Mit dem Abschluss der Couture Week in Paris neigte sich ein weiterer Fashion-Monat dem Ende zu und diesmal lagen alle Augen auf der französischen Modehauptstadt, die mit zwei namhaften Debüts und einer Promi-schweren Abschiedsshow Schauplatz des Geschehens war.
Es ist ein stetiges Kommen und Gehen, zumindest was die großen Modehäuser betrifft. Alessandro Michele wechselte kürzlich von Gucci zu Valentino, Pierpaolo Piccioli von Valentino zu Balenciaga und Demna von Balenciaga zu Gucci. Und das ist erst die Spitze des Eisbergs. Bald übernimmt Matthieu Blazy nach seinem Abgang bei Bottega Veneta die kreative Leitung von Chanel und Jack McCollough und Lazaro Hernandez von Proenza Schouler gehen zu Loewe, nachdem Jonathan Anderson jetzt an der Spitze von Dior steht. Das Karussell dreht sich immer weiter und wir sehen gespannt (und leicht ängstlich) zu, wie die DNA dieser legendären Maisons immer wieder neu interpretiert wird. Diesmal war unsere gesamte Aufmerksamkeit auf Paris gerichtet, wo gleich zwei Debüts eine vielversprechende neue Ära andeuteten – und ein Finale für gemischte Gefühle sorgte.
Zunehmende Signifkanz
Vor nicht allzu langer Zeit galt die Men’s Fashion Week noch als das Stiefkind der Modeindustrie, für das sich niemand so wirklich interessierte, doch in letzter Zeit zieht die sonst oft ignorierte Männermode immer mehr Augen auf sich. Mit einem wachsenden Markt, zunehmendem Modebewusstsein und einem immer größeren Aufmarsch an prominenten Gästen, sorgt die Men’s Fashion Week mittlerweile für ihre eigenen Schlagzeilen. Vor allem dieses Jahr, denn die Pariser Männermodewoche zog ein Debüt mit sich, über das seit Monaten heißt diskutiert wird: Jonathan Andersons erste Kollektion für Dior.
Debüt bei Dior
Nach Maria Grazia Chiuris offiziellem Ausstieg wurde bestätigt, worüber Insider seit Monaten spekuliert hatten: Der vormalige Chefdesigner von Loewe übernimmt nicht nur Diors Menswear von Kim Jones, sondern er wird künftig für die gesamte Mode beim Pariser Traditionshaus verantwortlich zeichnen (Signature berichtete). Auch wir warteten bereits gespannt darauf, wie Andersons Version von Dior aussehen würde, und während der Pariser Men’s Fashion Week erhielten wir endlich einen ersten Vorgeschmack.
Kritiker lobten Andersons frischen Zugang zur Marken-DNA: Klassische Dior-Codes treffen auf jugendlichen Esprit, mit einer Balance aus Eleganz und Alltagstauglichkeit. Besonders hervorgehoben wurden die Tragbarkeit der Entwürfe, die spielerische Kombination von Streetwear und Couture sowie subtile Details wie Kleeblatt-Motive, die auf Christian Diors persönliche Aberglauben anspielten. Die Kollektion wurde vielfach als gelungener Neustart für das Haus gefeiert. Ebenso brachte Anderson die alte Version des Dior-Logos wieder zurück, das unter anderem auch Pullover und Mäntel zierte.
Gleichzeitig rief die Kollektion gemischte Reaktionen hervor: Manche empfanden das Spiel mit Kontrasten – etwa zwischen Struktur und Oversize oder formell und leger – als überladen oder widersprüchlich. Auch die Referenzen an Diors Geschichte erschienen nicht allen klar erkennbar. Dennoch gilt Andersons Einstand insgesamt als vielversprechend – ein kreativer Impuls, der das Modehaus in eine neue, diskussionsfreudige Ära führen könnte.
Höhepunkt Haute Couture
Während Menswear noch im Aufmarsch ist, ist Haute Couture für Kenner und Liebhaber seit eh und je das Highlight jeder Saison. Einer kleinen Auswahl besonders Privilegierter vorbehalten, sind die zwei Mal jährlich erscheinenden Couture-Kollektionen der prestigeträchtigste Showcase für das Können einer Maison. Hier geht es nicht um Tragbarkeit oder gar Alltagstauglichkeit, hier geht es um Mode als Kunstform und Schneiderei als Handwerk.
Enthusiasten erinnern sich bestimmt an die viel diskutierte (und imitierte) Artisanal Collection 2024 von John Galliano für Maison Margiela, die sich als sein glorreicher Abschied herausstellen würde. Seitdem war es über ein Jahr lang ruhig um das gerühmte Haus, das 1988 von Martin Margiela gegründet wurde und als Zenith der Avantgarde gilt. Anfang des Jahres wurde bekannt, dass Glenn Martens, der auch für die kreative Leitung von Diesel verantwortlich zeichnet, der neue Chefdesigner bei Margiela wird – und anders als Andersons Dior-Debüt, das mit einer Menswear-Kollektion quasi als “Soft Launch” gehandelt wird, präsentierte Martens seine Vision für Margiela im Rahmen einer fulminanten Couture-Show.
