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Eine Reise von Wien nach Ungarn, ein Schloss, fünf Räume – und Geschichten von verschwundenen Diamanten. Die Ausstellung von A. E. Köchert im Schloss Gödöllő liest sich fast wie eine Krimireise in die alte Welt.

Als Wienerin – und Österreicherin, in genau dieser Reihenfolge – reist man mit einem gewissen Grundgepäck an: soliden Kenntnissen der Habsburger Geschichte, einer leisen Schwäche für Marie Antoinette, einer eher nüchternen Haltung gegenüber Maria Theresia und ambivalenten Gefühlen für Sisi“. Man glaubt, vorbereitet zu sein.
Zweieinhalb Stunden Zugfahrt bis Budapest, ein kurzer Shuttle – und schon steht man vor Schloss Gödöllő.

Auf den ersten Blick wirkt es beinahe unscheinbar. Beim Eintreten hört man die Alarmanlage, denkt kurz, ob dieser Ausflug die richtige Entscheidung war. Doch dann führen die Prunkstufen in den ersten von fünf Ausstellungsräumen, die der k.u.k. Hof- und Kammerjuwelier A. E. Köchert hier bespielt. Die Kuratorin Beatrice Austerlitz beginnt zu erzählen – und spätestens nach wenigen Minuten ist man mitten in einer Geschichte, die eher an einen Kriminalroman erinnert als an eine klassische Schmuckschau.

Es geht um verschwundene Diamanten, wiederentdeckte Broschen, um große Geschichte und kleine G’schichterln. Und ehe man es merkt, steht man gedanklich zwischen schweren Roben, funkelnden Diademen und höfischen Ritualen. Erst der kalte Wind draußen holt einen nach Stunden zurück in die Gegenwart. Doch der Reihe nach.

Zu den großen Momenten der Ausstellung zählt die Wiederentdeckung einer lange verschollenen Devant-de-corsage von Kaiserin Elisabeth. Über Jahrzehnte galt das Schmuckstück als unauffindbar. Erst intensive Recherchen und die Wiederentdeckung eines Familienschatzes machten seine Identifizierung möglich. In Gödöllő wird es nun erstmals wieder öffentlich gezeigt.

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Museum Königliches Schloss Gödöllő ©
Die Devant-de-corsage von Kaiserin Elisabeth

Ein Ort, fünf Räume, viele Geschichten

Das im Stil der Neorenaissance gestaltete Schmuckstück aus Diamanten, Perlen und feiner Emaille basiert auf einem Entwurf von Theophil von Hansen. Seine architektonische Handschrift verleiht der Komposition eine besondere Klarheit und Strenge – ein eindrucksvolles Beispiel für das enge Zusammenspiel von Architektur, Kunst und Juweliershandwerk im 19. Jahrhundert.

Neben Diademen, historischen Colliers, diamantbesetzten Orden und symbolträchtigen Ringen aus dem Besitz bedeutender Persönlichkeiten – darunter Kaiserin Marie-Louise, Erzherzogin Marie Valerie, Kaiser Karl, Otto von Bismarck oder Katharina Schratt – zeigt die Ausstellung auch Entwurfszeichnungen aus dem umfangreichen Köchert-Archiv.

Diese Blätter sind weit mehr als vorbereitende Skizzen. Sie öffnen ein Fenster in eine Epoche glanzvoller Ballnächte, politischer Allianzen und repräsentativer Hochzeiten. Besonders aufschlussreich sind die Dokumente rund um den Brautschmuck Erzherzogin Marie Valeries sowie jene Stücke aus der legendären Vitrine 13, die nach dem Ende der Monarchie als verschollen galten.

Charakteristisch für diese Ausstellung ist ihr weiter Blick. Sie beschränkt sich nicht auf historische Meisterwerke, sondern zeigt auch Arbeiten aus der Köchert-Werkstatt der vergangenen Jahrzehnte: Unikate für internationale Auftraggeber, gefertigt mit jener handwerklichen Präzision, für die das Haus seit mehr als zwei Jahrhunderten steht.

Ergänzt wird dieser Teil durch Entwürfe aus Künstlerkooperationen mit Hans Hollein, Erwin Wurm oder George Condo. Sie zeigen ein Traditionshaus, das offen für zeitgenössische Positionen bleibt und sein Erbe nicht als statisches Vermächtnis versteht, sondern als fortlaufende Auseinandersetzung.

Diese Ausstellung ist mehr als die Präsentation kostbarer Objekte. Sie macht sichtbar, wie Schmuck Erinnerung speichert – persönlicher als Gemälde, unmittelbarer als Architektur. Jedes Stück erzählt von Macht und Nähe, von Repräsentation und Intimität.

Persönliches Fazit: Ich würde einen Besuch unbedingt empfehlen.

Ausstellung:
A. E. Köchert – Juwelier der Kaiser und Könige

Zeitraum:
6. Dezember 2025 bis 4. April 2026

Ort:
Schloss Gödöllő
Grassalkovich-kastély 5852
2100 Gödöllő, Ungarn

Weitere Informationen:
kiralyikastely​.hu
koechert​.com


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