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Mit seiner mehrere Oktaven umfassenden Stimme und seinen exzentrischen Looks zählt Adam Lambert zu den schillerndsten Künstlern der Popkultur. Nach einer gefeierten Broadway-Rolle kehrt er nun als liebeshungriger Dancefloor-Vampir zur Musik zurück.

Adam Lambert liebt das Drama, den Glam, den Bombast. Als Schauspieler ebenso wie als Frontmann der britischen Rock-Legende Queen oder als Soloperformer. Auf seinem neuen Album Adam“ inszeniert der 44-Jährige ein clubtaugliches Schattenspiel aus Electro, Alternative Rock und Pop Noir – und wirkt dabei ein bisschen wie ein moderner Nosferatu auf dem Wiener Opernball: düster und überhöht, sexy und bedrohlich, elegant und unheimlich zugleich. 

Der Albumtitel Adam“ klingt nach Selbstdefinition. Der Beginn eines neuen Kapitels?
Auf jeden Fall! Wir alle verändern uns ständig. Mein neues Album handelt von Wachstum und von Veränderung. Man sagt, dass sich unsere Körperzellen alle sieben bis zehn Jahre komplett erneuern. Es war eine spannende Sache, auf die letzten sieben Jahre in meinem Leben zurückzuschauen. Nachdem ich lange Zeit in Los Angeles gelebt habe, bin ich kürzlich nach New York gezogen; eine Stadt mit einem ganz anderen Rhythmus. Außerdem komme ich frisch aus einer Beziehung und finde mich momentan ins Single-Dasein zurück. Viele der neuen Songs handeln vom Verhältnis zu mir selbst, dem Verhältnis zu meinem Ex-Lover und meinem Verhältnis zum Rest der Welt.

Geht mit diesem neuen Selbstverständnis auch die Frage nach der eigenen Identität einher – also: Wer bin ich?
Natürlich! Diese Platte zeigt, wer ich heute bin und wo ich mich in dieser Welt verorte. Ich habe in den letzten Jahren gelernt, mich so zu akzeptieren, wie ich bin. Meine Stärken genauso wie meine Schwächen. Früher habe ich penibel darauf geachtet, der Öffentlichkeit nur meine Schokoladenseite zu präsentieren und mich im besten Licht zu zeigen. Ich wollte es immer allen recht machen, um gemocht zu werden. Doch je reifer man wird, desto mehr ist man bereit, alle Charaktereigenschaften anzunehmen. Auch die, auf die man eigentlich gerne verzichten würde. Ich strebe heute nicht mehr nach einem idealisierten Ich, sondern bin einfach Adam. 

Auf dem letzten Album-Track Do Ya See Me Now“ fragen Sie zur Sicherheit noch einmal nach …
Ich stehe jetzt seit 17 Jahren in der Öffentlichkeit. Fast zwei Jahrzehnte, in denen sich die Leute eine Meinung über mich gebildet haben und überzeugt sind, mich zu kennen. Doch natürlich entwickle ich mich weiter und suche ständig nach neuen Ausdrucksformen. Als Musiker erlaubt mir dieses Album, eine neue Seite aufzuschlagen. Gleichzeitig möchte ich das Publikum ermutigen, mich in einem Licht zu sehen, in dem es mich noch nie zuvor gesehen hat. 

Mit Adam“ kehren Sie von der Theaterbühne auf den Dancefloor zurück. Wie fühlt sich das an?
Wie ein sich schließender Kreis. Je älter ich werde, desto öfter habe ich das Gefühl, auf gewisse Weise zu meinen früheren Träumen und Wünschen zurückzukehren. Schon als Kind wollte ich immer ans Theater. Ironischerweise habe ich dann zur Musik gewechselt, um ich selbst sein zu können und meine eigenen Geschichten zu erzählen. In meinen letzten Rollen in Cabaret“ und Jesus Christ Superstar“ habe ich es sehr genossen, wieder jemand anderen spielen zu dürfen. Doch jetzt ist es wieder Zeit für neue Musik und die nächste Tournee. Ich bin zum letzten Mal vor der Pandemie mit eigenen Songs getourt; es kommt mir vor, als wäre seitdem eine Ewigkeit vergangen. 

In Jesus Christ Superstar“ haben Sie den Verräter Judas Iscariot gespielt. Was sind die Parallelen zwischen der Rolle und Ihnen selbst?
Wir haben beide mit einer inneren Dunkelheit zu kämpfen. Als amerikanischer Staatsbürger geht dieses Ringen in diesen Zeiten sogar noch weit über den Kampf mit den eigenen Dämonen hinaus. Wir leben in finsteren Zeiten, die jeden Tag ein wenig finsterer werden – egal ob es um Politik, um gesellschaftliche Themen oder um technologische Entwicklungen geht. Jeder versucht, in Deckung zu bleiben und dieses Chaos möglichst unbeschadet zu überstehen. Ich hätte auch ein eskapistisches Album machen und dieser Realität entfliehen können. Doch statt die Augen zu verschließen, stelle ich mich diesen Dingen. Die neuen Songs sind sehr zerrissen und beschäftigen sich mit vielen persönlichen Fragen: Bin ich gut oder böse, glücklich oder traurig? So wie der Track Am I OK“, der eine Woche nach der Trennung von meinem damaligen Partner entstand und in dem ich mich frage, wie es mir eigentlich gerade geht. 

