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Außergewöhnliche Orte, eigenständige Handschriften und geniale Ideen: Die Paris Design Week 2026 zeigte Design in all seinen Facetten – von Joseph Walsh über Julien Sebban bis Maison Lacmé, Hanjimania und Maison&Objet.

Paris während der Design Week ist eine völlig andere Stadt. Wie Milano während des Salone. Startet man morgens mit einem Plan, kommt man abends mit einem völlig anderen zurück. Auf dem Weg zu einer Designinstallation entdeckt man eine Galerie, bleibt in einer der ach so vielen und noch viel schöneren kleinen Boutiquen hängen, schaut in einen Innenhof, weil dort irgendetwas interessant aussieht – und steht irgendwann vor der nächsten Inszenierung, die auf der eigenen Liste gar nicht vorgesehen war.

Ähnlich wie in Mailand zieht man am Ende des Tages das Fazit, dass man zehn Stunden unterwegs war und es trotzdem kaum über jenes Viertel hinausgeschafft hat, in dem man morgens losgestartet ist. Vier meiner Entdeckungen blieben mir besonders in Erinnerung: Joseph Walsh im Hôtel de Sully, Julien Sebbans ​„Le Grand Bouquet“ im Grand Palais, Maison Lacmés ​„Astre Mobile“ und ​„Hanjimania“ im Hôtel de la Marine.

Joseph Walsh arbeitet mit Holz. Diese Charakterisierung ist richtig und gleichzeitig unvollständig. Der Ire begann als Möbelmacher und hat daraus über die Jahre eine eigene Formensprache entwickelt, die irgendwo zwischen Design, Skulptur und Architektur liegt. Seine Arbeiten wachsen in den Raum, ziehen Kurven, falten und drehen sich und erreichen Dimensionen, bei denen sich unweigerlich die Frage stellt, wie Holz das eigentlich mitmacht. Walsh interessiert genau das: Er arbeitet mit Schichten und Laminierungen, entwickelt seine Techniken ständig weiter und lotet aus, wie weit sich das Material formen lässt. In seiner ​„Enignum“-Serie zeigt sich jene fließende Ästhetik, für die er bekannt geworden ist: Tische, Sitzobjekte und Skulpturen, deren Konstruktion teilweise kaum noch zu entschlüsseln ist. Die Bewegung scheint wichtiger als die Kategorie des Gegenstands. Im Hôtel de Sully bekam diese Arbeit ein perfektes Gegenüber. Das ​„Hôtel particulier“ aus dem 17. Jahrhundert gehört mit seiner strengen Symmetrie, der Orangerie und den Gärten zu den großen historischen Adressen des Marais. Dazwischen Walshs Holzskulpturen: groß, organisch, geschwungen. Nichts musste sich dem anderen anpassen. Grandios!

Ganz anders Julien Sebban: Der französische Architekt und Designer gründete 2019 das Studio Uchronia und bewegt sich mit seinem Team ganz selbstverständlich zwischen Architektur, Interior, Möbeln und Kunst. Kräftige Farben, florale Formen, Muster und eine ausgeprägte Lust am Dekor prägen seine Entwürfe. Räume werden bei Uchronia gerne zu Gesamtkunstwerken, Möbel zu Solitären und Alltagsgegenstände zu Objekten, die man kaum übersehen kann. Für die Rotonde du Palais d’Antin des Grand Palais entwarf Sebban ​„Le Grand Bouquet“. Rund sieben Meter hoch, leuchtend und irgendwo zwischen überdimensionaler Blüte und surrealem Gewächs, nahm die Installation den frisch renovierten historischen Raum mit bemerkenswerter Selbstverständlichkeit in Besitz. Die Idee kam aus der Architektur selbst: Florale Motive des Bodenmosaiks und die pflanzlichen Ornamente der Arkaden wurden von Sebban ins Monumentale übersetzt. Der Künstler setzte auf Team-Work: Für ​„Le Grand Bouquet“ holte er einige jener französischen Häuser dazu, deren Namen normalerweise eher mit perfektem Savoir-faire als mit psychedelischen Riesenblumen verbunden werden. Pouenat brachte seine Erfahrung in der Metallarbeit ein, Prelle seine traditionsreiche Textilkunst, Tréca das Polsterhandwerk. Jahrhundertealtes Wissen einzusetzen, das von musealer Ehrfurcht weit entfernt ist, passt zu Sebban. Er interessiert sich für traditionelle Techniken, aber nicht dafür, sie konventionell aussehen zu lassen. Am Ende stand deshalb kein Denkmal für französisches Kunsthandwerk im Grand Palais, sondern eine fantastische, sieben Meter hohe Blume.

