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Pritzker-Preisträger Francis Kéré baut intensiv an seiner ­Vision einer besseren Welt. Das Ergebnis: ­preisgekrönte, ­natürliche Architektur mit Designfaktor.

Jeder verdient Qualität. Jeder verdient Luxus – und jeder verdient Komfort. Wir sind miteinander verbunden. Und die Sorgen um Klimawandel, Demokratie und Knappheit gehen uns alle an“, bringt Francis Kéré seine Sicht auf Architektur, Design und die Welt auf den Punkt. Der Baukünstler aus Burkina Faso verwandelt mit seiner ­Architektur Schlagworte wie Nachhaltigkeit und soziale Gerechtigkeit in ­reale Bauwerke. Seine nutzerfreundlichen Schulen, Krankenstationen und Wohnungen sind nicht nur Kunstwerke für sich, sondern vor allem erlebbare Räume, bei ­denen stets soziales Engage­ment und die gekonnte Verwendung regionaler Materialien im Vordergrund stehen. Ein starkes Zeichen dafür, wie man mit Architektur die Gesellschaft verän­dern kann. Dieser Zugang wurde dieses Jahr mit dem Pritzker-Preis gewürdigt. Francis Kéré leistet Pionierarbeit im Bereich der Architektur. Nachhaltig für die Erde und ihre Bewohner – in Ländern mit extre­mer Knappheit. Er ist gleichermaßen ­Architekt und Diener, indem er Leben und Erfahrungen unzähliger Bürger verbessert. In einer Weltregion, die manchmal vergessen wird“, kommentierte Tom Pritzker die Entscheidung.

Francis Kéré verwandelt mit seiner ­Architektur Schlagworte wie Nachhaltigkeit und soziale Gerechtigkeit in reale Bauwerke.”

Tradition & Praxis

Die höchste Auszeichnung der internationalen Architekturszene brachte den 57-Jährigen – als ersten in Afrika geborenen und dort tätigen Architekten – ins Rampenlicht. Seine Bauwerke glänzen bereits seit Jahren – häufig unter afrikanischer Sonne. Vor allem in Regionen, in denen es an Ressourcen fehlt und wo Gemeinschaft oft lebenswichtig ist. So ist Francis Kéré vielen auch als Architekt des Operndorfs in ­Burkina Faso ein Begriff. Dieses ­engagierte Projekt des verstorbenen Künstlers, Theater- und Filmemachers Christoph Schlingensief zeigt, wie inter­kulturelles Verständnis abseits von klassischen ­Hilfsinitiativen funktionieren kann. Als globales Kunstprojekt mit Mehrwert. Kéré schuf dafür einen Raum, der Bildung, Gesundheit und Kultur vereint. Stets mit folgenden Fragen vor ­Augen: Was erwarten und brauchen die Menschen vor Ort? Welche Baustoffe sind vorhanden? So bildet er mit seinen Mitarbeitern Menschen an Ort und Stelle aus, damit sie selbstständig als Maurer, ­Tischler oder Schlosser den Bau realisieren können. Der Pritzker-Preisträger setzt dabei auf die Verwendung von traditionellen Baustoffen wie etwa Lehm, Sand und Stein. 

