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Luxus verändert sich. Weg von Größe, Geste und Geltung – hin zu Atmosphäre, Materialität und einem Gefühl von Ruhe. Kaum ein Architekt verkörpert diesen Wandel so konsequent wie Kengo Kuma. Seine Gebäude sind keine Objekte, sondern Übergänge: zwischen Innen und Außen, Mensch und Natur, Raum und Zeit.

Mit Wedyan in Dubai überträgt Kuma seine Vorstellung von Architektur erstmals auf ein exklusives Wohnprojekt im Nahen Osten. Dabei stellt er eine grundlegende Frage: Wie können Räume unser Leben nicht nur organisieren, sondern verbessern?

Kengo Kuma im Interview

Kengo Kuma zählt zu den einflussreichsten Architekten der Gegenwart. Der 1954 in Yokohama geborene Baukünstler steht für eine Auffassung von Architektur, die sich nicht als Objekt, sondern als Teil ihrer Umgebung versteht.

Mit seinem Konzept der Anti-Objekt“-Architektur setzt er auf Leichtigkeit, Transparenz und natürliche Materialien wie Holz, Stein oder Bambus – und stellt damit einen bewussten Gegenentwurf zur dominanten Beton- und Stahlarchitektur dar.

Zu seinen bekanntesten Projekten zählen das Japan National Stadium in Tokio, das V&A Dundee in Schottland und das Odunpazarı Modern Museum in der Türkei. Mit über 300 realisierten Projekten weltweit prägt Kuma eine Architektur, die nicht inszeniert, sondern verbindet – zwischen Mensch, Raum und Natur.

Im Interview mit Signature spricht er über Architektur als Resonanzraum, die Übersetzung japanischer Raumphilosophie und eine neue Definition von Luxus, die weniger zur Schau stellt, dafür aber mehr Erlebnisraum schafft.

Kengo Kuma c Designhouse 300
Designhouse ©

Heutzutage sprechen viele Menschen davon, dass Architektur unser Wohlbefinden beeinflussen kann. In Ihrer Arbeit entsteht oft der Eindruck, dass Räume eine therapeutische Wirkung haben können. Welche räumlichen Eigenschaften sind für Sie entscheidend, damit die Architektur, die Sie entwerfen, bei den Menschen, die darin leben, eine echte emotionale Resonanz hervorruft?

Die räumlichen Eigenschaften, die ich für am wichtigsten halte, sind Durchlässigkeit, Haptik und das Zusammenspiel von Licht und Schatten. Wenn ein Raum einen kontinuierlichen Fluss zwischen Innen und Außen ermöglicht, wenn Materialien Wärme und Textur vermitteln und wenn das Licht im Laufe des Tages auf natürliche Weise über die Oberflächen wandert, verspüren Menschen ganz von selbst ein Gefühl der Ruhe. Das sind die Eigenschaften, die es der Architektur ermöglichen, emotional zu berühren.

Bei Wedyan beginnt dies bereits bei der Ankunft durch The Oasis“, wo Grünflächen und Wasser einen sanften Übergang von der Stadt in eine private Welt schaffen. Die tief eingezogenen Balkone fungieren als Übergangsschichten, die die Grenze zwischen dem Innenraum und dem umgebenden Kanal sowie der Nachbarschaft aufweichen. So leben die Bewohner neben der Landschaft und nicht hinter Glas. Die Fassade erzeugt gefiltertes Licht und ein subtiles Spiel der Schatten, das sich im Laufe des Tages verändert. Dadurch spüren die Bewohner den Lauf der Zeit hautnah.

Gerade in privaten Räumen ist es entscheidend, dass Menschen Ruhe und Frieden finden. Wir vermeiden scharfe, lineare Formen und konzentrieren uns stattdessen auf Weichheit und akribische Detailgenauigkeit. Architektur ist keine statische Skulptur, sondern ein Raum, der sich in einer Abfolge entfaltet. Durch diese Abfolge bietet Wedyan in jedem Raum unterschiedliche Empfindungen. Die Gesamtheit dieser Erfahrungen ist es, was ich als den Schatz der Architektur betrachte.

Konzepte wie Leere, Übergang und das subtile Spiel von Licht und Schatten sind tief in der japanischen Raumkultur verwurzelt. Doch wie lassen sie sich in internationale Kontexte übertragen, ohne zu bloßen stilistischen Referenzen zu verkommen?

Diese Ideen entspringen einer tieferen Raumphilosophie und können durch gemeinsame menschliche Erfahrungen in vielen Kulturen Anklang finden. Übergang, Durchlässigkeit und die Bewegung von Licht und Schatten sind Eigenschaften, die die Atmosphäre auf universelle Weise prägen.

Im internationalen Kontext liegt der Fokus darauf, diese Prinzipien im Lichte der lokalen Landschaft, des Klimas und des kulturellen Charakters jedes Ortes neu zu interpretieren. Statt visuelle Formen aus der japanischen Architektur zu übernehmen, besteht die Absicht, die zugrunde liegende Philosophie zu übersetzen, insbesondere die Beziehung zwischen Innen und Außen, die Schichtung des Raums und die Nutzung von Licht zur Gestaltung der Atmosphäre.

