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Mit Glanzstücke“ eröffnet im MAK eine der elegantesten Ausstellungen des Wiener Kultursommers. Van Cleef & Arpels tritt dabei in einen Dialog mit angewandter Kunst, Wiener Moderne und Designgeschichte.

Als das MAK im März erstmals die Ausstellung Glanzstücke. Van Cleef & Arpels High Jewelry × Masterpieces from the MAK Collection“ ankündigte, klang das Projekt bereits nach einer jener Begegnungen, die in Wien besonders gut funktionieren: französische Haute Joaillerie trifft auf Wiener Designgeschichte, Schmuck auf angewandte Kunst, Preziosen auf Möbel, Textilien, Bühnenwelt und Architektur. Ab 10. Juni wird aus dieser Idee nun ein Ausstellungsparcours. Und damit zeigt sich, worum es eigentlich geht: nicht um das bloße Präsentieren kostbarer Stücke, sondern um die Frage, wie eng Schmuck mit Kultur, Technik, Mode und Raum verbunden ist.

Rund 500 Exponate bringt das MAK dafür zusammen. Etwa 350 Stücke stammen aus der Patrimonial Collection von Van Cleef & Arpels, rund 160 aus der Sammlung des MAK. Der Dialog reicht von historischen Textilien und Objekten der Wiener Werkstätte bis zu Kreationen aus der 120-jährigen Geschichte der Pariser Maison. Schon diese Konstellation verschiebt den Blick: Schmuck erscheint hier nicht als isoliertes Luxusobjekt, sondern als hochkonzentrierte Form von Design.

Die vom Atelier Tsuyoshi Tane Architects entworfene Ausstellungsarchitektur führt als Labyrinth durch sechs Kapitel: Wanderlust, Architecture, Rhythmic Designs, On Stage, Metamorphoses sowie Nature & Cosmos. Gleich zu Beginn wird Reisen als kulturelle Projektion sichtbar. