Vom 10. bis 19. September trifft in Paris die internationale Designbranche auf historische Architektur, junge Talente und neue Ideen. Parallel dazu zeigt Maison&Objet Pulse, was die kommenden Saisonen prägen könnte.
Wer im September wissen möchte, wohin sich internationales Design bewegt, sollte Paris etwas mehr Zeit einräumen. Vom 10. bis 19. September findet die Paris Design Week statt, parallel dazu öffnet vom 10. bis 14. September Maison&Objet Pulse ihre Hallen in Paris Nord Villepinte. Zwei Veranstaltungen, die unterschiedlicher kaum sein könnten – und gerade deshalb gut zusammenspielen. Während die Fachmesse mit rund 2.300 Marken aus 49 Ländern Neuheiten, Materialien und Entwicklungen des internationalen Marktes bündelt, verteilt sich die Design Week über die Stadt.
Das verbindende Thema lautet 2026 „Pulse in Motion“. Gemeinsam mit der Trendagentur NellyRodi stellt Maison&Objet damit Bewegung, Farbe, Materialität und das Bedürfnis nach realen Begegnungen in den Mittelpunkt. Als Botschafter wurden Ana Milena Hernandez und Christophe Penasse vom spanischen Studio Masquespacio gewählt. Das Duo wird mit zwei Installationen sowohl auf der Messe als auch in Paris vertreten sein und gestaltet darüber hinaus die visuelle Identität der Herbstausgabe.
Interessanter als jedes Leitthema sind allerdings die konkreten Projekte. Die Paris Design Week bringt zeitgenössisches Design in Museen, Galerien, Showrooms und historische Gebäude. Rund 500 Teilnehmer bespielen 320 Orte in vier Pariser Designquartieren. Im Grand Palais etwa reagiert Studio Uchronia mit Le Grand Bouquet auf die historische Architektur. Die monumentale florale Installation nimmt Motive der vorhandenen Mosaike und Ornamente auf und übersetzt sie in eine neue räumliche Arbeit. Sie ist etwas länger als die Design Week selbst, vom 11. bis 20. September, zu sehen; montags bleibt sie geschlossen.
Auch der Arc de Triomphe, das Hôtel de Rohan, das Hôtel de Soubise, das Musée Bourdelle und der Jardin du Palais-Royal werden Teil des Programms. Im Hôtel de la Marine trifft bei „Hanjimania“ traditionelles koreanisches Hanji-Papier auf zeitgenössische Gestaltung. Gerade diese Begegnungen zwischen historischer Architektur und neuen Arbeiten gehören zu den spannendsten Seiten der Design Week.
Wer nach Namen von morgen sucht, dürfte hingegen im Marais fündig werden. In vier Galerien versammelt die Paris Design Week Factory mehr als 150 junge internationale Designer. Bei Maison&Objet richtet sich der Blick ebenfalls auf die nächste Generation: Die Rising Talent Awards widmen sich diesmal Südafrika und präsentieren sieben Studios aus einer Designszene, die traditionelle Techniken und kulturelle Referenzen mit zeitgenössischen Formen verbindet.
Was lässt sich daraus bereits als Trend für 2027 ablesen? Sicher kein einzelner Stil. Auffällig ist vielmehr die Rückkehr des Materials: Naturstein trifft auf Metall, sichtbare handwerkliche Spuren ersetzen makellose Oberflächen, Textilien werden wieder stärker zum Gestaltungselement und Licht entwickelt sich zunehmend vom funktionalen Objekt zur Skulptur. Gleichzeitig werden traditionelle Techniken nicht nostalgisch konserviert, sondern neu eingesetzt.
Vielleicht ist genau das der beste Grund, Paris im September nicht nur wegen einer Messe zu besuchen. Design findet hier gleichzeitig im kommerziellen Umfeld, im Museum, im historischen Stadthaus und mitten im öffentlichen Raum statt. Wer wissen möchte, was bleibt und was als Nächstes kommt, bekommt zehn Tage lang ziemlich viel Anschauungsmaterial.
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