Bei Wedyan sind die tiefen, skulpturalen Balkone beispielsweise vom traditionellen Engawa inspiriert. Sie schaffen eine Übergangszone zwischen Innen und Außen. Die Fassaden und Terrassen folgen dem Prinzip von SaraSara. Licht, Luft und Schatten strömen dadurch durch das Gebäude und schaffen eine ruhige, sich ständig verändernde Atmosphäre. Gleichzeitig würdigt das Projekt die lokale Landschaft, indem es die Weichheit und die organische Bewegung der Dünen widerspiegelt. Es ist eine respektvolle Verschmelzung zweier Kulturen, die beide Wert auf Harmonie mit der Natur, sinnliche Tiefe und die emotionale Qualität des Raums legen.

In vielen zeitgenössischen Wohnprojekten drückt sich Luxus nicht mehr durch Opulenz, sondern durch Atmosphäre, Ruhe und die Authentizität der Materialien aus. Meinen Sie, dass wir derzeit einen Wandel in der Definition von architektonischem Luxus erleben?

Architektur sollte mehr leisten als nur visuell zu beeindrucken. Die Menschen erwarten, dass Räume ihr Wohlbefinden fördern, ihr Gleichgewicht wiederherstellen und sinnvolle Verbindungen zu ihrem Alltag schaffen. Wahrer Luxus liegt heute in der Authentizität, der Qualität und der Atmosphäre eines Raumes sowie dem Gefühl der Ruhe, das er vermittelt.

Wedyan spiegelt diesen Wandel durch einen Ansatz wider, den ich als sanften biophilen Zugang bezeichnen würde. Das Projekt legt den Fokus auf Atmosphäre, haptische Materialität und die Beziehung zwischen Innen- und Außenleben. Eine Palette ruhiger und warmer Materialien unterstreicht die Natürlichkeit und trägt zum Ortsgefühl bei. So sind die freistehenden Pavillons auf den Terrassen beispielsweise von japanischen Teehäusern inspiriert. Sie sind als leichte, durchlässige Strukturen konzipiert, in denen Luft, Schatten und natürliche Texturen anstelle von Ornamenten Atmosphäre schaffen. Sie geben den Bewohnern Raum, ihre eigenen Rituale zu gestalten, sei es ein ruhiges Gespräch, Kontemplation oder einfach ein Moment der Stille im eigenen Zuhause.

Unser Ziel war es, Luxus durch Wärme, Haptik und Verbundenheit auszudrücken, also das Gefühl, in einem organischen Rhythmus zu leben, der von der Wüste inspiriert ist. In diesem Sinne wird Design zu einer Quelle der Ruhe und Erholung.

Ihre Architektur wird oft mit Leichtigkeit, natürlichen Materialien und einem Gefühl der Zurückhaltung in Verbindung gebracht – Werte, die der konventionellen Sprache der Luxusimmobilienbranche nahezu entgegengesetzt zu sein scheinen. Wie bewahren Sie diese Philosophie bei Ihrer Arbeit im Bereich der Super-Premium-Wohnimmobilien?

Weichheit ist keine Zerbrechlichkeit. Sie ist ein Ausdruck von Stärke. Zurückhaltung ist meiner Ansicht nach ein Ausdruck von Raffinesse.

Wir wollen uns von der für die industrialisierte Gesellschaft typischen, starren, vertikalen Architektur entfernen und streben danach, eine menschlichere und organischere Architektur zu verwirklichen. Bei Wedyan ließ ich mich von der lokalen Landschaft inspirieren, von den weichen, fließenden Formen der vom Wind geformten Dünen. Wir wollten, dass das Gebäude die Essenz von Bewegung und Leichtigkeit einfängt und gleichzeitig das natürliche Erbe der Region zum Ausdruck bringt. Die organische Form, geprägt von Schichten und Textur, schafft einen Dialog zwischen Architektur und Natur. Durch die taktile Weichheit der Fassade wollten wir Wärme und Menschlichkeit in ein Super-Premium-Wohnumfeld bringen.

Diese Philosophie zeigt sich in den skulpturalen Balkonvorsprüngen, der gefilterten Lichtqualität an den Fassaden sowie den von japanischen Teehäusern inspirierten Pavillons. Letztere bieten Räume für Stille, Kontemplation oder privaten Rückzug. Diese Elemente schaffen eine Atmosphäre, die sich intim und menschlich anfühlt. In von starker Vertikalität geprägten Städten bringt Wedyan ein Gefühl der Ruhe und der menschlichen Maßstäbe mit sich – einen Ort der Zuflucht inmitten einer schnelllebigen Stadt.

Luxuswohnanlagen streben heute oft danach, durch Design, Annehmlichkeiten und ein starkes Identifikationsgefühl ein umfassenderes Wohnerlebnis zu schaffen. Doch welche Rolle kann Architektur dabei spielen, dass diese Orte zu bedeutungsvollen Lebensräumen werden und nicht nur luxuriöse Wohnungen bleiben?

