Vor mehr als 400 Jahren begann in Japan eine Epoche, die das Land für über zweieinhalb Jahrhunderte prägen sollte. Nach Jahrzehnten der Kriege gelang es Tokugawa Ieyasu und seinen Verbündeten, das Reich zu einen und den Grundstein für eine lange Zeit des Friedens zu legen. Mit dem Beginn der Edo-Zeit veränderte sich nicht nur die politische Ordnung, sondern auch das kulturelle Selbstverständnis des Landes. An diesen historischen Wendepunkt erinnert Roger Dubuis mit der Excalibur The Kabuto Legacy – einer Uhr, die Geschichte nicht illustriert, sondern in feinster Uhrmacherkunst interpretiert.
Im Mittelpunkt stehen zwölf Kabuto – die kunstvoll gestalteten Helme legendärer Samurai-Kommandanten. Wer heute an Samurai denkt, verbindet sie meist mit Schwertern oder martialischen Schlachten. Tatsächlich waren ihre Helme weit mehr als Schutz auf dem Schlachtfeld. Jeder Kabuto war ein unverwechselbares Erkennungszeichen seines Trägers. Form, Ornamentik und Wappen erzählten von Herkunft, Rang, Philosophie und persönlichen Idealen. Noch bevor ein Samurai sprach, vermittelte sein Helm, wer er war. Diese Verbindung aus Symbolik, Identität und meisterhafter Handwerkskunst macht den Kabuto bis heute zu einem der faszinierendsten Designobjekte der japanischen Kulturgeschichte.
Roger Dubuis greift genau diese Bedeutung auf und verwandelt sie in ein dreidimensionales Zifferblatt. Zwölf mikroskulptierte Kabuto aus 18-karätigem Roségold bilden einen Kreis um das Zentrum der Uhr. Jeder einzelne Helm wird von Hand graviert und benötigt zwei bis drei Tage sorgfältiger Arbeit. Selbst kleinste Ornamente werden präzise ausgearbeitet und bewahren die charakteristischen Merkmale ihrer historischen Vorbilder. So entsteht keine dekorative Anspielung auf Japan, sondern eine erstaunlich detailreiche Hommage an eine jahrhundertealte Handwerkskunst.
Die Auswahl der dargestellten Samurai folgt dabei keiner zufälligen Dramaturgie. Im Mittelpunkt steht Tokugawa Ieyasu, der Begründer des Tokugawa-Shogunats und Architekt eines vereinten Japans. Sein Helm trägt einen Farn als Symbol für Beständigkeit, Erfolg und ein langes Leben. Ihn umgeben jene Kommandanten, die entscheidend zur Einigung des Landes beitrugen. Honda Tadakatsu erscheint mit seinen berühmten Hirschgeweihen, die göttlichen Schutz symbolisieren. Date Masamune, bis heute einer der bekanntesten Samurai Japans, trägt den legendären goldenen Halbmond auf seinem Helm – eine Silhouette, die längst zu einer Ikone japanischer Geschichte geworden ist. Ii Naomasa wiederum wird mit seinem markanten roten Kabuto und den weit ausladenden goldenen Aufsätzen dargestellt, Sinnbild für Mut und militärische Stärke. Jeder Helm erzählt seine eigene Geschichte und macht das Zifferblatt zu einer kleinen Galerie historischer Persönlichkeiten.
Im Zentrum erhebt sich die Burg Edo, der politische Mittelpunkt des neuen Japans. Roger Dubuis verzichtet bewusst auf eine historische Miniatur und interpretiert die Festung als abstrahierte Architektur. Mehrschichtige Ebenen, unterschiedlich finissierte Oberflächen und eine tiefblaue Beschichtung erzeugen Tiefe und Licht. Das kräftige Indigo verweist auf einen Farbstoff, der einst die Gewänder der Samurai färbte und später zu einem prägenden Element japanischer Textilkunst wurde. Architektur, Farbe und Symbolik verschmelzen so zu einer dreidimensionalen Komposition, die den Blick immer wieder neu über das Zifferblatt wandern lässt.
Dass Roger Dubuis diese Geschichte so detailreich erzählen kann, liegt auch an der Verbindung klassischer Uhrmacherei mit den Métiers d’Art. Gravur, Mikroskulptur und aufwendige Oberflächenbearbeitung gehören ebenso zur Gestaltung wie die technische Konstruktion der Uhr. Im Inneren arbeitet das Automatikkaliber RD821, das mit dem Poinçon de Genève ausgezeichnet wurde und insgesamt 14 unterschiedliche Finissierungstechniken vereint. Das 45 Millimeter große Gehäuse aus Roségold ist auf lediglich 28 Exemplare limitiert. Selbst die Rückseite greift das Thema wieder auf: Die Wappen der zwölf Samurai sind auf einem Roségoldring eingraviert und umrahmen den Blick auf das fein dekorierte Uhrwerk.
Bemerkenswert ist dabei, dass Roger Dubuis nicht nur gestalterisch, sondern auch historisch großen Wert auf Authentizität legt. Für die Entwicklung arbeitete die Manufaktur mit dem Japanhistoriker Frederik Cryns zusammen, der unter anderem als Berater der preisgekrönten Serie Shōgun tätig war. Sein Wissen floss in die Auswahl der Helme ebenso ein wie in deren historische Ausarbeitung und unterstreicht den Anspruch, kulturelles Erbe mit größtmöglicher Sorgfalt zu interpretieren.
Die Excalibur The Kabuto Legacy zeigt eindrucksvoll, dass Design historische Vorbilder nicht kopieren muss, um sie lebendig zu halten. Viel spannender wird es dort, wo Geschichte neu erzählt wird. Roger Dubuis übersetzt Symbole, Architektur und Handwerkskunst einer vergangenen Epoche in die Sprache zeitgenössischer Haute Horlogerie. So entsteht weit mehr als ein Zeitmesser – ein Objekt, das Kulturgeschichte, Gestaltung und außergewöhnliches Handwerk auf engstem Raum miteinander verbindet.
Die Sprache der Kabuto
Silhouette
Jeder Helm war so gestaltet, dass sein Träger bereits aus der Ferne erkannt werden konnte. Form und Proportion wurden zum persönlichen Erkennungszeichen.
Maedate – der Stirnschmuck
Die aufwendig gearbeiteten Ornamente auf der Vorderseite des Helms erzählten von Herkunft, Überzeugungen oder spirituellen Symbolen. Halbmond, Geweih oder Schwert waren weit mehr als Dekoration.
Kamon – das Familienwappen
Jeder Samurai führte sein eigenes Wappen. Es stand für Abstammung, Loyalität und Identität und begleitete den Träger auf Helm, Rüstung und Bannern.
Handwerkskunst
Kabuto entstanden in monatelanger Arbeit aus Eisen, Leder, Lack und vergoldeten Zierelementen. Jeder Helm war ein Unikat und verband Funktion mit außergewöhnlicher Gestaltung.
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