich aber nicht, mich als die ultimative Magierin zu verkaufen. Meine große Liebe ist und bleibt der Striptease und die Burlesque. Die Tricks sind dabei nur die Kirsche auf dem Sahnehäubchen.
Sie haben sich auch von legendären Illusionisten wie Houdini inspirieren lassen. Was macht die besondere Faszination dieser Magie-Pioniere aus?
Ich liebe diese frühe Ära der Zauberkunst! Illusionisten wie Houdini haben vor über einem Jahrhundert Tricks entwickelt, die bis heute die Grundlage moderner Shows bilden und nichts von ihrer ursprünglichen Anziehungskraft verloren haben. Ich stelle mir gern vor, wie die Menschen vor 150 Jahren reagiert haben müssen, als sie zum ersten Mal einen Zaubertrick gesehen haben – mit einem Staunen, das viele dieser Illusionen bis heute in uns auslösen. Ich möchte die Leute in die Welt von damals entführen, in der es noch keine digitalen Effekte oder künstliche Intelligenz gab. Wir sehnen uns danach, auf ganz altmodische Art verzaubert zu werden und für ein paar Momente wieder Kind sein zu dürfen. Das machen wir mit „Nocturnelle“ möglich.
Eine Sehnsucht aus Ihrer eigenen Kindheit?
Vielleicht. Ich bin in einer kleinen Stadt aufgewachsen, in der es absolut nichts an Entertainment gab. Ich kann mich nicht erinnern, als kleines Mädchen je eine Zaubershow besucht zu haben. Aber mich haben schon immer die Plakate aus dieser Epoche mit ihren wunderbaren Illustrationen gefesselt. Geheimnisvolle Motive mit einer düster-mystischen Atmosphäre. Das liebe ich bis heute.
Sie sind generell als leidenschaftliche Sammlerin von Memorabilia und Antiquitäten bekannt. Was begeistert Sie so sehr an alten Dingen?
Ich mag alles, was eine Vergangenheit hat und eine Geschichte erzählt – alte Autos, Vintage-Mode oder Antiquitäten. Zum einen wurden die meisten Gegenstände damals mit großem handwerklichem Können gefertigt. Zum anderen gefällt mir der Gedanke, Dinge wiederzuverwenden. Und drittens male ich mir gern aus, durch wessen Hände sie schon gegangen sind und was sie dabei erlebt haben. Viele Menschen fürchten sich vor den Energien, die sich über die Jahrhunderte in gewissen Dingen bündeln. Ich bin davon fasziniert und mag es, mich damit zu umgeben.
Was sind Ihre liebsten Schätze?
Ich bin ständig auf der Suche nach Memorabilia von Stars, die ich bewundere. Ich habe einige Kleider, Schuhe und einen Hut aus dem Nachlass von Mae West, ein Kleid von Gypsy Rose Lee und das berühmte Paar Schuhe von Bettie Page, das sie auf vielen ikonischen Fotos von Irving Klaw trägt. Außerdem besitze ich die beiden letzten Kostüme aus dem Atelier des französischen Designers Erté, der für seine Art-Déco-Entwürfe bekannt war. Eines davon ist auch in der neuen Show zu sehen. Ich liebe es, mir alte Fotos anzuschauen, auf denen die berühmten Vorbesitzerinnen diese Dinge tragen.
Das klingt nach einem riesigen Fundus mit Old-Hollywood-Nostalgie!
Ich habe zwei Lagerhallen, in denen ich alles aufbewahre. Eine für meine Showrequisiten und eine Halle mit meiner privaten Sammlung. Bei mir zu Hause dekoriere ich gerne um; zwischendurch vergesse ich auch viele Dinge und freue mich dann jedes Mal wie ein Kind, wenn ich sie im Lager wiederfinde. Manchmal verkaufe ich einige von meinen Kostbarkeiten auch wieder, um Platz für neue zu schaffen. Wenn ich eines Tages nicht mehr auf der Bühne stehe, werde ich ganz sicher einen Shop für Vintage-Mode oder Antiquitäten aufmachen.