Allerdings verbunden mit neuen ökologischen, nachhaltigen und ganz praktischen Konzepten. Wegweisend etwa seine neu entwickelte Technik, Lehm so anzumischen, dass er Regen standhält. Revolutionär, wenn man bedenkt, dass klassische Lehmhütten regelmäßig vom Regen zerstört werden. Außerdem benötigt diese neue Lehmmischung nur einen Bruchteil an Strom und Wasser zur Herstellung – die Lehmziegel können somit einfach mit wenig Ressourcen an Ort und Stelle produziert werden. Und auch die Architektur ist an die klimatischen Gegebenheiten angepasst. Die Gebäude wurden so entworfen, dass Fenster und Innenhöfe mit dem Effekt von Zu- und Abluft zu einem natürlichen Kühlsystem werden. Ansätze, die in all seinen Projekten zum Einsatz kommen. Im Operndorf präsentiert sich das Ergebnis als ein ständig wachsendes Schneckenhaus rund um einen zentralen Festplatz, auf dem einmal das Festspielhaus stehen soll. Bis dato sind bereits Wohneinheiten, die Grundschule und eine Krankenstation in Betrieb. Wobei auch hier Kérés Fingerspitzengefühl für soziale Gegebenheiten spürbar wird. Wie in Burkina Faso üblich bezieht im Krankheitsfall die gesamte Familie Quartier und versorgt und bekocht das erkrankte Familienmitglied. Auch das hat der Architekt bedacht und dafür begrünte Innenhöfe entworfen. Ganz praktisch geplant wie all seine Projekte rund um die Welt.

Kéré betreibt immer noch ein Büro in Burkina Faso und gilt als Vorreiter sozialer Architektur.

Chancen & Räume

Mittlerweile lebt und arbeitet der vielfach ausgezeichnete Architekt in Berlin, er hat jedoch das Verständnis für die Ansprüche auf seinem Heimatkontinent nicht verloren. Im Gegenteil, sein Ziel ist es, sein innovatives Wissen mit kulturellen Erfahrungen zu verbinden. Als eines seiner Herzensprojekte gilt dabei immer noch die 2001 in Gando, Burkina Faso, errichtete Grundschule. Damit realisierte er in seinem Heimatdorf die Vision von einem zeitgemäßen Lernort – Hitze und schlechten Lichtverhältnissen trotzend. Seine Idee: einen Ort der Chancen für Kinder zu schaffen. Etwas, das er als Kind in seinem Dorf nicht fand. Der junge Francis musste noch zu Verwandten in die Stadt ziehen, um als Erster im Dorf lesen und schreiben zu lernen. Damit habe seine Kindheit geendet, erzählte er viele Jahre später. Für seine Gastfamilie musste er hart arbeiten, auch Baumaterialien kilometerweit herankarren, Lehmputz ausbessern. Wie könnte man die Hütten modernisieren, damit Kinder nicht mehr so schwer arbeiten müssen? Diese Frage begleitete ihn seitdem. Eine erste Antwort auf diese Frage gab ihm ein Stipendium für eine Tischlerlehre in Deutschland, Studium an der TU Berlin und Professuren in der Schweiz und an der Harvard Graduate School of Design sollten folgen. Seine Erfolgsgeschichte voll innovativer Bauten lässt mittlerweile kaum mehr Fragen offen. All das ließ ihn seine persönliche Geschichte jedoch nicht vergessen. 

Ganz im Gegenteil! Kéré betreibt immer noch ein Büro in Burkina Faso und gilt als Vorreiter sozialer Architektur. Die Schülerzahl in seiner Schule in Gando ist mittlerweile von 120 auf 700 gestiegen. Außerdem verwandelte er mit dem Bau von Lehrerwohnungen, einem Erweiterungsbau und einer Biblio­thek sein Heimatdorf in einen Lernort, der Chancen für Generationen schafft. Kéré weiß aus seinem Innersten, dass es in der Architektur nicht um das Objekt, sondern um das Ziel geht. Nicht um das Produkt, sondern um den Prozess. Das Gesamtwerk von Francis Kéré zeigt uns die Kraft im Ort verwurzelter Materialität. Seine Gebäude für und mit Gemeinschaften kommen direkt von diesen selbst – in Fertigung, Material, Programmen und ihrem einzigartigen Charakter“, heißt es in der Begründung der Pritzker-Preis-Jury. Wobei neben all den sozialen und nachhaltigen Aspekten seines Werks die Designkomponente nicht unerwähnt bleiben darf! Ein Werk, gespickt mit Symbolen und westafrikanischen Traditionen, neu gedacht. Nur allzu gern lässt er sich von Erlebnissen aus seiner Kindheit inspirieren. Versammlungen unter Bäumen, Blau als Zeichen für Stärke …all das findet man in seinen Entwürfen, zeitgemäß interpretiert.