Und dann stand da noch ein Auto. ​„Astre Mobile“ von Maison Lacmé sieht auf den ersten Blick aus, als hätte jemand beschlossen, ein transparentes Art Car zu entwerfen. Tatsächlich beginnt die Geschichte schon früher: Antoine Tauvel, Gründer und künstlerischer Leiter von Maison Lacmé, entwickelte das Fahrzeug mithilfe von Zeichnungen, Modellen, Formstudien und skulpturalen Prototypen als eigenständiges Werk. Die transparente Karosserie war also nicht die Fläche, auf der später Kunst stattfinden sollte; sie gehörte von Anfang an zur Idee. Bewegung, Zeit, Spiel und die Beziehung zu den Gestirnen tauchen in Tauvels Arbeit immer wieder auf. ​„Astre Mobile“ führt vieles davon zusammen – ausgerechnet in einem Gegenstand, der wie kaum ein anderer für Dynamik steht. Tauvel holte dafür rund zehn französische Kunsthandwerker in sein Team – und spätestens bei den Details wird ​„Astre Mobile“ herrlich eigenwillig. Da gibt es Federintarsien, mit Muscheln bestickte Sattlerarbeit, Porzellan, Urushi-Lack, russisches Leder, Onyx und Metallstickerei. Lenkrad, Tacho, Schlüssel und Scheinwerfer wurden ebenso gestaltet wie alles andere.

So wird aus dem Auto fast ein fahrendes Cabinet de Curiosités. Gerade die transparente Hülle macht Spaß, weil sie nichts versteckt. Man blickt hinein, entdeckt Details und beginnt plötzlich Dinge anzuschauen, denen man bei einem Auto normalerweise kaum Aufmerksamkeit schenken würde. Ein Tacho ist eben auch ein Designobjekt. Man muss ihn nur dazu machen.

Im Hôtel de la Marine wurde es schließlich leiser. ​„Hanjimania“, kuratiert von Catherine Lurault und An KangEun, brachte anlässlich von 140 Jahren diplomatischer Beziehungen zwischen Frankreich und Korea internationale Designer mit koreanischen Meistern zusammen. Pierre Yovanovitch, Studio KO und Harry Nuriev zählten zu den Gestaltern, die sich mit Hanji beschäftigten – jenem handgeschöpften koreanischen Papier, dessen Möglichkeiten weit über das hinausgehen, was das Wort Papier zunächst vermuten lässt. Hier wurde daraus Volumen, Oberfläche, Struktur und Objekt.

Parallel dazu setzte Maison&Objet im September weitere Akzente. Die Herbstausgabe erschien erstmals als ​„Maison&Objet Pulse“ und brachte unter dem Leitmotiv ​„Pulse in Motion“ Design, Kunsthandwerk, Interior und Lifestyle in einem neuen Format zusammen. Das spanische Kreativduo Masquespacio prägte als Ambassador die visuelle Identität von Maison&Objet und der Paris Design Week und entwickelte zwei Installationen – eine in Villepinte, eine in Paris. Elizabeth Leriche widmete sich mit ​„In Materia“ der Zukunft des Kunsthandwerks und dem Umgang mit Materialien, während der von Hall Haus kuratierte Design District neue Gestalter und Studios versammelte. Die Rising Talent Awards richteten den Blick 2026 nach Südafrika und auf eine junge Designszene, in der lokale Handwerkstraditionen, Materialien und zeitgenössische Formensprache problemlos zusammenfinden.


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