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Prag ist um einen neuen Hotspot für zeitgenössische Kunst reicher: Mit der Eröffnung von KODL Contemporary setzt die Sammlerfamilie Kodl ein strahlendes Zeichen am Moldauufer – transparent, weltoffen und spektakulär.

Mitte September in Prag: Draußen prasselt der Regen gegen die Scheiben, dicke Tropfen rinnen die polierte Glasfassade hinab. Drinnen entfaltet sich Kunst, die im Zusammenspiel von Straßenlicht und pointierter Inszenierung beinahe mystisch wirkt. So präsentierte sich KODL Contemporary zum Grand Opening – ein Auftakt, der den Dialog zwischen Kunst, Stadt und Menschen eindrucksvoll in Szene setzte. Am nächsten Tag bietet sich ein völlig anderes Bild: Strahlender Sonnenschein, Passanten bleiben am Moldauufer stehen und blicken neugierig in den transparenten Kubus, während Besucherinnen und Besucher im Inneren fast unmerklich zurückwinken. Ein Konzept, das Offenheit nicht nur verspricht, sondern sichtbar lebt.

Von der Familientradition zur neuen Vision

Die Familie Kodl blickt auf eine über 140-jährige Geschichte im Kunsthandel zurück – vom Auktionshaus am Nationaltheater bis zu Rekordverkäufen tschechischer Meisterwerke. Mit Jakub Kodl, der fünften Generation, kommt nun frischer Wind ins Spiel. Seine Ambition ist es, eine Galerie zu sein, die lokale Kunstschaffende mit der internationalen Szene verbindet und gleichzeitig ein Tor für globale Kunst nach Prag öffnet. KODL Contemporary versteht sich dabei als Bindeglied, das tschechische Gegenwartskunst in den internationalen Dialog bringt. Mit der Ausstellung BOD 0 (Point Zero), kuratiert von Jan Kudrna und inszeniert vom Künstler Marek Ther, eröffnete die Galerie offiziell – und steht nun sinnbildlich für einen neuen Anfang.

Unter den gezeigten Arbeiten sticht besonders Martin Janeckýs Papírový král“ (Papierkönig) aus dem Jahr 2024 hervor: eine meisterhaft in opalinem Glas geformte Skulptur, die mit seiner charakteristischen Inside Sculpting“-Technik geschaffen wurde. Das Werk ist nicht nur das Highlight der Eröffnungsausstellung, sondern auch ein Vorgeschmack auf die für November 2025 geplante Einzelausstellung – das erste große Soloprojekt von KODL Contemporary und ein klares Statement für die Zukunft.

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VOJTĚCH VEŠKRNA PHOTOS KC ©
Die Architektur macht den Ausstellungsbesuch selbst zum atmosphärischen Erlebnis.

Architektur als Programm

Der neue Glaspavillon des Architekturbüros TaK Architects von Marek Tichý ist mehr als nur eine Hülle: Transparenz wird hier zum Programm. Die vollverglaste Fassade öffnet sich zur Stadt, das Tageslicht verändert stetig die Wirkung der Kunst und nachts verwandelt sich der Bau selbst in eine leuchtende Skulptur. So ist ein Ort entstanden, der nicht nur Ausstellungen beherbergt, sondern selbst zum Wahrzeichen werden könnte. Wie so oft gilt auch in diesem Fall: Nicht alle sind begeistert vom transparenten Kubus – Kritiker sehen im Eingriff am Moldauufer eine Provokation. Doch genau diese Reibung macht das Projekt umso spannender.

Nachbarschaft mit Strahlkraft

Direkt nebenan liegt das ebenfalls von TaK Architects frisch renovierte Fairmont Golden Prague Hotel. Hier trifft brutalistische Substanz auf Luxus und Kunst. Besonders reizvoll ist die Glasinstallation von Martin Janecký in der Hotellobby, die den Bogen zu seiner bevorstehenden Einzelausstellung schlägt. Galerie und Hotel ergänzen sich auf ganz spezielle Art und Weise – zwei Institutionen, die gemeinsam ein neues kulturelles Zentrum am Moldauufer formen möchten.

Künstler, Rekorde, Ambitionen

Mit exklusiv vertretenen Namen wie Jan Kaláb, Lukáš Novák und Martin Janecký hat die Galerie längst internationale Aufmerksamkeit erregt. Besonders deutlich wird die programmatische Linie im Fokus auf tschechisches Glas – etwa in den Arbeiten von Janecký, Novák oder auch Rony Plesl – sowie auf Kunstschaffende mit Wurzeln in der Street Art, die wie Kaláb oder Pasta Oner erfolgreich in den Galeriekontext gewechselt sind. Auktionen mit Rekordergebnissen untermauern den Anspruch, tschechische Kunst auf globalen Bühnen von Basel bis Shanghai zu positionieren. KODL Contemporary nutzt dabei bewusst das internationale Renommee der Glaskunst als Türöffner.

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VOJTĚCH VEŠKRNA PHOTOS KC ©
Links: Vladimír Véla spielt mit Farbschichten zwischen Abstraktion und Landschaft; rechts: Martin Janecký, Untitled (2021)

KODL Contemporary ist mehr als eine Galerie: Es ist ein Bekenntnis zu einer offenen und selbstbewussten tschechischen Gegenwartskunst. Es ist ein Ort, der Prag ein Stück internationaler macht, ohne die eigene Tradition zu verleugnen. Mein Fazit nach der Eröffnung lautet daher: schlicht fantastisch. Und bitte mehr davon!


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