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Leise rieselt der Erfolg. Der Wiener Erwin Perzy I. erfand 1900 die erste Schneekugel. Sein Enkel hält die Familientradition bis heute international erfolgreich hoch. Besuch in der Original Wiener Schneekugelmanufaktur.

Der Blick verliert sich im Treiben des Schnees. Er haftet an der Glaskugel, an den weißen Flöckchen, die wild wirbelnd die kleine Welt in der Mitte ver-decken. Es vergeht zu schnell, der Sturm beruhigt sich. Runde Silhouetten werden erkennbar. Ein Zylinder. Eine rote Nase. Der Schneemann lächelt einen an. Ruhe und Glückseligkeit, abgefüllt in einer Kugel im 17. Wiener Gemeindebezirk. Hinter den Mauern eines gelben, recht unscheinbaren Reihenhauses in der Schumanngasse 87. Nur das Schild Original Wiener Schneekugelmanufaktur über dem Eingangstor bestätigt, am richtigen Fleckchen Erde zu sein. Die Klingel an der Sprechanlage, groß und weiß, gewährt Eintritt in die zauberhafte Welt. An den Wänden hängt die dokumentierte Geschichte der Manufaktur.

Als der Erfinder sein Werk vorzeigte, waren alle Menschen von dem stillen Geriesel entzückt und wollten eine solche Zauberkugel besitzen.”

Entzückt vom Geriesel

Ein damals junger Mann wollte den Schneefall für immer erhalten und experimentierte mit einer Kristallkugel, in der es ständig schneien sollte. Nach vielen Versuchen fand er ein Material, das geeignet war, und er konnte ein erstes Modell herstellen. Als der Erfinder sein Werk vorzeigte, waren alle Menschen von dem stillen Geriesel entzückt und wollten eine solche Zauberkugel besitzen. Auch dem damaligen Kaiser gefiel der künstliche Schneefall außerordentlich gut, und er verlieh eine Urkunde zur Ehrung der großartigen Idee. Die mittlerweile auch Hollywood-Stars wie Johnny Depp in Edward mit den Scherenhänden“ oder Arnold Schwarzenegger in True Lies“ überzeugte. 

Inspiration vom Schuster

Mein Großvater war ursprünglich Chirurgieinstrumentenmechaniker“, erzählt Erwin Perzy III. und zeigt auf das Porträt seines Vorfahren. Da war er zwanzig und wollte für den Operationssaal die elektrische Glühbirne von Edison aufhellen.“ Damals waren die Chirurgen verwöhnt von dem zuvor verwendeten Auer-von-Welsbach-Gaslicht. Das war sehr hell, aber nicht steril. Elektrisches Licht schon, dafür dunkler. Also machte sich Perzy auf die Suche nach einer Erleuchtung. Ein Schuster brachte ihn auf die Lösung. Eine mit Wasser gefüllte Kugel wirkte wie eine Lupe für die dahinterstehende Kerze. Leider war der helle Fleck sehr klein, reflektierendes Material aus Glas sollte helfen. Nutzte aber nichts, denn es ging sofort unter. Gries wirbelte da schon besser. So begann es in der Kugel zu schneien. Die erste Figur, die umweht wurde, war die Mariazellerkirche. Aufgesetzt auf dem Sockel eines Holzschranks. Gefärbt mit schwarzer Schuhpaste, um dem Ganzen ein bisschen Glanz zu verleihen. Voilà, die erste Schneekugel war geboren. Damals, im Jahr 1900.

Die erste Figur, die umweht wurde, war die Mariazellerkirche. Aufgesetzt auf dem Sockel eines Holzschranks. Gefärbt mit schwarzer Schuhpaste.”

Echt Wienerisch

200.000 Schneekugeln werden pro Jahr verschickt und verkauft. Produziert von 15 Mitarbeitern, vier davon sind nur für das Zusammenstecken der Schneekugeln verantwortlich. Zusätzlich gibt es 40 Heimarbeiter, die von zu Hause aus die Figuren bemalen. Handwerkskunst vom Feinsten. Hauptproduktion ist die zweite Hälfte des Jahres. Da laufen die Maschinen Tag und Nacht durch, und es heißt um vier in der Früh aufstehen“, sagt der Enkel des Erfinders. In der Weihnachtszeit ist die Nachfrage am höchsten. Die einzige Konkurrenz befindet sich in China. Denn das Patent des Großvaters ist abgelaufen, und jetzt gibt es nur noch einen Designschutz auf die Kugel mit dem schwarzen Sockel. 

