Kunst, die lebt und sich wandelt – zwischen Pigment und Prozess, zwischen Chemie und Poesie: Der österreichische Künstler Simon Quendler verwandelt Materie in Metapher – und Leinwände in lebendige Organismen.
Wenn sich Simon Quendlers Bilder verändern, ist das kein Zufall – sondern Teil des Konzepts. Der Kärntner Künstler, der seit über zwanzig Jahren in Wien arbeitet, mischt Farben nicht, er provoziert Reaktionen. Seine Werke entstehen aus Fetten, Legierungen, Emulsionen und seltenen Erden; aus Kupfer, Kaliumsorbat, Vulkanasche und Pigmenten, die sich im Zusammenspiel von Licht und Zeit neu erfinden.
In seinem Atelier riecht es nach Metall, nach Rauch, nach der Möglichkeit, dass etwas aus dem Gleichgewicht gerät. Wo andere fixieren, lässt Quendler los. „Jedes Material hat seine eigenen Gesetze und Geheimnisse, welche ich versuche zu entschlüsseln. Nur so kann ich dem Werk ein Eigenleben einhauchen.“
Zwischen Kontrolle und Kontrollverlust
Quendlers Zugang ist alchemistisch und analytisch zugleich. Er experimentiert mit Licht wie andere mit Linien. Seine Gemälde entstehen auf Kupferplatten, deren Reflexion das Licht zurück in den Raum trägt. Der Betrachter wird – ob bewusst oder nicht – Teil des Werkes.
„Ich versuche zu verstehen, wie Lichteffekte in gelben Diamanten funktionieren – und baue diese Effekte in meine Kunst ein.“ – Simon Quendler
Dabei geht es weniger um das Sichtbare als um das, was geschieht, wenn man hinsieht: Reaktionen, Reflexionen, Resonanzen. „Perfektion“, sagt Quendler, „ist für mich der Versuch, etwas bis an seine Grenze zu führen und sich voll hinzugeben – den Abgleich zwischen Körper und Geist zu schaffen.“
Transformation als Zustand
Quendlers Kunst steht in einem Spannungsfeld zwischen Wissenschaft und Staunen. Seine Bilder oxidieren, verändern sich, leben weiter. Sie sind keine Objekte, sondern Ereignisse. „Meine Werke schaffen sich durch biologische Prozesse zum Teil selbst“, sagt er.
Im Kern aber geht es um eine tiefere Form von Erkenntnis – über Materie, Mensch und das, was dazwischen schwingt. „In jedem von uns zirkuliert das Licht vergangener Sterne. Eisen, Kupfer in unseren Nerven, Zink in unserer Haut. Wir sind ein Ausdruck fortwährender Transformation.“ So verbindet er Mikrokosmos und Makrokosmos, Material und Metapher – und findet in den kleinsten Strukturen den größten Sinn. „Manchmal glaube ich, im tiefen Blau und Kupfergold steckt das ganze Wissen, das mir verborgen bleibt. Ich muss es nicht verstehen – aber ich spüre es.“
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