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Lange waren sie besonderen Anlässen vorbehalten, nun werden sie Teil des täglichen Lebens im Palais Coburg: Am 7. September eröffnet mit PRUNKRÄUME ein neues All-Day-Restaurant in den historischen Salons des Hauses. Gestern Abend gab das Palais vorab einen ersten Einblick in das Konzept – und in eine bemerkenswerte Neuinterpretation von Wiener Repräsentationskultur.

Prunkräume sind normalerweise Orte mit einer gewissen Distanz. Man besichtigt sie, wird zu besonderen Anlässen hineingebeten oder betrachtet sie als beeindruckende Kulisse einer anderen Zeit. Dass man dort morgens zum Brunch Platz nimmt, nachmittags Scones bestellt und bis spätabends auf einen Drink bleibt, gehört eher nicht zum klassischen Nutzungskonzept.

Im Palais Coburg soll sich genau das ändern.

Mit PRUNKRÄUME öffnen sich die historischen Salons im ersten Stock ab 7. September erstmals dauerhaft für die Gastronomie. Hohe Decken, Marmorsäulen, Spiegel und Kristallluster bleiben, was sie sind. Doch statt ausschließlich festlicher Bühne zu sein, sollen die Räume zum ​„Wohnzimmer“ des Hauses werden – zugänglich für Hotelgäste ebenso wie für Wiener und internationale Besucher.

Weniger Zeremonie, mehr Alltag

Das Interessante daran ist weniger die Kombination von Alt und Neu, die inzwischen beinahe zum Standardvokabular historischer Hotelprojekte gehört. Es ist die Veränderung der Nutzung.

Ein Raum verliert schließlich nicht seine Geschichte, nur weil man ihn selbstverständlicher benutzt. Im Gegenteil: Vielleicht wird historische Architektur gerade dann relevant, wenn sie nicht ausschließlich konserviert und inszeniert wird, sondern wieder Teil des Alltags werden darf.

Kulinarisch übersetzt der britische Küchenchef Lewis Emerson diesen Gedanken in eine ähnlich undogmatische Mischung. Nach Stationen unter anderem im Hotel Sacher, bei Gerstner im Palais Todesco und zuletzt als Executive Head Chef der Sattlerei verbindet er Wiener Klassiker mit britischer Tradition und internationalen Einflüssen. Das reicht vom Open Omelette mit geräuchertem Heilbutt, Kaviar und Beurre blanc über Hamshuka bis zum klassischen Kalbsschnitzel. Am Abend wird die Karte etwas gesetzter; Emersons Signature Dish ist ein Trüffelhuhn mit Zuckermais, Madeira-Jus und Pommes Mousseline, das auf einem Gericht seiner Mutter basiert.

Besonders britisch wird es ab 14.30 Uhr: Dann stehen Scones mit Clotted Cream, Finger Sandwiches, Sausage Rolls und Cakes auf dem Afternoon-Tea-Menü. Dazu kommt eine Auswahl von 20 Tees, darunter eine eigens entwickelte Coburg-Mischung.

Zwei Restaurants, zwei Rollen

Bewusst grenzt sich PRUNKRÄUME dabei vom zweiten Restaurant des Hauses ab. Das Silvio Nickol Gourmet Restaurant bleibt die Fine-Dining-Adresse des Palais und trägt weiterhin zwei Michelin-Sterne. PRUNKRÄUME soll dagegen zugänglicher funktionieren: vom Brunch bis zum späten Drink, mit kleineren Gerichten ebenso wie mit einem vollständigen Dinner.

Was beide verbindet, ist die außergewöhnliche Weinkultur des Hauses. Auch in den neuen Prunkräumen steht das umfangreiche Weinbuch des Palais zur Verfügung; die Sammlung selbst umfasst mehr als 60.000 Flaschen in sechs historischen Kellern.

Die Eröffnung fällt zugleich in eine größere Veränderung des Palais Coburg. Nach umfassender Renovierung empfängt das Haus seit Anfang August wieder Gäste und positioniert sich nun als privates Gästehaus mit 36 individuell gestalteten Suiten statt als klassisches Stadthotel. Rückzug und Öffentlichkeit werden damit neu verteilt: Die Zimmer werden privater, während sich ausgerechnet die repräsentativsten Räume des Hauses stärker zur Stadt hin öffnen.

Darin liegt vielleicht die interessanteste Idee der neuen Ära des Palais Coburg. Man versucht nicht, die Geschichte der Räume abzuschütteln oder sie museal einzufrieren. Man gibt ihnen schlicht wieder eine Funktion.

Und aus Räumen, die vor allem bestaunt wurden, werden Räume, in denen wieder etwas passiert.


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