Für Fall/Winter 2026 baut Moncler sein Footwear-Universum deutlich aus – mit neuen Trailgrip-Modellen, Winterboots und Kooperationen mit Clarks Originals, Rick Owens und Moon Boot. Interessanter als die einzelnen Neuheiten ist jedoch die Frage dahinter: Was passiert, wenn Outdoor nicht länger als ästhetische Referenz dient, sondern selbst zur Grundlage zeitgenössischen Designs wird?
Es gab eine Zeit, in der sich die Grenze zwischen Stadt- und Outdoor-Schuh ziemlich klar ziehen ließ. Auf der einen Seite standen Leder, schlanke Silhouetten und möglichst unsichtbare Sohlen, auf der anderen Gore-Tex, Vibram und ein Profil, das seinen Zweck nicht verbergen musste. Diese Ordnung hat sich längst aufgelöst.
Dass technische Materialien und massive Sohlen heute selbstverständlich zum urbanen Stilrepertoire gehören, ist keine neue Beobachtung. Interessanter ist, was danach kommt. Denn je normaler der sogenannte Outdoor-Look wird, desto weniger reicht es aus, einem Sneaker ein grobes Profil zu verpassen und ihn zum Trail-Modell zu erklären. Die Funktion muss glaubwürdig sein – und zugleich eine eigene gestalterische Sprache entwickeln.
Genau an diesem Punkt setzt Moncler mit seiner Footwear-Kollektion für Fall/Winter 2026 an. Das Haus, dessen Geschichte 1952 als Hersteller von Ausrüstung für die Berge begann, versucht dabei gar nicht erst, Alpine und Metropole voneinander zu trennen. Stattdessen behandelt es sie als Teile derselben Garderobe.
Der Berg ist längst in der Stadt angekommen
Das zentrale Modell dafür ist der Trailgrip. 2022 eingeführt, hat sich der Sneaker innerhalb weniger Jahre zu einer wiederkehrenden Form im Moncler-Universum entwickelt. Seine technische Konstruktion wird nicht versteckt: Vibram-Sohle, ausgeprägtes Profil, funktionale Materialien und eine bewusst robuste Silhouette machen sichtbar, wofür der Schuh gedacht ist.
Für Fall/Winter 2026 erscheint der Trailgrip GTX unter anderem in Orange sowie in Kombinationen aus Flieder und Schwarz oder Grau und Schwarz. Daneben führt Moncler die Familie mit Trailgrip Lite3, Trailgrip Apex GTX und Trailgrip Craft weiter. Je nach Modell kommen Nubuk, Veloursleder, Carbonfaser-Elemente, EVA-Zwischensohlen, OrthoLite-Einlagen, Gore-Tex-Membranen und Vibram-Profile zum Einsatz.
Als reine Materialliste klingt das zunächst nach Produktentwicklung. Für die gegenwärtige Mode ist es aber fast schon ein gestalterisches Vokabular.
Denn Materialien wie Gore-Tex oder technische Sohlen werden heute nicht mehr zwangsläufig eingesetzt, um möglichst unsichtbar ihre Funktion zu erfüllen. Sie prägen Proportionen, Volumen und Erscheinungsbild eines Schuhs. Die Technologie sitzt nicht unter dem Design. Sie ist Teil des Designs.
Gerade darin unterscheidet sich die gegenwärtige Outdoor-Welle von früheren Phasen, in denen die Mode vor allem einzelne Bergsport-Codes übernahm. Heute wird nicht mehr nur zitiert. Konstruktionen, die ursprünglich aus Performance-Gründen entstanden, verändern tatsächlich die Silhouette.
Was passiert mit einer Ikone auf neuem Terrain?
Besonders deutlich wird dieser Gedanke bei den drei Kooperationen der Saison. Denn Moncler arbeitet ausgerechnet mit Marken und Designern zusammen, deren Schuhmodelle selbst bereits einen hohen Wiedererkennungswert besitzen.
Mit Clarks Originals wird der Wallabee neu gelesen. Die charakteristische, seit Jahrzehnten weitgehend unverwechselbare Silhouette bleibt erhalten, erhält nun aber eine wasserdichte Gore-Tex-Konstruktion und Monclers Trailgrip-Vibram-Sohle. Das Resultat ist weder klassischer Wallabee noch klassischer Hiking-Schuh. Es zeigt vielmehr, wie stark sich die Bedeutung einer Form verändern kann, wenn ihre technische Grundlage ausgetauscht wird. Das Modell soll Anfang September erscheinen.
