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Vom 12. bis 20. September wird Como wieder zum Treffpunkt für zeitgenössisches Design. Unter dem Leitthema Confine lotet das Lake Como Design Festival diesmal Grenzen aus – räumliche und materielle, aber auch jene zwischen Vergangenheit und Gegenwart, Kunst, Handwerk und Design. Einer der spannendsten Schauplätze öffnet dafür erstmals seine Türen: die Villa Saporiti direkt am Comer See.

Grenzen sind im Design selten nur Linien. Sie entstehen dort, wo ein Material seine Belastbarkeit erreicht, wo Architektur auf Landschaft trifft, wo Handwerk in Design übergeht oder eine historische Form in die Gegenwart übersetzt wird. Genau dort setzt die achte Ausgabe des Lake Como Design Festival an. Confine – Grenze – lautet das Thema der neun Festivaltage. Gemeint ist damit ausdrücklich nicht nur das Trennende. Die Festivalmacher verstehen die Grenze ebenso als Berührungspunkt, als einen Raum der Spannung und Veränderung, in dem unterschiedliche Ideen aufeinandertreffen.

Eine Villa öffnet ihre Türen für Design

Besonders reizvoll wird dieser Gedanke in der Villa Saporiti. Erstmals zieht die Contemporary Design Selection in den neoklassizistischen Bau direkt am See ein. Die von Giovanna Massoni kuratierte und von Francesca Prandelli geleitete Auswahl bringt internationale Positionen aus Design, Architektur, Kunst und Handwerk zusammen, die sich auf ganz unterschiedliche Weise mit dem Begriff der Grenze auseinandersetzen.

Und hier wird Confine plötzlich sehr konkret. Denn Grenzen entstehen auch im Material selbst: zwischen Härte und Weichheit, Masse und Leichtigkeit, rauer Oberfläche und präziser Verarbeitung, Opazität und Transparenz. Naturstein, Holz, Metall, Glas oder Keramik erzählen nicht nur über ihre Form, sondern darüber, wie weit Designer bereit sind, Material zu verändern – oder es gerade nicht zu tun.

Darin lässt sich auch jene gestalterische Entwicklung erkennen, die wir für die kommende Design Issue unter dem Begriff Soft Brutalism genauer betrachten wollen. Nicht als neuen Stil mit festgeschriebenen Regeln, sondern als Lust an Masse, Materialauthentizität und klaren Formen. Sichtbare Strukturen dürfen sichtbar bleiben, Oberflächen müssen nicht makellos sein, Naturstein darf nach Naturstein aussehen und Holz seine Maserung zeigen. Gleichzeitig nehmen Licht, Transparenz und fein gesetzte Details den schweren Materialien ihre Härte.

Vor der historischen Architektur der Villa Saporiti dürfte gerade dieses Spannungsverhältnis besonders interessant werden. Zeitgenössisches Design trifft hier nicht auf den neutralen White Cube, sondern auf einen Ort mit eigener Geschichte und architektonischer Präsenz. Das Alte wird nicht ausgeblendet, damit das Neue wirken kann. Beides muss miteinander zurechtkommen.

Die Zukunft liegt auch in der Vergangenheit

Dass Confine weit über Materialfragen hinausgeht, zeigt das Festival an einem zweiten zentralen Schauplatz. In der Villa del Grumello beschäftigt sich Future in the Past mit der Grenze zwischen Vergangenheit und Zukunft. Archive werden dabei nicht als abgeschlossene Speicher verstanden, sondern als Ausgangspunkt für neue Gestaltung.

Zu sehen sind unter anderem Arbeiten aus dem Archiv von Carla Badiali, darunter Zeichnungen aus ihren Kooperationen mit Hubert de Givenchy und Pierre Balmain. Sie geben Einblick in kreative Prozesse, aber auch in die technischen Grenzen des Textildrucks. Ein außergewöhnlicher Barschrank von Paolo Buffa aus dem Jahr 1948 führt noch weiter zurück: Seine Gravuren basieren auf Zeichnungen Andrea Appianis für den einstigen Napoleon-Zyklus im Mailänder Palazzo Reale, dessen Originaldekoration im Zweiten Weltkrieg zerstört wurde. Design wird hier selbst zum Träger von Erinnerung.

Auch Lina Bo Bardi ist vertreten, ebenso AG Fronzoni; dazu kommen zeitgenössische Projekte, die historische Techniken, mediterrane Architektur oder traditionelle Materialien neu lesen. Gerade dadurch bekommt der Titel Future in the Past Substanz: Die Vergangenheit dient nicht als ästhetisches Zitat, sondern als Material, mit dem weitergearbeitet werden kann.

Design über die Stadt verteilt

Ohnehin bleibt das Festival nicht innerhalb der Villen. Como selbst wird Teil des Programms. Das Archivio Design Ico Parisi widmet sich der Zusammenarbeit zwischen Ico Parisi und Giuliano Collina, Architekten führen zu den Meisterwerken des Rationalismus der Stadt, während weitere Installationen und Ausstellungen das Thema Confine aus gesellschaftlicher, landschaftlicher oder technologischer Perspektive betrachten. Selbst die instabilen Grenzen alpiner Landschaften werden zum Thema.

In Laglio wiederum treffen Studenten des Central Saint Martins auf einen Ort, der kaum enger mit dem Comer See verbunden sein könnte: die historische Bootswerft Cantiere Ernesto Riva. Unter dem Titel Energy Poetics beschäftigen sie sich mit natürlichen Energiequellen und deren Möglichkeiten für eine nachhaltigere Navigation auf dem See.

So wird Confine weniger zur Überschrift als zum roten Faden eines Festivals, das Grenzen dort sucht, wo Design interessant wird: zwischen Material und Form, Geschichte und Gegenwart, Landschaft und Architektur, Handwerk und Technologie.


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