Mit Eat U Alive“ haben Sie vor Album-Release schon mal eine sehr vampirische und leidenschaftlich bissige Single vorausgeschickt. Allerdings geht es hier nicht wirklich ums Essen. Jedenfalls nicht im eigentlichen Sinn …
Der Song ist sehr sexuell und archaisch. Der Text erzählt davon, sich zum Fressen gern zu haben. (lacht) Es geht um eine obsessive und fast selbstzerstörerische Anziehungskraft. Gleichzeitig ist der Track eine gute Gelegenheit, das Tor zu meiner neuen Klangwelt zu öffnen. Die neuen Stücke sollten eine Art Film-noir-Feeling transportieren und sehr cinematisch wirken. Ich mag Filme, die mich fordern. Und genauso mag ich es, mein Publikum zu fordern. 

Und zwar mit einer sehr dunklen Atmosphäre, die an Regisseure wie Lars von Trier, Jim Jarmusch oder Robert Eggers erinnert. Offenbar haben Sie ein großes Herz für die Kreaturen der Nacht entwickelt, wie Sie auch in dem Stück Rat City“ erklären.
Mit Rat City“ ist natürlich New York City gemeint. Das Besondere an dieser Stadt ist für mich, dass man hier so vielen in­teressanten Menschen über den Weg läuft: Weirdos, Freaks und anderen durch­gedrehten Charakteren. Natürlich finden sich auch in L.A. faszinierende Existenzen, doch New York kitzelt in vielen den Drang heraus, sich auf die denkbar radikalste und krasseste Art auszuleben. In dem Song spreche ich von Los Angeles wie von einem Ex-Lover. Nach dem Ende meiner Beziehung war es höchste Zeit, die Zelte abzubrechen und etwas Neues zu beginnen. Es geht um das Verlangen nach neuen Erfahrungen. Um Verlockungen, um den Reiz des Unbekannten und um die Gefahr. Genau das macht NYC für mich so sexy. Ich lebe heute auf der Lower East Side in Downtown Manhattan. Und ich muss sagen: Ich liebe den Dreck, den Lärm und das Chaos!

Ein urbaner Vibe, den Sie auf Adam“ auch stilistisch kanalisieren …
Vor meinem Umzug habe ich in den Hollywood Hills in einer sehr ruhigen Gegend gelebt. New York ist das totale Gegenteil meiner früheren Nachbarschaft: intensiv, hektisch, unpoliert. Auf gewisse Art echter. Das hat den metallischen, aggressiven Sound dieses Albums definitiv beeinflusst. Obwohl die Tracks diesmal etwas langsamer als sonst sind, kann man sich sehr gut zu ihnen bewegen. Musik, um sich in Pose zu werfen. Selbstbewusst, stark und cool. Außerdem habe ich mich vom Brutalismus der 60er- und 70er-Jahre inspirieren lassen: Große, monolithische Strukturen. Genauso fühlt sich diese Platte für mich an. 

Das Monolithische trifft auf Nineties-Einflüsse von Björk, Massive Attack oder Daft Punk. Eine Referenz an Ihre Jugend?
Absolut! Gerade in den 90ern sind so viele bahnbrechende Alben erschienen. Mit Electronica und Bands wie Massive Attack oder The Crystal Method bildete sich ein ganz neues Musikgenre, das rockige und elektronische Elemente verband. In vielen meiner neuen Songs finden sich stilistische Referenzen zu dieser Ära. Damals habe ich viele Warehouse-Partys in L.A. besucht und war auch in Berlin bei einigen Raves. Besonders geprägt hat mich aber mein erster Besuch beim Burning- Man-Festival in der Wüste von Nevada. Neben den verschiedensten Musikstilen gab es die verrücktesten Outfits und Performances zu bewundern. Einen riesigen Einfluss hatte auch Goldfrapps Album Supernature“: Eine Mischung aus unbeschwerten Songs und sehr kopfkinohaften, fast schon psychedelischen Down­beat-Tracks. Das spiegelte genau mein Lebensgefühl wider. Diese Scheibe war der Soundtrack meiner ersten Beziehung. 

In dem Track Rage“ geht es dagegen ums Älterwerden. Und um die exzessiven Seiten des (New Yorker) Nachtlebens. Ein Resümee?
Vielleicht. Je älter ich werde, desto öfter frage ich mich, wie lange ich meinen momentanen Lifestyle noch durchhalten kann, oder ob ich nicht lieber etwas gesünder leben sollte. Meine Freunde bezeichnen mich tatsächlich als Vampir, weil ich eine echte Nachteule bin. Zum Glück bin ich nicht so blass wie ein echter Blutsauger. Wozu hat man sonst den Selbstbräuner erfunden? In Rage“ stelle ich mir vor, wie meine allerletzte Partynacht aussehen würde. Mit allem, was dazugehört …

Adam Lambert Live

Mit seinem sechsten Studioalbum Adam“, das am 10. Juli über sein eigenes Label erscheint, schlägt der Grammy-nominierte Sänger und Entertainer Adam Lambert ein neues Kapitel auf. Begleitend zur Veröffentlichung kündigt der international gefeierte Künstler eine Reihe exklusiver Album-Release-Shows an. Den Auftakt bildet am Erscheinungstag eine Live-Performance im The Bellwether“ in Los Angeles. Weitere Stationen führen Lambert nach New York City und London, bevor die Konzertreihe in Berlin ihren Abschluss findet.

London: 21.07.2026
Berlin: 23.07.2026

Weitere Informationen: adamlambert​.net


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