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In Mexico City übersetzt MYTGLVDK die Ära des Farbfernsehens in ein räumliches Erlebnis aus Tacos, Musik, Bildkultur und sozialer Interaktion.

In Mexico City zeigt Salón Camarena, wie Hospitality aussehen kann, wenn Gastronomie, Musik und Bildkultur aus demselben gestalterischen Gedanken entstehen. Das von MYTGLVDK entworfene Projekt verbindet Taquería, Video Bar, Karaoke und Piano Bar zu einer räumlichen Sequenz, die sich auf 650 Quadratmetern entfaltet. Jeder Bereich besitzt eine eigene Dramaturgie, bleibt aber Teil eines größeren Kosmos aus Farbe, Sound, Licht und Erinnerung.

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JPARK ©

Der Name verweist auf Guillermo González Camarena, den mexikanischen Erfinder des Farbfernsehens. MYTGLVDK, geführt von Regina Galvanduque und Andrés Mier y Terán, greift diese Referenz nicht als nostalgisches Zitat auf, sondern als Ausgangspunkt für eine zeitgenössische Designidee. Farbflächen, Bildrauschen, Chrom, Pixelmuster und typografische Signale übersetzen die Ära des analogen Fernsehens in Architektur und Interior Design.

Den Auftakt bildet Tacos Camarena. Die 164 Quadratmeter große Taquería funktioniert als erstes Kapitel des größeren Espacio Camarena, kann aber auch für sich allein bestehen. Knallige Rottöne, glänzende Oberflächen, metallische Details und klare Typografie schaffen einen Ort, der direkt wirkt und dennoch präzise komponiert ist. Der Taco wird hier nicht überinszeniert. Er bleibt schnell, zugänglich, urban – nur mit einem deutlich geschärften visuellen Rahmen.

Küche und Tresen sind als offene Bühne organisiert. Man sieht den Rhythmus der Zubereitung, vom Trompo bis zum Teller. Ein großes Menüboard, kompakte Tische, umlaufende Booths und eine klare Wegeführung geben dem Raum Struktur, ohne ihn zu zähmen. Der glänzend rote Boden reflektiert Bewegung und Licht; Chromrohre, schwarz-weiße Fliesen, Edelstahl und warme Holzkanten setzen die 1970er- und 80er-Jahre in eine robuste, alltagstaugliche Form.

Auch das Branding bleibt eng mit dem Raum verbunden. Teller, Verpackungen, Coaster, Slogans und grafische Elemente greifen das Pixelmotiv auf und verlängern die Identität bis auf den Tisch. Der Satz The best tacos, period“ passt zu diesem Ansatz: direkt, selbstbewusst, ohne Umweg. In einer Stadt, in der die Taquería ein kultureller Fixpunkt ist, setzt Tacos Camarena auf Wiedererkennbarkeit statt auf dekorative Folklore.

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Hinter der Taquería öffnet sich Salón Camarena als nächtlicheres Terrain. Die Video Bar bildet den zentralen Raum. Eine große Videowand macht bewegte Bilder zur eigentlichen Architektur, während Lederbooths, warmes Licht und Vintage-Möbel an die Energie klassischer Video Bars erinnern. Der Raum arbeitet mit Reflexionen, Sättigung und Nähe. Je nach Nutzung kann er dichter, offener, lauter oder intimer wirken.

Das Karaoke-Zimmer schlägt eine andere Tonlage an. Lilafarbener Epoxyboden, Holz und visuelle Störungen, die an analoges TV-Rauschen erinnern, schaffen einen Raum für Stimme, Gruppe und kontrollierte Enthemmung. Es geht weniger um perfekte Performance als um gemeinsame Aneignung. Das passt zum Anspruch des Projekts, Entertainment nicht auf Nachtleben zu reduzieren, sondern als offene soziale Situation zu denken.

Die Piano Bar wirkt wie der langsamere Gegenpol. Samt, Cord, Hahnentritt, tropische Hölzer und bernsteinfarbene Oberflächen erinnern an historische Fernsehstudios, in denen Live-Musik, Licht und Szenografie eine intime Bühnenatmosphäre erzeugten. Niedrige Beleuchtung, kleine Tische und warme Materialien geben dem Bereich eine ruhigere, erwachsenere Spannung.

Salón Camarena liest die Rückkehr des Analogen als kulturelles Signal. In einer Gegenwart, die von digitalen Bildern und fragmentierter Aufmerksamkeit geprägt ist, setzt das Projekt auf physische Nähe, gemeinsame Rituale und visuelle Erinnerung. Die Referenzen an Fernsehen, Video Bar und Diner-Ästhetik bleiben dabei nicht im Retro-Modus stecken. Sie werden in ein zeitgenössisches System übersetzt, das populäre Kultur ernst nimmt und räumlich präzise formuliert.

So entsteht ein Ort, der Mexico Citys Energie aufnimmt, ohne sie zu glätten. Tacos, Songs, flackernde Bilder, rotes Licht und metallische Oberflächen werden Teil einer gemeinsamen Choreografie. MYTGLVDK entwirft dafür kein dekoratives Themenlokal, sondern eine gebaute Erzählung über Unterhaltung, Erinnerung und Begegnung.


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