Noch radikaler fällt die Zusammenarbeit mit Rick Owens aus. Beim Trailgrip Megalace wird Monclers technische Basis zum Träger der Formensprache des Designers: gepolstertes Nylon und Leder, überlagernde geschwungene Partien, ein skulpturaler Schaft und eine Schnürung, die sich auf der Rückseite des Schuhs schließt. Die bekannte Trailgrip-Sohle bleibt darunter bestehen. Der Launch ist für Ende November vorgesehen.
Es ist eine interessante Umkehrung des üblichen Kollaborationsprinzips. Anstatt zwei Logos möglichst sichtbar nebeneinander zu setzen trifft ein bestehendes technisches System auf eine andere gestalterische Handschrift.
Vom Snowboot zum Cowboyboot
Ähnlich ist es bei der dritten Zusammenarbeit – auch wenn das Ergebnis kaum unterschiedlicher aussehen könnte. Der Moon Boot x Moncler Grenoble Icon High Rodeo, erstmals bei der Fall/Winter-2026-Präsentation von Moncler Grenoble in Aspen gezeigt, verbindet die Konstruktion eines Snowboots mit der Silhouette eines Cowboyboots – ein Design, das eigentlich nicht funktionieren sollte, aber überraschenderweise stimmig und stylisch ist. Veloursleder, Nubuk und Nappaleder treffen dabei auf eine Form, die stärker mit Western als mit Wintersport assoziiert wird.
Was zunächst wie ein bewusstes Stil-Mash-up wirkt, verweist auf ein größeres Thema der Kollektion: Funktionale Typologien sind nicht mehr an eine einzige visuelle Identität gebunden, sondern haben genug Spielraum, sich gegenseitig zu beeinflussen und Referenzen zu ziehen.
Ein Snowboot muss nicht zwangsläufig wie ein Snowboot aussehen. Ein Wallabee muss nicht auf seine klassische Kreppsohle beschränkt bleiben. Und ein Trailschuh kann zum Ausgangspunkt für Rick Owens’ fast architektonische Formensprache werden.
Die interessantesten Schuhe der Saison entstehen damit nicht durch eine neue Kategorie, sondern durch das Verschieben bestehender Kategorien.
Das Archiv als technischer Ausgangspunkt
Auch abseits der Kooperationen arbeitet Moncler mit diesem Prinzip. Der neue Altive Mid etwa basiert laut Maison auf einem Snowboot aus dem Archiv. Seine Herkunft wird jedoch nicht nostalgisch reproduziert. Die Steppung des Nylon-Uppers erinnert an Monclers Daunenjacken, dazu kommen Toggle-Schnürung, eine leichte EVA-Zwischensohle und eine Vibram-Sohle. Die Vergangenheit liefert hier keine fertige Form, sondern Material für eine neue Konstruktion.
Peak Snowcap und Peak Après übersetzen dieselbe alpine Herkunft in Nubuk, Merinowolle, Shearling und Nappaleder. Mit Vera Edge und dem hybriden Regenboot Vera Pulse wird die Palette wiederum in Richtung Alltag erweitert.
Damit ergibt sich ein bemerkenswert geschlossenes Bild: Moncler versucht nicht, zwischen Performance und Mode zu vermitteln. Die Marke geht vielmehr davon aus, dass diese Trennung für den heutigen Alltag kaum noch relevant ist.
Vielleicht ist genau das moderner Style
Das spricht für einen Status Quo der Mode, an den wir bei Signature schon lange glauben. Denn zeitgenössischer Stil definiert sich immer weniger über eindeutige Kleiderordnungen. Der Schuh für den Berg, der Schuh für schlechtes Wetter und der Schuh für die Stadt müssen heute nicht mehr zwingend drei verschiedene Dinge sein.
Natürlich steckt darin auch ein Versprechen, das die Mode seit Jahren gern verkauft: ein Produkt für möglichst viele Situationen. Entscheidend ist deshalb, ob Vielseitigkeit nur behauptet oder tatsächlich konstruiert wird.
Bei Monclers Fall/Winter-2026-Footwear liegt die überzeugendere Idee nicht im oft bemühten Gegensatz von Berg und Metropole. Sondern darin, dass dieser Gegensatz zunehmend bedeutungslos wird.
Der interessanteste Outdoor-Schuh der Gegenwart sieht schließlich nicht mehr unbedingt danach aus, als würde er gleich einen Gipfel besteigen. Er muss nur so gebaut sein, dass er es könnte.
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