Glenn Martens meets Maison Margiela
Mit einem geschickten Balanceakt zwischen Tradition und Innovation interpretierte Martens Margielas charakteristische De- und Rekonstruktionsästhetik neu – ergänzt durch skulpturale Silhouetten, opulente Details und starke visuelle Symbole wie Masken und Korsetts, die tief in der Identität des Hauses verankert sind. Die Kollektion verband Elemente von Verfall und Erneuerung und ließ sich von mittelalterlicher Architektur und flämischer Bildsprache inspirieren.
Besonders hervorgehoben wurde Martens’ Fähigkeit, Margielas konzeptionelles Erbe mit seiner eigenen Handschrift weiterzuentwickeln. Die Show bot eine eindrucksvolle Mischung aus Volumen, handwerklicher Komplexität und emotionaler Tiefe – und spricht sowohl langjährige Margiela-Anhänger als auch ein neues Publikum an. Martens’ Einstand gilt damit als vielversprechender Auftakt zu einer neuen Ära für das Haus.
Bye bye, Balenciaga!
Demnas letzte Couture-Show für Balenciaga wurde als respektvoller, persönlicher Abschied interpretiert – weniger als Spektakel, mehr als stille Reflexion. Mit intensiver Anlehnung an Old-Hollywood-Glamour und gleichzeitig urbaner Streetwear-Mutation präsentierte er eine Kollektion, die seine charakteristischen oversized Silhouetten, maßgeschneiderte Anzüge und dramatische Ballkleider vereinte. Der Lookbook-Ausstieg auf echten Pariser Straßen und der Soundtrack, in dem Mitarbeiter ihre Namen nannten, betonten bewusst Demnas Fokus auf Authentizität, Handwerk und Gemeinschaft.
Dennoch ließ der Designer es sich nicht nehmen, die Show mit seinen üblichen Musen zu spicken: Neben Cristóbal Balenciagas Lieblingsmodel Danielle Slavik, setzten auch Naomi Campbell, Isabelle Huppert und – wie soll es auch anders sein – Kim Kardashian Demnas finale Looks in Szene. Letztere trug ein Replikat von Elizabeth Taylors ikonischem Negligee in Katze auf dem heißen Blechdach, samt Taylors Originaljuwelen. Technisch meisterhaft, mit subtiler Ironie, sprach die Kollektion über Theorie und Praxis von Couture: Sie bewies, dass echte Schneiderkunst und kontextuelle Relevanz Hand in Hand gehen. Doch statt eines dramatischen Finales war es eine gedämpfte, nachdenkliche Übergabe – eine sanfte Einladung in das nächste Kapitel: Demnas kommender Umzug zu Gucci (und damit einhergehender Abschied von Paris), während Pierpaolo Piccioli das Erbe bei Balenciaga übernehmen wird.
Weitere Highlights
Während der Men’s Fashion Week kehrte auch Saint Laurent nach kurzer Pause wieder zum regulären Kalender zurück und präsentierte eine Show voll tiefer sitzenden, weitschwingenden Hosen, schmalen Shorts mit Umschlag, körpernahen Blazern sowie leichten Trenchcoats von Kreativdirektor Anthony Vaccarello, der sich immer mehr als Farbvirtuose entfaltet. Der Materialmix aus edlem Seiden‑Twill, zartem Nylon und transparentem Organza wirkte in satten Farben wie Ocker, Burgund, Waldgrün, Wasserblau, Rost‑ und Senfgelb leicht, luftig und sommerlich.
Die viralsten Momente kamen erneut aus der Feder von Daniel Roseberry, der Schiaparelli in jeder Couture-Saison zum absoluten Highlight für Modeliebhaber macht. Mit dem Titel „Back to the Future“ war die aktuelle Show eine poetische Reflexion über Vergangenheit und Zukunft. Inspiriert vom Paris des Jahres 1940 – dem Jahr, in dem Elsa Schiaparelli die Stadt verließ – greift Roseberry historische Silhouetten und Stoffe auf, verwandelt sie aber in visionäre Couture. In monochromer Farbpalette mit vereinzelten roten Akzenten entfaltet sich eine kraftvolle, strukturierte Eleganz, die auf gepolsterten Hüften, voluminösen Röcken und matadorhaften Schultern basiert. Statt klassischer Korsettformen setzt er auf eine moderne Interpretation weiblicher Stärke. Surrealistische Details wie ein anatomisch korrektes, glitzerndes und pochendes Herz und Trompe‑l’œil-Elemente bleiben das klare Markenzeichen, wenn auch subtiler als in früheren Kollektionen.
Die wohl glamouröseste Party des Modemonats fand am 7. Juli 2025 im Hôtel Mona Bismark in Paris statt, wo Piaget ein exklusives Dinner zur Lancierung der neuen Sixtie-Uhr veranstaltete. Inmitten einer erlesenen Gästeliste aus Mode, Kunst und Kultur, darunter Ella Richards, Brigitte Niedermair und Suzi De Givenchy, zelebrierte die Maison ihre kreative Herkunft mit Stil und Eleganz. Die intime Atmosphäre des Abends verwandelte sich später in eine vibrierende Afterparty, angeheizt von einem Live-Auftritt der britischen Sängerin Nieve Ella. Es war ein Abend, der die Werte der Piaget Society – Lebensfreude, Extravaganz und künstlerischer Mut – in funkelnder Perfektion zum Ausdruck brachte.
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