Bei VAUST entsteht Gestaltung aus Konzept und Klarheit: Erst kommt die Idee, dann das Material. Luxus zeigt sich für das Duo in konsequenten Entscheidungen und reduzierten Räumen – nicht in opulenten Gesten.
Wenn man Joern Scheipers und David Kosock auf ihr Studio anspricht, fällt zuerst ein Satz: „Es ist ultraclean bei uns.“ Nicht aufgeräumt im klassischen Sinn – eher präzise komponiert. Ein Raum, der mehr freilässt als er zeigt. Kein kreatives Durcheinander, keine Musterstapel, keine Moodboards. Das Studio ist Galerie, und die Galerie ist Statement.
Kuratoren der Stille
Ihre Räume wirken wie ein bewusst gesetzter Atemzug. Still, konzentriert, ohne dekorative Ablenkung. Eine Klarheit, die nicht distanziert, sondern fokussiert.
Parallel dazu verändert sich die Vorstellung von Luxus. Weg von glänzenden Oberflächen, hin zu Haltung, Reduktion und der Fähigkeit, Entscheidungen sichtbar zu machen. Collectible Design spielt dabei eine größere Rolle: funktionale Kunst, die Identität transportiert, nicht nur Funktion.
Mit ihrer neuen VAUST Gallery unterstreichen die beiden, dass Luxus kein Stil ist, sondern eine Art zu arbeiten – und zu denken.
Material als Konsequenz
Wenn VAUST ein Material wären, wäre es vermutlich Stein. Nicht der schwere, monumentale Stein, der sich selbst inszeniert, sondern Stein als Zustand: roh, gepresst, poliert, gesprengt, abstrahiert. „Natürlicher Stein – oder eine Abwandlung davon – findet bei uns oft einen Weg ins Konzept“, erzählen sie. Mal als italienischen Marmorschotter in ihrer eigenen Interpretation von Waschbeton, mal als Abformung aus Styrodur und Glasfaser, die massiver wirkt, als sie ist.
Wichtig ist dabei: Sie beginnen nie mit dem Material. „Bei uns startet alles mit einem Narrativ – einer kleinen Geschichte, die uns Orientierung gibt.“ Material folgt Idee, nicht umgekehrt. Genau das unterscheidet ihre Arbeit von funktionalen oder rein handwerklichen Ansätzen. Ihre Objekte entstehen nicht aus Bedarf, sondern aus dem Wunsch, eine Form oder Stimmung in etwas Körperliches zu übersetzen.
Artistic Interior Architecture – Jenseits des Klassischen
Fragt man sie, ob sie Innenarchitektur oder Produktdesign machen, reagieren sie mit einem kurzen Schmunzeln: „Wenn uns jemand als klassisches Interior Design Studio beschreibt, müssten wir etwas ändern.“
VAUST denken nicht in Kategorien. Ihre Praxis umfasst Raumgestaltung, Objektentwicklung, künstlerische Setzungen und kuratorische Arbeit in ihrer Galerie. Alles greift ineinander. Alles ist Teil derselben Sprache. David bringt Struktur, Proportion und Analyse in die Prozesse, Joern Intuition, Inszenierung und einen geschulten Blick für Atmosphäre. Zusammen entsteht ein Ansatz, der sich keiner Disziplin verpflichtet fühlt – und gerade deshalb eigenständig ist.
Wie dieser Ansatz im Projekt aussieht, zeigt ORII am Münchner Viktualienmarkt: eine Matcha-Boutique, die das Thema künstlerisch und materialbezogen interpretiert, mit natürlichen und artifiziellen Elementen arbeitet und Bezüge zur Herkunft des Produkts herstellt – ohne in gängige Klischees zu verfallen.
Luxury by Attitude – Haltung statt Karat
Über Luxus sprechen sie selten, aber wenn, dann klar: „Man braucht ein gut gefülltes Portemonnaie – nicht wegen des Materials, sondern wegen der Konsequenz.“
Für VAUST entsteht Luxus nicht aus Opulenz, sondern aus Entscheidungen. Der Entscheidung, Leere auszuhalten. Einen Raum nicht zuzustellen. Eine Wand unverputzt zu lassen. Einen Grundriss zu brechen, wenn es notwendig ist. Produkte zu reduzieren, statt zu häufen. Luxus zeigt sich für das Duo in der Klarheit, nicht im Preis. In der Wirkung, nicht im Wert. Im Wesentlichen, nicht im Mehr.
