Natures of Conflict entwirft Garderobe aus rückverfolgbaren Naturfasern, Vintage- und Deadstock-Stoffen. Was das Wiener Label seit Jahren praktiziert, bekommt gerade neue Aktualität: In Europa werden Herkunft, Material und der Umgang mit Überschüssen zunehmend zu überprüfbaren Größen.
Mode liebt Verknappung. Bei Natures of Conflict beginnt sie beim Stoffeinkauf. Vintage- und Deadstock-Gewebe sind nur in jener Menge vorhanden, in der sie eben noch existieren. Ist ein Stoff verarbeitet, endet damit auch die mögliche Stückzahl. Dieses Limit wird Teil des Entwurfs.
Das klingt im Jahr 2026 beinahe programmatisch. Im Juli hat die Europäische Kommission das Register für den Digital Product Passport in Betrieb genommen. Textilien gehören zu den priorisierten Produktgruppen der europäischen Ecodesign-Verordnung; für Ende 2027 ist derzeit der entsprechende delegierte Rechtsakt geplant. Welche Angaben für Textilien tatsächlich verpflichtend werden und ab wann sie gelten, steht noch nicht fest. Seit 19. Juli gilt zudem für große Unternehmen in der EU ein Verbot, unverkaufte Kleidung, Accessoires und Schuhe zu vernichten. Mittlere Unternehmen folgen 2030. Fragen nach Materialherkunft, Produktinformation und Überproduktion bekommen damit auch einen regulatorischen Rahmen.
Für Nora Berger und Kathrin Lugbauer beginnen die Rahmenbedingungen lange vor einem digitalen Pass. Seit der Gründung von Natures of Conflict im Jahr 2010 arbeiten die beiden ausschließlich mit Naturfasern aus nachvollziehbarer Herstellung sowie mit Vintage- und Deadstock-Materialien. Produziert wird innerhalb der EU von einem kleinen Team von Näherinnen. Dass manche Stücke nur in begrenzter Zahl entstehen, ist somit kein nachträglich erzeugtes Versprechen von Exklusivität. Manchmal gibt schlicht der vorhandene Stoff die Menge vor.
Auch gestalterisch sind die Kollektionen nicht für den schnellen Wechsel konzipiert. Berger und Lugbauer studierten an der Universität für angewandte Kunst Wien bei Véronique Branquinho und Raf Simons. In ihren Kollektionen setzen sie häufig bei vertrauten Kleidungsstücken an: Hemd, Hose, Jacke oder Mantel. Sie verändern Proportionen, Volumen und Silhouetten, manchmal mit nur wenigen gezielten Eingriffen. Das Ergebnis ist raffiniert genug, um aufzufallen, und gleichzeitig alltagstauglich.
Selbst der Name des Labels passt zu dieser Arbeitsweise. Konflikt verstanden die beiden Designerinnen von Beginn an als produktiven Zustand: als Anlass, Gewohntes zu hinterfragen und anders zusammenzusetzen. Nachhaltigkeit erscheint dabei weniger als eigene Ästhetik, denn als Konsequenz aus Materialwahl, Produktionsweise und Stückzahl.
Seit Juni 2026 hat diese Garderobe auch eine neue Adresse in Wien. Bis Ende des Jahres ist Natures of Conflict mit einem Shop-in-Shop bei rosa mosa in der Richtergasse zu Gast. Die Räume gehörten einst einer Hutmacherei, ihre originale Einrichtung ist erhalten geblieben; heute werden dort wieder Schuhe und Accessoires entworfen, gefertigt und verkauft.
Die alten Regale liefern dafür mehr als eine hübsche historische Kulisse. Für einige Monate nehmen darin auch die Entwürfe von Natures of Conflict Platz. Und damit eine Vorstellung von Luxus, die ohne künstliche Verknappung auskommt: zu wissen, woraus etwas besteht, warum davon nicht beliebig viel existiert und unter welchen Bedingungen es hergestellt wurde.
shop.naturesofconflict.com
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