Design & Träume

Die Bauwerke von Francis Kéré bestechen nicht nur mit ihrer klimafreundlichen Bauweise, sondern natürlich auch mit ihrem Design, das zum Erleben einlädt! Kurz gesagt: Man fühlt sich wohl, wenn man in die Visionen aus Lehm, Holz und Stein eintaucht. Ganz nach seinem Motto: Nur weil du reich bist, solltest du kein Material verschwenden. Nur weil du arm bist, solltest du trotzdem versuchen, Qualität zu schaffen.“ Seine Bauten fügen sich in die Landschaft ein und sind dennoch eigenständige Highlights. Etwa der Startup Lions Campus in ­Turkana, Kenia, bei dem gestapelte Türme zur passiven Kühlung des technischen Equipments dienen und gleichzeitig ein optisches Zeichen setzen. 

Nur weil du reich bist, solltest du kein Material verschwenden. Nur weil du arm bist, solltest du trotzdem versuchen, Qualität zu schaffen.“

Ebenso wie die farbenfrohe ­Installation Sarbalé Ke, was in Kérés Muttersprache so viel wie Haus des Festes“ bedeutet. Die bunten Türme ließ der Stararchitekt 2019 am Coachella Valley Music & Arts Festival wie heilige Bäume in den kalifornischen Himmel wachsen und schuf damit ­einen Ort der Zusammenkunft. Ganz nebenbei zeigte er damit auch, wie Tradition und Innovation gemeinsam Großes schaffen. Seine Bauwerke setzen von Burkina Faso, Kenia über den Sudan bis Dänemark, Italien, Schweiz, Deutschland und in den USA ein Zeichen dafür, wie man die Welt nachhaltig, sozial gerecht und formschön gestalten kann. Und laden zum Träumen und Mutigsein ein. Zwei wesentliche Aspekte in seinem Schaffen. Meine wichtigste Leistung in meinem Leben ist, dass ich überhaupt den Mut gehabt habe, zu sagen: Lasst uns eine Schule aus Lehm bauen!“, erklärt Kéré heute immer noch gern. Ein Mut, der die Welt definitiv schöner und besser gemacht hat!

Francis Kéré

Francis Kéré wurde 1965 in Gando, Burkina Faso, geboren, studierte an der TU Berlin und gilt heute als einer der einflussreichsten und innovativsten ‑Architekten unserer Zeit. Die Einbindung der lokalen Bevölkerung in jedes seiner Projekte, die nach-haltige Nutzung von Ressourcen und der ‑soziale Aspekt von Architektur sind seine Markenzeichen. Sein Werk wurde dieses Jahr mit dem Pritzker-Preis ausgezeichnet. Francis Kéré betreibt ein Büro in Burkina Faso ebenso wie in Berlin. Einblicke in seine Projekte finden sich unter 
kerearchitecture​.com.

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17. Mai 2023 Galerie Zetter 1

50 Jahre Galerie bei der Albertina ▪ Zetter

Die Galerie bei der Albertina▪Zetter feiert ihr 50-jähriges Bestehen mit einer Adolf Loos Ausstellung, einer hochkarätigen 50-Jahre Jubiläumsausstellung und einer Christian Ludwig Attersee Ausstellung

Die Galerie bei der Albertina▪Zetter wurde im Jahr 1973 von Christa Zetter gegründet und hat sich seitdem zu einer der weltweit führenden Adressen für den Wiener Jugendstil und die Kunst der Wiener Werkstätte (19031932) entwickelt. Das Galerieprogramm hat namhafte internationale Künstler wie Josef Hoffmann, Kolo Moser, Gustav Klimt und Egon Schiele fest etabliert. Die bereits von Christa Zetter eingeleitete inhaltliche Erweiterung um österreichische bildende Kunst des 20. und 21. Jahrhunderts wird seit 2003 äußerst erfolgreich von ihrer Tochter Katharina Zetter-Karner fortgeführt.

