Für viele Österreicher endet die Wahrnehmung von Udine an den Fassaden der großen Möbelhäuser entlang der Staatsstraße. Wer jedoch den Blinker setzt und ins historische Zentrum abbiegt, entdeckt eine Stadt, die weit mehr zu bieten hat als Handwerkskunst und Designmöbel – und die 2026 mit einer Weltrang-Ausstellung und italienischer Eleganz auf sich aufmerksam macht.
Es ist ein vertrautes Bild auf der Südautobahn: Autos mit österreichischen Kennzeichen, beladen mit Sesseln oder Sofas, auf dem Heimweg aus dem friaulischen „Stuhldreieck“. Udine gilt seit Jahrzehnten als Werkstatt für schönes Wohnen. Doch im Schatten dieses Images hat sich die Stadt zu einem kulturellen Kraftzentrum entwickelt, das nun endgültig aus dem Schatten von Venedig und Triest tritt.
„Venedig auf dem Festland“
Udine empfängt Besucher mit einer fast aristokratischen Gelassenheit. Die Piazza della Libertà, oft als schönster venezianischer Platz auf dem Festland bezeichnet, versprüht mit der Loggia del Lionello reines Renaissance-Flair. Unter den Arkaden wird flaniert, ein Aperitivo genossen – bevorzugt ein Friulano – und das besondere Licht bewundert, das die pastellfarbenen Fassaden sanft in Szene setzt. Udine ist auch die Stadt von Giambattista Tiepolo, dessen barocke Himmelsstürmer in den Kirchen der Stadt zu finden sind. Doch das eigentliche Herzbeben für Kunstfreunde ereignet sich derzeit an einem anderen Ort.
Casa Cavazzini – ein Manifest der Moderne
Mitten in der Altstadt steht die Casa Cavazzini – schon das Gebäude selbst ist eine Sensation. Es war einst Wohn- und Geschäftshaus des Textilmagnaten und Mäzens Dante Cavazzini, der es der Stadt mit der Vision eines Museums für moderne Kunst vermachte. Die Handschrift der verstorbenen Stararchitektin Gae Aulenti ist allgegenwärtig. Glasböden geben den Blick auf antike Zisternen frei, Fresken aus dem 14. Jahrhundert treffen auf avantgardistische Wandmalereien der Brüder Afro und Mirko Basaldella aus den 1930er-Jahren. Geschichte wird hier nicht konserviert, sondern weitergedacht – bis hin zur original erhaltenen Küche aus den 1950er-Jahren, die den Alltag ihres ehemaligen Besitzers spürbar macht.
Das Highlight 2026: Schweizer Meisterwerke in Italien
Der aktuelle Anlass für eine Reise nach Udine ist jedoch die außergewöhnliche Ausstellung „Monet, Van Gogh, Picasso, Kandinsky, Magritte“. Da das Kunst Museum Winterthur derzeit saniert wird, ist ein Großteil seiner weltberühmten Sammlung vorübergehend nach Udine übersiedelt.
Die Schau überrascht durch ihre Dichte und Qualität:
- Der Impressionismus: Werke von Claude Monet treffen auf die emotionale Wucht von Vincent van Gogh, darunter das eindrucksvolle Porträt des Postboten Joseph Roulin.
- Die Klassische Moderne: Pablo Picasso steht im spannungsvollen Dialog mit den spirituellen Farbwelten von Wassily Kandinsky.
- Der Surrealismus: René Magritte fordert mit seinen rätselhaften Bildwelten die Wahrnehmung der Besucher heraus.
Die Ausstellung spannt einen Bogen über rund 150 Jahre Kunstgeschichte und zeigt, warum diese Werke bis heute unser ästhetisches Denken prägen. In den intimen, von Aulenti gestalteten Räumen der Casa Cavazzini entsteht dabei eine Nähe, die man in den großen Museen von Paris oder London oft vermisst.
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