Kleine Skulpturen, kunstvolle Objekte, große Designideen: Flakons sind viel zu schön, um einfach nur Verpackung zu sein.
Parfüm kann man nicht sehen. Sein Flakon dagegen ist Design auf kleinstem Raum. Er gibt einem unsichtbaren Inhalt Form, Farbe, Gewicht – und im besten Fall eine Identität, die man erkennt, lange bevor man den Namen auf dem Glas gelesen hat.
Kaum ein anderes Designobjekt verbindet dabei so vielfältige Anforderungen. Ein Flakon muss gut in der Hand liegen, den Duft schützen und sich selbstverständlich öffnen und schließen lassen. Gleichzeitig darf er verführen. Glas wird geschliffen, gefärbt, geformt oder auf eine strenge Geometrie reduziert. Verschlüsse bekommen skulpturale Qualitäten, Metall trifft auf Lack, klare Flächen auf ornamentale Details. Design entscheidet hier über jeden Millimeter.
Conception & Editorial Team: Brigitte Cocyan & Michaela Sattler
Photography & Retouch: Sigrid & Felix Mayer-Frühauf / Atelier Égalité
Location: Mandarin Oriental, Vienna
Wie unterschiedlich das aussehen kann, zeigt unsere Auswahl von Cartier, Dior, Chanel, Bvlgari, Diptyque, Valentino und Louis Vuitton. Manche Entwürfe leben von radikaler Reduktion, andere von Farbe, Volumen oder ungewöhnlichen Proportionen. Und manche haben längst eine Formensprache entwickelt, die unabhängig vom Duft funktioniert.
Für unser Shooting haben wir die Flakons deshalb nicht als Verpackung betrachtet, sondern als Designobjekte. Herausgenommen aus Badezimmerschrank und Handtasche bekommen sie den Raum, den ihre Gestaltung verdient.
Scent by Design
Im Mandarin Oriental, Vienna trifft Wiener Jugendstil auf modernes Interior und wird so zum perfekten atmosphärischen Setting für unsere Flakon-Strecke.
Es gibt Locations, bei denen man lange nach dem richtigen Hintergrund sucht. Im Mandarin Oriental, Vienna war das Gegenteil der Fall. Für unsere Flakon-Strecke durften wir das Haus in der Riemergasse beinahe vom Dach bis zum Erdgeschoss erkunden – und verwandelten Suiten, Bar, Lobby, Konferenzräume und das große Stiegenhaus in ein Fotostudio.
Das passte perfekt zu unserem Thema: Denn das Haus selbst erzählt eine Geschichte über Design und die Frage, wie sich historische Substanz in die Gegenwart übersetzen lässt. 1908 als Gerichtsgebäude nach Plänen von Alfred Keller fertiggestellt, zählt es zur Wiener Jugendstilarchitektur. Bei der Restaurierung blieben prägende Elemente wie die große Treppe, Stuckdecken und historische Wandoberflächen erhalten. Die Designer von Goddard Littlefair ergänzten sie um moderne Interiors, maßgefertigte Möbel und eine ruhige Material- und Farbwelt. Messing, Marmor, Holz, Glas und textile Oberflächen wechseln einander ab, geometrische Linien treffen auf weichere Formen. Historische Details werden nicht museal ausgestellt, sondern zu einem Teil der neuen Räume. Für unsere Bilder waren es oft scheinbar nebensächliche Dinge, die plötzlich eine Hauptrolle spielten: Eine Leuchte, ein Geländer, eine Marmorfläche oder ein Wanddetail konnten zum Hintergrund für einen Flakon werden. Wenige Schritte weiter änderten sich Licht, Material und Proportion – und damit das gesamte Bild. Auch die Kunst gehört zum Interior: 410 Arbeiten, darunter 150 Unikate von 25 Künstlern, verteilen sich im Hotel und nehmen Bezug auf den Wiener Jugendstil und die Wiener Werkstätte.
Vor allem aber möchten wir uns beim Team des Mandarin Oriental, Vienna bedanken. Mit großer Freundlichkeit, Geduld und Selbstverständlichkeit wurden uns Türen geöffnet, Räume gezeigt und neue Möglichkeiten angeboten. Dass wir uns nahezu frei durch das Haus bewegen und seine vielen Details für unsere Inszenierungen nutzen durften, war ein großes Privileg. Bessere Voraussetzungen für ein Shooting, bei dem es um Design bis ins kleinste Detail geht, hätten wir uns kaum wünschen können.
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