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Auf Einladung von Van Cleef & Arpels führte mich die Reise kürzlich nach Maastricht – zur TEFAF, zu 7.000 Jahren Kunstgeschichte und zu rund 40 historischen Schmuckstücken, die zeigen, dass die spannendsten Geschichten manchmal in sehr kleinen Dingen stecken.

Maastricht stand diesmal mit einem sehr konkreten Anlass in meinem Kalender: Van Cleef & Arpels hatte zu einer gemeinsamen Reise auf die TEFAF (The European Fine Art Fair) eingeladen. Und bei einer Einladung, die Schmuck, Kunst und ein paar Tage in den Niederlanden miteinander verbindet, muss man nicht allzu lange überlegen.

Die TEFAF kannte ich natürlich. Zumindest theoretisch. Eine der wichtigsten Kunst- und Antiquitätenmessen der Welt, internationale Sammler, Museen, Galerien und Objekte, deren Geschichten teilweise Jahrtausende zurückreichen. Vor Ort bekommt diese Beschreibung allerdings eine völlig andere Dimension.

277 Aussteller aus 24 Ländern kamen 2026 nach Maastricht. Gezeigt wurde Kunst aus rund 7.000 Jahren – von Antiquitäten und Alten Meistern über Design und moderne Kunst bis zu Schmuck. Das klingt zunächst nach sehr viel. Und genau das ist es auch. Man könnte hier wahrscheinlich mehrere Tage verbringen und hätte am Ende trotzdem das Gefühl, die Hälfte übersehen zu haben.

Ich war allerdings nicht ganz ohne Richtung unterwegs. Mein Ziel war Van Cleef & Arpels.

Wenn alte Schmuckstücke wieder auftauchen

Seit 2013 ist die Maison regelmäßig auf der TEFAF in Maastricht vertreten. In diesem Jahr brachte sie rund 40 Stücke aus ihrer Heritage Collection mit. Keine Neuheiten, keine gerade erst präsentierte High Jewelry, sondern Schmuck und kostbare Objekte aus mehreren Jahrzehnten des 20. Jahrhunderts.

Und vielleicht liegt genau darin der Reiz.

Die Heritage Collection wurde 2007 gegründet und umfasst heute rund 150 Kreationen aus den 1920er- bis 1990er-Jahren. Anders als die sogenannte Patrimonial Collection, deren Stücke im Besitz des Hauses bleiben und für Ausstellungen vorgesehen sind, können die Objekte der Heritage Collection auch erworben werden. Man steht also vor einem Schmuckstück, das vielleicht vor 60, 70 oder 80 Jahren gefertigt wurde – und theoretisch seine nächste Geschichte beginnen könnte.

Bevor eine Kreation überhaupt in die Heritage Collection aufgenommen wird, wird sie untersucht, gereinigt und bei Bedarf restauriert. Gleichzeitig beginnt die Recherche in den Archiven von Van Cleef & Arpels: Kundenunterlagen, Geschäftsbücher und historische Entwurfszeichnungen helfen dabei, Herkunft und Authentizität eines Stücks nachzuvollziehen. Erst danach erhält es sein Zertifikat.

Bei der TEFAF passt dieser Zugang erstaunlich gut. Schließlich ist man den ganzen Tag von Dingen umgeben, die schon ein Leben hinter sich haben.

Vor Ort hatte ich auch die Gelegenheit mit Alexandrine Maviel-Sonet von Van Cleef & Arpels zu sprechen. Sie beschäftigt sich mit der Patrimonial Collection und damit mit der Frage, wie man Schmuck nicht nur erhält, sondern auch seine Geschichte bewahrt.

Diamanten, die beweglich bleiben

Eines der Stücke, vor dem ich länger stehen geblieben bin, war das Stalactite“-Collier von 1963. Platin, Diamanten – und auf den ersten Blick jene klassische Eleganz, die man mit High Jewellery dieser Zeit verbindet.

Auf den zweiten Blick wird es interessanter.

Das Collier lässt sich verändern. Der zentrale Anhänger kann abgenommen und als Clip getragen werden, weitere Elemente können ebenfalls entfernt werden. Aus einem Schmuckstück werden mehrere Möglichkeiten. Diese Verwandlungsfähigkeit gehört seit Langem zu den besonderen technischen Merkmalen von Van Cleef & Arpels.