Wer auf den Preis schaut, bestellt in Asien, wer Qualität will, kauft bei uns.“ Die handgearbeitete Einzigartigkeit jeder Schneekugel wird heute auf der ganzen Welt geschätzt. Die größten Kunden kommen aus Amerika und Japan. Andere auch aus Hawaii, Australien, Neuseeland, Südkorea und von den Fidschiinseln. Die Zauberkugeln aus Wien sind beliebt — mit all den einzigartigen Motiven inmitten des Schneegestöbers – von Hund und Katz über Stephansdom und Sisi bis hin zu den Minions und Gollum oder aktuell auch Klopapier und Schneemann mit Mundschutz. Sie alle werden formschön berieselt.

Kugelkunst aus dem Drucker

Eine Lieblingsschneekugel habe ich nicht; mir gefällt immer die am besten, die ich zum Schluss gemacht habe“, sagt Erwin Perzy und öffnet eine versteckte Tür in der Wand. Früher wurden noch alle Figuren aufwendig mit der Hand gefertigt. Mithilfe von Spritzgussformen. Heute übernimmt das der 3‑D-Drucker. Stephansdom, Staatsoper und Schneemann – zuerst von Perzy auf dem Computer gezeichnet und dann von Schnee umweht. Neben seinem Arbeitsplatz stehen die Maschinen, alt wie neu, die die Figuren ausspucken. Momentan kommen Glücksschweinderln für Silvester raus. Neben den Schneekugeln produzieren die Perzys die kleinen Glücksbringer, die man sich zu Neujahr schenkt. Und dem nicht genug, auch das umweltfreundliche Patent fürs Wachsgießen zu Silvester stammt von den Perzys. 

Zusammen- und Aufbauen

Der Erfindergeist liegt also in der Familie. Ebenso die Liebe zu den Schneekugeln. Von Generation zu Generation werden das Handwerk und die Geheimnisse weitergereicht. Erwin Perzy ist nun die dritte Generation. Eines Tages wird einmal seine Tochter den Betrieb übernehmen und weiterführen. Das steht außer Frage, sie wurde speziell daraufhin erzogen, so wie alle Perzys. Die Erziehungsmethode seines Vaters: Zum zwölften Geburtstag wünschte er sich ein Fahrrad. Er hat es bekommen. In lauter Einzelteile zerlegt, aufgebreitet auf einer Decke. Da hast du dein Fahrrad, bau es zusammen, dann gehört es dir“, sagte Perzy II. zu seinem Sohn. Ähnlich pragmatisch wurde auch seine Sabine erzogen. Mit Erfolg, sie ist jetzt schon fest in das Unternehmen integriert, genau wie ihr Mann Markus. Die Zukunft der Schneekugeln ist damit gesichert. Und worin liegt jetzt die Faszination der Kugel? Nehmen, umdrehen, hinstellen. Der Schneesturm beginnt von Neuem. Es ist ein kurzer Moment der Ruhe und Glückseligkeit, wenn sich der Blick im Wirbeltreiben des Schnees verliert. 

Making of

Verwendet wird nur Wiener Hochquellwasser, weil es die nötige Klarheit besitzt. Eine von vier spezialisierten Damen füllt dieses in die mundgeblasene Glaskugel. Dazu kommt der geheime Schnee, egal in welcher Farbe oder Form. Im arabischen Raum bevorzugt man zum Beispiel Sandstürme in der Kugel. Dann wird die Figur eingesetzt, bestehend aus Polystyrol oder PLA, ein Kunststoff aus Maisstärke. Etwa 300 Motive sind im Sortiment. Aber sie können auch individuell gefertigt werden. Die eingesetzte Figur in der Flüssigkeit muss dann eine Nacht ziehen, damit jegliche noch so kleinen Luftbläschen aufsteigen können. Am nächsten Tag kommt der Stoppel aus Gummi drauf, dann der Sockel aus Plastik oder Holz. Fertig! Zu bewundern und bestellen in der Original Wiener Schneekugelmanufaktur schneekugel​.at

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