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Im MAK in Wien eröffnet mit ​„KATERYNA LYSOVENKO. Borderland“ eine Ausstellung, die Malerei als Ort politischer und körperlicher Erfahrung begreift. Die in Kyjiw geborene und in Wien lebende Künstlerin verbindet die Sprache klassischer Malerei mit Fragen der Gegenwart. In teils eigens für das MAK entstandenen Gemälden und ausgewählten Aquarellen begegnen verletzliche Körper, hybride Wesen und mythologische Erzählungen den Bildern heroischer Kriegsnarrative.

Lysovenko interessiert sich nicht für die Illustration konkreter Ereignisse. Ihre Malerei entsteht aus Beobachtungen, Fragmenten und Verschiebungen des Alltags. Körper werden dabei zu Trägern politischer Erfahrung, Landschaften zu mentalen und historischen Räumen. Die Ausstellung zeigt, wie sich Krieg und Exil in Farben, Leerstellen und Figuren einschreiben, ohne in eindeutige Symbolik zu kippen.

Für ​„Borderland“ rücken auch zwei Flüsse ins Zentrum: der Dnipro in Kyjiw und die Donau in Wien. Beide prägen ihre Städte, beide münden in das Schwarze Meer. In Lysovenkos Gemälden erscheinen sie wie Adern, Grenzen und Narben, als Träger von Erinnerung und als Metaphern politischer Landschaften. Inseln werden zu Zufluchtsorten, Wasser und Meereswogen zu Bildern für Migration, historische Veränderung, Gemeinschaft und Solidarität.

Die Farbigkeit spielt dabei eine zentrale Rolle. Lysovenko arbeitet mit milchigen Grau- und Grüntönen, leuchtendem Blau sowie intensiven Rot‑, Orange- und Rosatönen. Diese Farben kreisen um Liebe, Energie und Gefahr, um Blut, Leben, Tod und Feuer. In den Aquarellen wird die Palette subtiler, doch auch hier bleibt die Wirklichkeit verschoben: Orte und Figuren scheinen in einen Zustand versetzt, in dem Erinnerung, Angst und Imagination gleichzeitig anwesend sind.

Im Zentrum stehen immer wieder Figuren. ​„Kassandra sieht Troja“ zeigt eine Akteurin inmitten einer sich ausbreitenden Landschaft. In ​„Dein Zuhause ist zu dir gekommen“ sitzt eine überwältigte Frau an einem Tisch, während sich der Raum um sie in ein Kriegsszenario auflöst. ​„Stille Stunde“ zeigt Schlafende im Wald, gehüllt in Schlafsäcke, kauernd wie Kokons oder Mumien. Ob Soldat oder Zivilist bleibt offen; entscheidend ist die verletzliche Körperlichkeit, die jeder heroischen Pose widerspricht.

Kateryna Lysovenko wurde 1989 in Kyjiw geboren und floh 2022 nach Österreich. Sie studierte am Odesa Grekov Art Professional College und an der National Academy of Fine Arts and Architecture in Kyjiw. Zuletzt war ihre Arbeit unter anderem im Contemporary Art Centre Vilnius, im Salzburger Kunstverein, im Museum of Modern Art Warschau und im Kunstverein Hannover zu sehen; aktuell ist sie auf der Manifesta 16 Ruhr vertreten. Anlass für die MAK-Ausstellung ist der Münze Österreich Preis, mit dem Lysovenko im Rahmen der viennacontemporary 2025 ausgezeichnet wurde.

„Borderland“ zeigt Malerei als Form der Wahrnehmung unter Druck. Lysovenkos Bilder sprechen von Krieg und Exil, ohne ihre Figuren auf Opferrollen zu reduzieren. Sie zeigen Körper in Verwandlung, Chimären, Organismen und fragile Szenen des Widerstands. Das Borderland ist hier kein geografischer Rand, sondern ein Zustand: zwischen Erinnerung und Gegenwart, Schutz und Bedrohung, Verlust und politischer Imagination.

Info:
​„KATERYNA LYSOVENKO. Borderland“ ist von 16. September bis 18. Oktober 2026 im MAK Forum, Stubenring 5, 1010 Wien, zu sehen. Eröffnung ist am 15. September 2026 um 19 Uhr, der Eintritt zur Ausstellungseröffnung ist frei. Kuratiert wird die Ausstellung von Bärbel Vischer.

mak​.at/​k​a​t​e​r​y​n​a​_​l​y​s​o​venko


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