Architektur spielt eine wesentliche Rolle bei der Gestaltung des Rhythmus des täglichen Lebens. In Luxuswohnanlagen erstreckt sich ihr Wert über die Wohnung selbst hinaus: Sie beeinflusst, wie Menschen im Laufe der Zeit ankommen, sich versammeln, sich zurückziehen und sich durch Gemeinschaftsräume bewegen.

Ein bedeutungsvolles Wohnumfeld entsteht durch eine sorgfältig durchdachte Abfolge von Räumen, die sowohl Gemeinschaft als auch Privatsphäre fördern. Soziale Bereiche, Relaxzonen, Wegeführungen und ruhigere Rückzugsorte tragen alle zu einem umfassenderen Wohnerlebnis bei. Dies verleiht dem Alltag ein stärkeres Gefühl von Rhythmus, Leichtigkeit und Kontinuität.

Diese Elemente zeigen sich in der Art und Weise, wie sich das Wohnerlebnis über landschaftlich gestaltete Annehmlichkeiten, Wellnessbereiche und Orte, die zum Innehalten und Nachdenken einladen, entfaltet. Durch diese Art der räumlichen Gestaltung trägt die Architektur dazu bei, dass Markenwohnungen zu Orten der Gewohnheit, der Erinnerung und der Zugehörigkeit werden statt bloß luxuriöse Wohnungen zu sein.

Städte wie Dubai sind extrem dicht und hochtechnisiert. Welche Strategien kann die Architektur in solchen Kontexten anwenden, um wieder eine echte Beziehung zwischen Menschen, Gebäuden und Natur herzustellen?

Das Ziel war es, ein Gebäude zu entwerfen, das mit Klima, Licht, Wasser und Landschaft interagiert, um ein vertikales Ökosystem zu bilden – eine Struktur, die sich wie verwurzelt in der Erde anfühlt, während sie empor in die Stadt ragt.

In Städten wie Dubai besteht die Herausforderung darin, ein Gebäude zu entwerfen, das auf das anspruchsvolle Wüstenklima reagiert und gleichzeitig eine starke Verbindung zu seiner Umgebung und den Menschen eingeht.

Unser Ansatz bei Wedyan bestand deshalb darin, die natürliche Wüstenlandschaft genau zu untersuchen. Die fließenden Dünen, die vom Wind geformte Bewegung des Sandes und die Art und Weise, wie Licht und Schatten über das Gelände wandern, dienten nicht nur als Vorlagen für die Form des Gebäudes, sondern auch für seine Beziehung zur Natur auf jeder Ebene. Die geschichtete und skulpturale Fassade mit ihren tiefen Balkonvorsprüngen und organischen Konturen filtert das Sonnenlicht, minimiert den Wärmegewinn und rahmt den Blick auf den Dubai-Kanal ein. Gleichzeitig verbindet sie die Innenräume mit der umgebenden Landschaft.

Unser Anspruch bestand darin, ein Gebäude zu entwerfen, das mit Klima, Licht, Wasser und Landschaft interagiert, um ein vertikales Ökosystem zu bilden – eine Struktur, die sich in der Erde verwurzelt anfühlt, während sie sich durch die Stadt emporhebt. Auf diese Weise tritt das Gebäude in einen Dialog mit Dubais Umgebung und natürlicher Schönheit.

Werfen wir einen Blick zehn oder zwanzig Jahre in die Zukunft: Wie wird sich Ihrer Meinung nach das Verhältnis zwischen Architektur, Wohnen und Lebensqualität entwickeln?

Ich glaube, dass eine in Natur und Nachhaltigkeit verwurzelte Architektur eine neue Definition unseres Lebens prägen wird – eine Definition, die Stille, materielle Ehrlichkeit und eine tiefe Verbindung zum Ort schätzt. Da Städte immer dichter werden, werden die Menschen nach Räumen suchen, die Ruhe stiften und sie wieder mit natürlichen Rhythmen verbinden.

Gebäude, die langfristig relevant bleiben, werden diejenigen sein, die kurzlebige Trends vermeiden und sich stattdessen auf natürliche Formen, langlebige Materialien und eine Designsprache konzentrieren, die in der Landschaft ihrer Umgebung verwurzelt ist. Zeitlosigkeit entsteht durch Authentizität und die Auseinandersetzung mit dem Ort. Architektur, die auf Textur, Klima und Licht basiert, besitzt Eigenschaften, die über die Zeit hinweg ihre Bedeutung behalten und auch bei sich wandelnden Rahmenbedingungen relevant bleiben.

Wedyan wurde unter diesem Gesichtspunkt entwickelt. Die räumliche Gestaltung, die Reaktion auf die Umgebung und das Konzept des mehrschichtigen Wohnens wurden so entworfen, dass sie einen bleibenden Wert schaffen, der über einen einzelnen Designmoment hinausgeht. Dadurch ist das Gebäude in der Lage, sich mit der Stadt weiterzuentwickeln und gleichzeitig eine klare und beständige Identität zu bewahren. Ich hoffe, dass es einen authentischen Ausdruck des Lebens im Einklang mit der Natur darstellt.


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