Was passiert, wenn Pat McGrath einen Lipliner entwickelt und Konstantin Grcic das Design übernimmt? Louis Vuitton liefert mit dem neuen LV Crayon die Antwort und denkt dabei sogar den Spitzer neu.
Ein Lipliner gehört zu den Dingen, über deren Design man selten lange nachdenkt. Stift, Mine, Kappe – die Aufgabe ist klar. Louis Vuitton wäre allerdings nicht Louis Vuitton, wenn es dabei bliebe.
Für den neuen „LV Crayon“ aus der Beauty-Linie „La Beauté Louis Vuitton“ hat Konstantin Grcic den Stift selbst gestaltet. Und zwar nicht nur seine Hülle. Der deutsche Industriedesigner hat die Monogram Flower in die Form des Crayons übersetzt. Der Querschnitt folgt der bekannten Blüte, sodass die Monogram Flower nicht nur aufgedrucktes Logo, sondern Teil des Objekts wird. Gleichzeitig soll die Form mehr Kontrolle und Präzision beim Auftragen ermöglichen.
Dies ist eine kleine Verschiebung mit großer Wirkung. Branding wird dreidimensional, Dekoration erhält eine Funktion. Hinzu kommen mattschwarzes Holz, ein Ombré-Verlauf, der die jeweilige Farbe aufnimmt, sowie eine goldene Kappe in Form der Monogram Flower.
Man könnte den Stift also auch einfach auf den Tisch legen.
Pat Meets Konstantin
Die zweite Hälfte dieser Zusammenarbeit stammt aus einer völlig anderen Designwelt. Dame Pat McGrath ist seit mehr als zwei Jahrzehnten für die Beauty-Looks der Louis-Vuitton-Schauen verantwortlich. Seit dem Start von La Beauté Louis Vuitton ist sie Creative Director Cosmetics des Hauses. Mit dem LV Crayon übersetzt sie nun eines ihrer wichtigsten Arbeitsgeräte in ein Produkt der Kollektion.
McGrath beginnt einen Lippen-Look eigenen Aussagen zufolge mit der Kontur. Entsprechend ist der Crayon nicht als Nebendarsteller zum Lippenstift gedacht, sondern als Werkzeug, mit dem sich die Form definieren, verändern oder bewusst weicher zeichnen lässt.
Zum Start gibt es zehn Farben. Die Palette reicht von Beige- und Nude-Tönen über Rosé, Magenta, Pflaume und Terrakotta bis zu den beiden Rottönen „Rouge Louis“ und „Monogram Rouge“. Der Stift kann mit „LV Rouge“ und „LV Baume“ kombiniert oder einzeln verwendet werden.
Auch die Textur folgt dem Konzept eines Werkzeugs, das sich nicht nur präzise, sondern auch leicht führen lässt. Die Formel enthält ein cremiges Peptid, das Kontur, Halt und Komfort bieten soll.
From Runway to Handbag
Die Zusammenarbeit wird vor allem dort interessant, wo McGraths Erfahrung mit Make-up und Grills Umgang mit industriellem Produktdesign aufeinandertreffen.
McGrath denkt vom Gesicht aus: Welche Linie braucht sie? Wie muss sich die Textur bewegen? Wie präzise lässt sich damit arbeiten? Grcic hingegen denkt vom Gegenstand aus. Wie liegt er in der Hand, wie lässt sich seine Funktion in eine Form übersetzen und wie kann ein Produkt von Louis Vuitton sein, ohne dafür überall ein Logo zu tragen?
Beim LV Crayon treffen beide Perspektiven in einem Gegenstand aufeinander, der kaum alltäglicher sein könnte.
Und genau darin liegt die Spannung. Es geht nicht darum, aus einem Lipliner etwas Bedeutenderes zu machen, als er ist. Sondern darum, wie viel Gestaltung in einem Gegenstand stecken kann, den man normalerweise einfach in die Hand nimmt, benutzt und wieder in die Tasche steckt.
Bei Louis Vuitton wird selbst dieser Moment durchgestaltet.
And Then There’s the Sharpener
Denn beim Crayon hört die Sache nicht auf.
Konstantin Grcic hat auch den dazugehörigen Beauty Sharpener entworfen. Ein Drehmechanismus öffnet und schließt ihn, und die Späne landen in einem integrierten Behälter. So wird aus dem Gegenstand, den man normalerweise irgendwo in einer Schublade sucht, ein eigenständiges Accessoire.
Damit bekommt ausgerechnet der Spitzer fast so viel Aufmerksamkeit wie der Stift. Nicht ganz zu Unrecht. Denn er verkörpert die Idee hinter der Beauty-Kollektion von Louis Vuitton in besonders konzentrierter Form: Ein funktionaler Gegenstand wird so lange gestaltet, bis man ihn nicht mehr verstecken möchte.
Dazu gibt es einen Lip Blending Brush und ein Beauty Pouch. Wer alle zehn Crayons gemeinsam aufbewahren möchte, bekommt für 850 Euro ein Rollcase aus Monogram Canvas.
Ein Spitzer für 400 Euro bleibt natürlich ein Spitzer für 400 Euro.
Aber er sieht verdammt gut aus.
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