Berlin und die Unabhängigkeit vom Ort
Berlin prägt VAUST, ohne sie festzulegen. Die Stadt liefert die richtigen Kontraste: Rohheit, Geschichte, Subkultur und Brüche. Doch ihre Ästhetik wäre auch in Oslo, Mailand oder Tokio denkbar. „Nichts ist unbedingt an einen Ort gebunden, außer dieser Ort ist physisch wie ein Schloss. Unser Konzept könnte überall funktionieren.“
Berlin ist damit eher Resonanzraum – kein Korsett. Inspiration – keine Bedingung. Ein Umfeld, das nicht glättet, sondern Freiheiten lässt.
Collectibles und die VAUST Gallery – Design als Kulturgut
Mit ihrer Galerie in Berlin-Schöneberg haben sie einen Ort geschaffen, der Collectible Design nicht als Dekoration versteht, sondern als kulturelle Auseinandersetzung. Collectibles sind für VAUST keine Möbel, sondern Haltung. Ein Dialog zwischen Studio, Werk und Betrachter:in. „Der Markt ist in Deutschland noch klein, aber wachsend. Marken orientieren sich zunehmend an Impulsen aus dem Collectible-Bereich – ähnlich wie in der Mode.“
Die Galerie ist Labor, Bühne und diskreter Treffpunkt. Sie zeigt eigene Arbeiten und Positionen befreundeter Künstler:innen – immer mit der Frage: Was passiert, wenn man Sehgewohnheiten verschiebt?
Räume als Bildung
Je länger das Gespräch dauert, desto klarer wird: VAUST gestalten nicht nur Räume – sie verändern Blickwinkel. „Wir öffnen Türen – und Jahre später begegnen wir Kund:innen, die eine ganz neue ästhetische Welt für sich entdeckt haben.“
Es geht ihnen um Bewusstsein. Um Aufmerksamkeit. Um die Fähigkeit, Stille nicht mit Leere zu verwechseln. Gestaltung ist für sie kein Dekor, sondern ein Lernprozess – für beide Seiten.
Und genau an diesem Punkt wird es persönlich – Zeit für einige ausgewählte Fragen.
Ein Raum ist …
… zentraler Or des Geschehens in unseren Leben. Start und Ende. Das von uns gewählte Medium um Emotionen zu evozieren und Gefühl auszudrücken. Der Raum ist wie unser Canvas den wir bespielen dürfen.
Ein Material ist …
… um in der Allegorie des Canvas zu bleiben: die Farbe. Unser persönlicher Duktus.
Luxus bedeutet …
… über normativ gesellschaftliche Gewohnheiten hinaus zu gehen. Sich erlauben zu können Dinge anders zu Denken und zu leben.
Ein Objekt ist fertig, wenn …
… es etwas in uns bewegt.
Intuition ist …
… das herrliche Gefühl auf sich selbst hören zu dürfen und eins zu sein mit dem inneren Kritiker.
Berlin ist …
… Zuhause.
Collectible Design ist …
… die Fusion aus Kunst und Design, ohne den Anspruch eine Problemlösung zu offerieren, stattdessen mit der Möglichkeit einzigartig zu sein.
VAUST in einem Duft …
… Frederic Malle — French Lover.
About the Hosts
VAUST wurde 2018 von Joern Scheipers (Architektur) und David Kosock (Mode/Branding) gegründet. Das fünfköpfige Team arbeitet an der Schnittstelle von Raum, Objekt, Inszenierung und Kunst. Dabei fungiert VAUST in Berlin-Schöneberg gleichermaßen als Galerie, Arbeitsraum und Materiallabor – ein Hybrid, das die fließenden Grenzen zwischen Interior, Collectible Design und künstlerischer Haltung zeigt.
Signature-Material: Waschbeton, Naturstein, Aluminium, Marmor, Messing, dunkle Hölzer.
Signature-Ansatz: Artistic Interior Architecture – Räume als Erzählungen, Materialien als Protagonisten.
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