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Geboren in Bozen, umgeben von der archaischen Wucht der Südtiroler Alpen, entstammt Matteo Thun einem alten Adelsgeschlecht. Doch statt sich auf aristokratischen Traditionen auszuruhen, wählte er die Revolte. Als Mitbegründer der legendären Memphis-Gruppe zertrümmerte er in den 80ern gemeinsam mit Ettore Sottsass das Diktat des grauen Funktionalismus durch knallige Farben und exzentrische Formen.

Heute, Jahrzehnte später, ist der Rebell zum Visionär eines nachhaltigen Luxus“ gereift. In seinem Mailänder Atelier entsteht Architektur, die nicht schreit, sondern atmet. Sein Credo sind die Three Zeros“: Zero KM, Zero CO₂, Zero Waste. Es ist die Suche nach dem Zero Design“ – einer Ästhetik, die so zeitlos ist, dass sie keine Trends mehr braucht.

Die Poesie des Weglassens

Ob es das ikonische Vigilius Mountain Resort ist, das wie ein schlafendes Tier aus Holz auf 1.500 Metern Höhe thront, oder die Illy-Tasse, die heute weltweit als Inbegriff des italienischen Morgens gilt: Thuns Handschrift ist eine Hommage an die Sinnlichkeit natürlicher Materialien. Er hat bewiesen, dass ein Krankenhaus (wie die Waldkliniken Eisenberg) durch Holz und Licht heilen kann und dass Luxus heute nicht mehr Überfluss bedeutet, sondern Bewusstsein und Resonanz.

Ein Statement für die Ewigkeit: Venedig 2026

Wie konsequent er dieses Denken verfolgt, zeigte er jüngst auf der Architekturbiennale in Venedig. Seine Installation Fratelli Tutti“ war kein Wegwerf-Pavillon, sondern ein Versprechen: Eine modulare Holzstruktur, die im Arsenale die Besucher zur Ruhe zwang und nach der Ausstellung in den Alpen ein zweites Leben als Rückzugsort fand. Architektur als Kreislauf, nicht als Sackgasse.

Seadeck 9: Wenn Nachhaltigkeit in See sticht

Dieses Gefühl von Verbundenheit hat Matteo Thun nun gemeinsam mit Antonio Rodriguez auf das Wasser übertragen. Mit der Seadeck 9 für Azimut Yachts schreiben sie das nächste Kapitel ihrer Designreise – und es ist vielleicht ihr konsequentestes. Eine Yacht ist normalerweise eine geschlossene Welt, ein künstlicher Kokon. Die Seadeck 9 hingegen bricht diese Barrieren auf. Fun with a Conscious“ – Spaß mit gutem Gewissen – nennt Azimut diesen Ansatz.

Thun und Rodriguez haben das Interieur nicht eingerichtet“, sie haben es entmaterialisiert. Wo früher schwerer Prunk herrschte, finden sich heute recycelte Stoffe, umweltverträgliche Hölzer und eine radikale Reduktion des Gewichts. Raumhohe Glasfronten lassen das Meer nicht nur sichtbar, sondern spürbar werden; die Grenze zwischen dem Salon und dem Horizont verschwimmt.

Das Herzstück ist das Heck: Drei kaskadenartige Terrassen führen den Gast sanft hinunter zum Wasser. Es ist eine Einladung, dem Element wieder auf Augenhöhe zu begegnen. Hier wird Yachting nicht mehr als Machtdemonstration inszeniert, sondern als immersive Erfahrung. Die Seadeck 9 ist kein Fremdkörper auf dem Ozean, sondern ein flüstertleiser Beobachter.


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