Wenn in Monaco plötzlich mehr Köche als Formel-1-Fahrer im Smoking unterwegs sind, weiß man: Es ist wieder Zeit für die MICHELIN-Sterneverleihung. Am 16. März 2026 wurde im Grimaldi Forum die neue Ausgabe des Guide MICHELIN France & Monaco präsentiert – und damit jener Moment zelebriert, auf den die Gastronomieszene das ganze Jahr nervös wartet.
Die Bilanz der neuen Ausgabe: 668 Sterne-Restaurants empfiehlt der Guide MICHELIN in Frankreich und Monaco. Darunter 31 Drei-Sterne-Restaurants, 84 Zwei-Sterne-Adressen und 553 Ein-Sterne-Restaurants. Das sind dann doch mal ziemlich viele und vor allem überaus köstliche Gründe, sich wieder einmal einen Tisch in einem französischen Gourmet-Tempel zu reservieren.
Ein neuer Drei-Sterner
Der große Moment des Abends gehörte wohl einem einzigen Restaurant, das nun offiziell zur kulinarischen Königsklasse zählt: Les Morainières in Jongieux (Savoyen). Chef Michaël Arnoult und seine Frau Ingrid führen das Haus seit 2005 – und haben es Schritt für Schritt zu einer der feinsten gastronomischen Adressen der Region aufgebaut. Nun krönt der dritte Stern diese Reise.
Arnoult, der unter anderem bei Emmanuel Renaut in Megève gearbeitet hat, kocht eine Küche, die tief in der Savoyer Landschaft verwurzelt ist. Saisonale Produkte, regionale Produzenten und eine große Portion Respekt vor dem Terroir stehen im Mittelpunkt. Für all jene, die sich selbst davon überzeugen wollen sei gesagt: Passend dazu gibt es auch eine charmante Gästehaus-Farm mit sechs Zimmern – also ideal für alle, die nach einem Degustationsmenü mit zehn Gängen lieber nicht mehr abreisen wollen.
Insgesamt empfiehlt der Guide MICHELIN Frankreich & Monaco somit 31 Restaurants mit 3 Sternen.
Sieben neue Zwei-Sterne-Restaurants
Neben dem neuen Drei-Sterne-Restaurant wurden sieben neue Adressen mit zwei Sternen ausgezeichnet – ein Zeichen dafür, dass Frankreichs Gastronomie weiterhin vor Ideen sprüht.
Zu den neuen Doppelsternen gehören:
- Frédéric Doucet in Charolles, der die burgundische Küche modern interpretiert
- Bulle d’Osier in Langres, das in nur einem Jahr vom ersten zum zweiten Stern aufstieg
- Hakuba in Paris, ein japanisch-französisches Omakase-Konzept im Cheval Blanc
- Arbane in Reims von MOF-Koch Philippe Mille
- Virtus in Paris, bekannt für seine elegante moderne Küche
- Alliance in Paris, ein intimes Restaurant mit nur acht Tischen
- Le Corot in Ville‑d’Avray, wo die Île-de-France kulinarisch gefeiert wird
Auffallend dabei ist, dass viele dieser Restaurants stark regional arbeiten. Guide MICHELIN selbst sagt, sie seien „modern interpretierend, technisch präzise – aber ohne unnötige Effekthascherei.“
Demnach werden in der Auswahl 2026 des Guide MICHELIN Frankreich & Monaco insgesamt 84 Restaurants mit 2 MICHELIN-Sternen empfohlen.
54 neue Ein-Sterne-Restaurants
Die größte Dynamik zeigt sich aber ganz klar und irgendwie schon traditionell bei den Ein-Sterne-Restaurants: 54 neue Adressen wurden ausgezeichnet, viele davon sind überhaupt zum ersten Mal im Guide erwähnt – das soll schon was heißen.
Zu den Neuzugängen zählt auch das Restaurant Monsieur Dior by Yannick Alleno, das sich im Herzen von Diors Flagship-Boutique 30 Montaigne in Paris befindet. Hier trifft historische Haute Couture auf moderne Haute Cuisine, die bereits nach sieben Monate nach der Eröffnung des Restaurants mit einem Stern ausgezeichnet wurde.
Darüber hinaus entstehen in dieser Kategorie gerade die spannendsten Geschichten der Szene: junge Küchenchefs, kleine Teams, persönliche Konzepte. Häufig geführt von Paaren, in denen einer kocht und der andere den Gastraum überwacht. Dreamteam-Vorbilder, wie aus dem Bilderbuch.
