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Zwischen beeindruckenden Großinstallationen und diskreten Millionenverkäufen beweist die Art Basel 2026, warum sie als bedeutendste Kunstmesse der Welt gilt. 

Der wohl berühmteste Abwesende der Art Basel 2026 war Pablo Picasso. Sein Gemälde «Le peintre et son modèle dans un paysage» wechselte bereits am Eröffnungstag für 35 Millionen US-Dollar den Besitzer und war damit verkauft, bevor viele Besucher die Messe überhaupt betreten konnten. Doch nicht nur die verschiedenen Millionenabschlüsse sorgten für Gesprächsstoff. Auf dem Messegelände in Basel zeigte sich die Kunst einmal mehr von ihrer monumentalen Seite. Die von Direktorin Maike Cruse geleitete Ausgabe versammelte 290 Galerien aus 43 Ländern und Territorien. Das Spektrum reichte von Meisterwerken der Moderne und Nachkriegszeit über wiederentdeckte Positionen der Kunstgeschichte bis hin zu zeitgenössischer Kunst, Nachwuchstalenten und raumgreifenden Installationen. Die Art Basel gleicht stets einer Explosion aus Gemälden, Installationen, Performances und Skulpturen, die einen bisweilen fast überfordert. Dieser Blick zurück kann deshalb nur der Versuch sein, die Fülle der Eindrücke zu ordnen. 

Art Basel Rueckblick
Pati Grabowicz ©
Direktorin Maike Cruse

Staunen in Übergröße

Bereits beim Eingang zum Sektor Unlimited” wird deutlich, dass grenzenlos nicht nur spektakulär, sondern auch politisch sein kann. Die Reihe von überdimensionierten Uniformen des Los Angeles Police Department von Chris Burden wirkt weniger wie eine Einladung zum Eintreten als vielmehr wie eine bedrohliche Phalanx. Entstanden als Reaktion auf die Unruhen von Los Angeles nach dem Freispruch der am Rodney-King-Fall beteiligten Polizisten, hat das Werk L.A.P.D. Uniforms auch mehr als drei Jahrzehnte später nichts von seiner Aktualität verloren.

Niki de Saint Phalles farbenprächtiger Blue Obelisk with Flowers” ragte wie ein überdimensionales Wahrzeichen in der Halle, während Yayoi Kusamas Flowers that Bloom in the Cosmos” die Besucher in ihre unverwechselbare Welt zwischen Fantasie und Unendlichkeit entführte. 

Mit A libation in Uncertain Times” thematisiert der in Chicago geborene Theaster Gates die Unsicherheiten der Gegenwart. Auf traditionellen Holzgestellen arrangierte er mehr als 1000 Sake-Flaschen in Braun‑, Weiss- und Schwarztönen. Jede einzelne trägt eine eigene Botschaft. 

Mit der bewusst etwas baufällig wirkenden Strandhütte aus Margate erinnert Tracey Emin mit Knowing My Enemy” an ihre traumatische Kindheit in der englischen Küstenstadt. 

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Redaktion ©
Tracey Emin, Knowing My Enemy

Zwischen den monumentalen Arbeiten sorgte Yuichi Hirakos Tree, Forest, Mountain” für einen stilleren, beinahe märchenhaften Moment. Die 304 Figuren mit menschlichen Körpern und Tannen- oder Kieferköpfen erinnern aus der Distanz an eine Schar von Heinzelmännchen, die sich zu einer geheimnisvollen Versammlung eingefunden haben.

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Redaktion ©
Yuichi Hirako, Tree, Forest, Mountain

Zu den eindrucksvollsten Arbeiten zählte auch Zsófia Keresztes’ Mother Tongue II.”. Aus den geöffneten Mündern eines mit Glasmosaik besetzten Reliefs wachsen weiche Stoffzungen, die sich zu einem gemeinsamen Zopf verbinden. Die strenge Formensprache der Münder steht dabei im Kontrast zur weichen Textur der karierten Stoffbahnen und schafft ein Spannungsfeld zwischen Sprache, Wiederholung und Intimität.

Ein Moment der Kontemplation

Einen willkommenen Kontrast zum geschäftigen Messetreiben bot der Rundhof im Herzen des Messegeländes. Mit The Living Fragment: Enea Tree Museum at Art Basel” verwandelte Enea Landscape Architecture den Innenhof in eine grüne Oase aus alten Bäumen, Holzstrukturen und schattigen Sitzplätzen. Inspiriert vom Enea Tree Museum in Rapperswil-Jona lud die Installation dazu ein, für einen Moment innezuhalten – und erinnerte daran, dass auch die Natur dieselbe Aufmerksamkeit verdient wie ein Kunstwerk. 

Die Energie einer ganzen Stadt

Aber auch abseits des Messegeländes war einiges los. Der vor fünf Jahren gegründete BASEL SOCIAL CLUB hat sich längst als eines der spannendsten Off-Events etabliert und widmete sich dieses Jahr dem Thema Office”. Die photo Basel, die erste und einzige Fotokunstmesse der Schweiz, konzentrierte sich ausschliesslich auf die Kunstfotografie, während Pierre Huyghe die Fondation Beyeler in einen technofuturistischen Organismus verwandelt. Letztere geht datumstechnisch noch ein wenig in die Verlängerung (bis 13. September 2026). Gleiches gilt für die Sonderausstellung von Helen Frankenthaler, die mit rund fünfzig Werken aus sechs Jahrzehnten einen eindrucksvollen Einblick in ihr Schaffen bietet (bis 23. August 2026). 

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Courtesy of Art Basel ©

Was bleibt

Der Verkauf eines Picasso für 35 Millionen Dollar mag die Schlagzeilen der Art Basel 2026 bestimmt haben. In Erinnerung bleibt jedoch vor allem die besondere Atmosphäre einer Messe, die für einige Tage die internationale Kunstwelt an einem Ort versammelt. Die in der ganzen Stadt spürbare Energie”, von der Direktorin Maike Cruse sprach, war während der Messetage tatsächlich allgegenwärtig. Nach einem Kunstmarathon bei gefühlten 50 Grad haben allerdings erst einmal die geschwollenen Füsse das letzte Wort. 


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