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Mit We Felt A Star Dying“ verwandelt Laure Prouvost die Nordschiffhalle des Grand Palais in ein sensorisches Versuchsfeld zwischen Video, Skulptur, Licht, Klang und Quantenphysik.

Was würde es bedeuten, die Welt aus einer quantischen Perspektive wahrzunehmen? Genau diese Frage stellt Laure Prouvost im Grand Palais in Paris. Mit We Felt A Star Dying“ zeigt die französische Künstlerin ab 10. Juni 2026 eine groß angelegte Installation in der Nef Nord, die sich zwischen zeitgenössischer Kunst, Wissenschaft und poetischer Irritation bewegt.

1 Laure Prouvost Nous frissons detoiles 2026 Image produite en collaboration avec Diogo Passarinho Studio ADAGP Paris 2026 Photographie de la Nef Simon Lerat pour Grand Palais Rmn
ADAGP Paris 2026 Photographie de la Nef / Simon Lerat pour GrandPalaisRmn ©

Prouvost, die 2013 mit dem Turner Prize ausgezeichnet wurde und Frankreich 2019 auf der Biennale von Venedig vertrat, arbeitet seit Jahren an der Schnittstelle von Film, Sprache, Skulptur und Raum. Ihre Installationen folgen keiner linearen Erzählung. Sie bauen Welten, in denen Bilder, Stimmen, Objekte und Körper in Bewegung geraten. Im Grand Palais wird daraus ein Environment, das die Architektur der historischen Glashalle nicht bespielt wie eine Kulisse, sondern als Teil der Arbeit aktiviert.

Ausgangspunkt ist ein zweijähriger Rechercheprozess mit dem Philosophen Tobias Rees und dem Wissenschaftler Hartmut Neven. Prouvost beschäftigte sich dabei mit Quantencomputing, kosmischen Kräften und der Frage, wie sich Systeme darstellen lassen, die auf Wahrscheinlichkeiten statt Gewissheiten beruhen. Aus dieser Forschung entstand eine Arbeit, die Quantenphysik nicht erklärt, sondern erfahrbar macht: durch Bildwechsel, Klang, Geruch, Licht, Bewegung und eine permanente Verschiebung der Perspektive.

13 Laure Prouvost Michael Smits
Michaël Smits ©
Laure Prouvost

Der Parcours beginnt mit einem Tunnel. Er markiert den Übergang von der hellen, offenen Struktur des Grand Palais in einen Zustand veränderter Wahrnehmung. Danach öffnet sich ein fluides Umfeld, in dessen Zentrum The Beginning“ steht: eine monumentale kinetische Skulptur mit sechs gliedartigen Formen, die von Sound und Licht animiert wird. Sie wirkt zugleich organisch und technisch, fragil und übermächtig, fast wie ein Wesen, das nie ganz greifbar wird.

Im Zentrum der Installation läuft die Videoarbeit We Felt A Star Dying“. Sie verbindet mikroskopische und kosmische Dimensionen, lebendige und nicht lebendige Materie, Natur und Maschine. Besucher können sich unter die Projektion legen; der Blick nach oben erinnert an ein Planétarium, nur dass hier kein stabiler Kosmos gezeigt wird. Die Bilder geraten in Übergänge, Zustände verschieben sich, Orientierung wird zur offenen Frage.

Rund um die zentrale Skulptur schweben sogenannte Cute Bits“ durch den Raum. Der Titel spielt auf Qubits an, die Grundeinheiten des Quantencomputings. Bei Prouvost werden daraus meteoritenartige Objekte, die in Paaren aufeinander reagieren und das Prinzip der Verschränkung sinnlich übersetzen. Einige dieser Arbeiten funktionieren wie Helme: Man kann den Kopf hineinstecken, Stimmen hören und einen metallisch-mineralischen Geruch wahrnehmen.

Gerade darin liegt die Stärke der Ausstellung. We Felt A Star Dying“ bleibt nicht bei der großen Geste stehen. Die Arbeit interessiert sich für jene Schwellen, an denen Wissen körperlich wird: ein Ton, der den Raum verändert; ein Licht, das blendet; ein Faden, der beim Vorbeigehen streift; ein Geruch, der abstrakte Theorie plötzlich materiell erscheinen lässt.

Das Grand Palais bietet dafür den passenden Resonanzraum. Die Grenze zwischen innen und außen, Beobachten und Erleben, Kunstwerk und Umgebung wird immer wieder verschoben. Prouvost nutzt die Nef als eine Art Sensorium: Die historische Ausstellungshalle wird zu einem Raum, in dem man nicht vor einem Werk steht, sondern sich innerhalb eines Systems bewegt.

We Felt A Star Dying“ ist keine Ausstellung über Quantenphysik im didaktischen Sinn. Sie ist ein Versuch, die Unschärfe, Fragilität und Verbundenheit quantischer Systeme in eine künstlerische Erfahrung zu übersetzen. Zwischen kosmischem Maßstab und körperlicher Nähe entsteht eine Arbeit, die weniger Antworten gibt, als Wahrnehmung neu justiert.

Laure Prouvost, We Felt A Star Dying“
10. Juni bis 26. Juli 2026
Grand Palais, Nef Nord, Paris
grandpalais​.fr


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