„Gemeinsam stehen diese Häuser für dieselbe Bewegung: das Erbe eines Ortes zu bewahren, ohne es zu erstarren zu lassen, und traditionsreichen Restaurants der französischen Gastronomie neue Energie einzuhauchen“, so das offizielle Statement des Guide MICHELIN France & Monaco.
Wer brav mitgezählt hat weiß nun, dass nun 553 Restaurants mit 1 Stern vom Guide MICHELIN Frankreich & Monaco empfohlen werden.
Nachhaltige Gastronomie im Fokus
Ein weiterer Trend: engagierte Gastronomie. Vierzehn Restaurants wurden in diesem Jahr für ihr besonders nachhaltiges Konzept hervorgehoben. Sie setzen auf saisonale Produkte, kurze Lieferketten und enge Zusammenarbeit mit Produzenten.
Über 100 Restaurants stehen mittlerweile für diese neue Art des Kochens, die zeigt: Zukunftsfähige Gastronomie bedeutet nicht nur Luxus, sondern auch Verantwortung gegenüber der Natur, der Region, dem Gast und sich selbst.
Die Sonderpreise: Sommeliers, Mentoren und junge Talente
Neben den Sternen vergibt Michelin übrigens auch mehrere Spezialpreise.
Der „Sommelier-Preis 2026“ ging an Anne Humbrecht (La Table du Gourmet, Riquewihr) und Edmond Gasser (Restaurant Pic, Valence). Besonders bemerkenswert: Gassers alkoholfreie Pairings aus Infusionen und Pflanzenextrakten.
Der „Preis für den besten Service“ wurde Camille Gouyer vom Pariser Restaurant Virtus verliehen – für ihre elegante und zugleich herzliche Gastfreundschaft.
Der „Young Chef Award“ ging an den 32-jährigen Quentin Pellestor-Veyrier aus Colomiers, während Pierre Gagnaire den „Chef Mentor Award“ erhielt – eine Auszeichnung für ein Lebenswerk, das Generationen von Köchen geprägt hat. Mit bald 76 Jahren gilt Gagnaire immer noch als einer der großen Visionäre der französischen Küche. Seine Gerichte? Oft überraschend, manchmal verrückt – aber immer voller Persönlichkeit.
Das Beste kommt zum Schluss: Die Desserts
Die (wohl sündhafteste) Kategorie, die auch in Österreich immer mehr (und dennoch noch zu wenig) in den Mittelpunkt gerückt wird, kam natürlich auch heuer nicht zu kurz. Die Pâtisserie zählt nämlich wahrscheinlich zu den unterschätztesten Disziplinen der Gastronomie. Sie verlangt Präzision, Geduld und technisches Können – denn im Gegensatz zur Küche verzeiht die Pâtisserie kaum Fehler. Kein Wunder also, dass immer mehr Restaurants eigene Pâtissiers beschäftigen: Spezialisten, die sich ausschließlich dem süßen Finale widmen. Zehn neue Restaurants wurden in die Passion-Dessert-Selektion aufgenommen – darunter Bellefeuille in Paris oder Arbane in Reims. Denn Michelin weiß: Ein perfektes Menü endet selten mit Käse, sondern mit einem lukullischen Höhenflug in süßer Form.
Frankreich macht es vor – die Welt macht es nach!
Der neue Guide Michelin zeigt einmal mehr: Frankreich bleibt eine der spannendsten gastronomischen Regionen der Welt. Tradition und Innovation stehen dabei nicht im Widerspruch – sie sitzen meist einfach am selben Tisch und reichen sich immer mehr die Hand. Oder wie Michelin-Direktor Gwendal Poullennec es formulierte: „Restaurants sind heute mehr denn je Orte der Begegnung, des Austauschs und der Freude.“
Und genau deshalb lieben wir sie. Die nächste Frankreich-Reise sollte daher nicht zu lange warten. Wo man am besten isst, wissen wir ja jetzt. Viel Freude beim Erkunden und guten Hunger!
Wichtige Information zum Guide:
Die gesamte Auswahl des Guide MICHELIN Frankreich & Monaco ist ab sofort auf der Website sowie in der mobilen App des Guide MICHELIN verfügbar. Die gedruckte Ausgabe ist ab dem 20. März zum Preis von 35 Euro in allen guten Buchhandlungen in Frankreich erhältlich.
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