Ich mag diesen Gedanken. Gerade bei historischem Schmuck erwartet man zunächst etwas Unantastbares, beinahe Museales. Dabei wurden diese Stücke einmal geschaffen, um getragen zu werden. Sie sollten sich bewegen, zu Kleidern passen, zu unterschiedlichen Gelegenheiten funktionieren – und offensichtlich auch ein wenig praktisch sein.

Praktisch ist bei einem Diamantcollier natürlich ein relativer Begriff.

Aber trotzdem.

Kleine Details erzählen große Geschichte

Ein anderes Objekt macht deutlich, wie unmittelbar sich Geschichte manchmal in Materialien ablesen lässt. Eine kleine Dose aus dem Jahr 1944 besteht aus Gelbgold, Türkisen und Rubinen. Dass hier Gold verwendet wurde, hatte nicht nur gestalterische Gründe. Platin wurde während des Zweiten Weltkriegs für militärische Zwecke benötigt und stand der Schmuckproduktion kaum zur Verfügung. Gelbgold rückte dadurch wieder stärker in den Vordergrund.

Plötzlich schaut man anders auf so ein Objekt.

Auch ein Diamantarmband von 1947 erzählt viel über seine Zeit und gleichzeitig über die Verbindung von Schmuck und Mode bei Van Cleef & Arpels. Seine bewegliche Struktur erinnert an die Ludo-Kreationen des Hauses und an einen Gürtel; einzelne Glieder wurden so zusammengesetzt, dass das Armband trotz Platin und Diamanten flexibel bleibt. Couture, nur eben in Edelmetall.

Dazu kamen ein Aigrette“-Clip von 1955, ebenfalls in Platin und Diamanten, sowie spätere Kreationen mit Rubinen und Diamanten aus den 1970er- und 1980er-Jahren. Gerade nebeneinander zeigen diese Stücke, wie sich Geschmack verändert – und wie bestimmte Ideen trotzdem immer wiederkehren: Natur, Blumen, Schleifen, Stofflichkeit, Bewegung.

Schmuck als Teil der Kunstgeschichte

Was mir an der Präsentation auf der TEFAF besonders gefallen hat: Hier muss Schmuck nicht erklären, warum er Kunst sein darf.

Ein paar Schritte weiter hängen Gemälde, stehen Skulpturen, Möbel oder jahrhundertealte Antiquitäten. Dazwischen High Jewelry. Alles wird mit derselben Aufmerksamkeit auf Herkunft, Material, Handwerk und Qualität betrachtet.

Vielleicht ist die TEFAF deshalb ein so passender Ort für die Heritage Collection von Van Cleef & Arpels. Das Haus zeigt dort eben nicht nur, was es einmal gestaltet hat. Die einzelnen Kreationen erzählen auch etwas darüber, wie Menschen in ihrer jeweiligen Zeit gelebt, sich gekleidet und geschmückt haben – und welche handwerklichen Möglichkeiten damals existierten.

Van Cleef & Arpels nimmt seit 2013 an der Messe teil. Dass diese Verbindung funktioniert, versteht man spätestens vor Ort.

Und dann geht man weiter.

Vorbei an Gemälden, die vermutlich in irgendeinem Museum hängen könnten, an Möbeln, die man gerne sofort ins Wohnzimmer stellen würde, und an Dingen, bei denen man zunächst überhaupt nicht weiß, was sie sind – bis jemand ihre Geschichte erzählt.

Genau dafür lohnt sich Maastricht.

Und für mich war diese Reise wieder eine schöne Erinnerung daran, dass Schmuck dann am interessantesten wird, wenn man nicht nur auf die Karat schaut.

Persönliches Fazit: Danke an Van Cleef & Arpels für die Einladung. Die TEFAF sollte man zumindest einmal erlebt haben – wobei ich nach diesem Besuch ziemlich sicher bin, dass es nicht bei einmal bleiben muss.

Weiterlesen: Alexandrine Maviel-Sonet über die Patrimonial Collection und die Kunst des Bewahrens


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