Sie sind Performerin, Schauspielerin, Buchautorin und entwerfen nebenbei Ihre eigene Schmuck- und Beauty-Linie. Wie entspannen Sie eigentlich?
Die größte Entspannung finde ich beim Kochen und Backen. Ich liebe es, Freunde zu mir einzuladen und für sie Aufläufe, Kuchen und Cookies zu machen. Auch meine Bouillabaisse ist ziemlich vorzeigbar. Im Moment versuche ich mich am perfekten Omelett. Obwohl es sich relativ simpel anhört, ist es eine Kunst für sich. Aber ich liebe Herausforderungen!
Nebenbei restaurieren Sie auch noch Oldtimer. Wie passen Spitzen-Dessous und ölige Finger zusammen? Offenbar haben Sie keine Scheu, sich die Hände schmutzig zu machen!
Ich kaufe hauptsächlich Oldtimer aus den 1930er- und 1940er-Jahren, lasse sie restaurieren und verkaufe sie dann wieder. Manche fahre ich auch eine Zeit lang privat. Im Augenblick sind wir dabei, uns um ein Exemplar aus den Forties zu kümmern, das dringend eine neue Lackierung braucht. Ich weiß, wie man den Ölstand und das Kühlwasser checkt; das ist das Wichtigste, wenn man ein altes Auto fährt.
Wo leben Sie Ihre Oldtimer-Leidenschaft aus? In Ihrer Nachbarschaft in den Hollywood Hills?
Gerade Autos aus den 1930er- und 1940er-Jahren lassen sich sehr schwer lenken und sind absolut nicht geeignet, um mit ihnen in den Hills zu cruisen. Wenn sich auf den abschüssigen Straßen die Bremsen lösen würden, wäre das zwar ein sehr glamouröser Hollywood-Tod, aber … lieber nicht! Gerade fahre ich einen 1953er-Cadillac mit Servolenkung; das ist viel bequemer. Die besten Strecken für alte Autos sind schnurgerade, verlassene Landstraßen ohne viele Kurven. Ich träume davon, mich irgendwann irgendwo auf dem Lande niederzulassen und meine Lieblinge mal so richtig auszufahren. Wenn ich von meinen Europa-Tourneen nach Hause komme und vor Jetlag nicht schlafen kann, schnappe ich mir einen der Wagen und fahre um 5 Uhr morgens durch L.A. Um diese Zeit sind die Straßen wie ausgestorben. Ich lebe in der Nähe des Planetariums auf dem Mount Hollywood. Dort gibt es noch viele wunderschöne alte Brücken aus den 1920er-Jahren. Man hat dort das Gefühl, in den Goldenen Zwanzigern zu leben. Aber nur frühmorgens, bevor der Berufsverkehr beginnt.
Mitte April sind Sie mit „Nocturnelle“ in der Wiener Stadthalle zu Gast. Was verbinden Sie mit der österreichischen Hauptstadt?
Ich liebe Wien und die österreichische Küche. Und natürlich liebe ich alles von Swarovski. Sämtliche Requisiten und Kostüme der neuen Show sind mit Swarovski-Steinen besetzt. Alle Looks wurden extra für „Nocturnelle“ entworfen und stammen von wunderbaren Designern wie Alexis Mabille, Jenny Packham oder Catherine D’Lish, die das Kostüm für meine Champagnerglas-Performance gestaltet hat. Sie hat riesige Kristalle verarbeitet und die extravagantesten Custom-made-Entwürfe kreiert, die ich je getragen habe. Einige meiner früheren Looks sind im Rahmen der „Swarovski Kristallwelten“-Ausstellung in Wattens zu sehen. Demnächst kommen noch ein paar weitere dazu!
Bezaubernd in Wien
Wiener Stadthalle, Halle F
18.04.2026
stadthalle.com
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