Nach drei Umbauten und Erweiterungen im Jahr 1982/83 durch Boris Podrecca, 2010 durch Bodo Rehak und 2017, präsentiert die Galerie bei der Albertina ▪ Zetter auf drei Etagen und einer Fläche von 400 m² Malerei, Bildhauerei und Design. Die Ausstellung umfasst Werke von bedeutenden Künstlern wie Friedensreich Hundertwasser, Kiki Kogelnik, Oskar Kokoschka, Maria Lassnig, Alfons Walde, Fritz Wotruba und vielen anderen.

Zum 50-jährigen Jubiläum der Galerie bei der Albertina▪Zetter werden in diesem Jahr drei besondere Ausstellungen organisiert. Den Auftakt macht eine außergewöhnliche Ausstellung zu Adolf Loos.

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19. November 2020 1 NASA

Schöner Schimmer

Die Aurora borealis ist eines der faszinierendsten und gleichzeitig geheimnisvollsten Naturschauspiele der Welt. Physiker und Nordlicht­forscher Asgeir Brekke bringt Licht ins Dunkel.

Im nordnorwegischen Tromsø, dem Tor zur Arktis“, wie die Stadt auch genannt wird, kann man das Nordlicht besonders gut beobachten. Das heißt, wenn man nicht gerade zwischen Ende Mai und Ende Juli hierherkommt, denn während dieser beiden Monate ist hier Mittsommerzeit: Die Sonne leuchtet dann 24 Stunden vom Himmel. Um das Nordlicht zu sehen, braucht es einen dunklen Himmel und eine klare Sicht, weiß der Physiker und Nordlichtforscher Asgeir Brekke. Seit über 50 Jahren lebt und forscht er in Tromsø und beschäftigt sich mit diesem faszinierenden Lichtschauspiel am Himmel. In all seinen Einzelheiten ist das Phänomen bis heute nicht erforscht. Im Gespräch gibt Brekke erhellende Einblicke.

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08. September 2022 Elefant Hologramm

Holo sagt Hallo!

Sie holten die Kultband ABBA aus der Pop-Pension. Doch ­Hologramme können weit mehr, als ­alternden Künstlern zu neuer Form zu verhelfen – nämlich eine eigene Welt erschaffen.


Sie werden oft belächelt, und doch sind sie die wahren Visio­nä­re der Zukunft: Drehbuchau­toren wie Gene Roddenberry, der große Vogel der Galaxis“ und Erfinder von Star Trek“, oder George Lucas, der mit Star Wars“ die Leinwände ­eroberte. Beide waren ihrer Zeit weit voraus, als sie Figuren als Hologramme zum Leben erweckten. Bereits 1977 überbrachte ein Droide eine Botschaft in Form eines 3‑D-Hologramms an seine Besitzerin Prinzessin Leia. In der dritten Staffel von Star Trek“, die Ende der 1980er-Jahre ausgestrahlt ­wurde, gingen die Drehbuchautoren sogar noch einen Schritt weiter und ließen die Crewmitglieder der legendären Enterprise auf so­genannten Holodecks in jede beliebi­ge Welt eintauchen. In einer fiktiven Welt und am Bildschirm lassen sich derartige Illusionen natürlich leicht umsetzen, im wahren Leben sieht das schon ganz anders aus. Doch manche Dinge lassen sich einfach nicht aufhalten. Was damals als utopische Idee erdacht wurde, steht einige Jahrzehnte später kurz vor dem endgültigen Durchbruch. Glaubt man der Technolo­gieberatungsfirma IDTechEx, so wird sich der Markt für ­erweiterte, virtuelle und ­gemischte Rea­lität, wozu die 3‑D-Holo­grafie zählt, bis zum Jahr 2030 auf einen Wert von mehr als 30 Milliarden US-Dollar ausgeweitet haben.

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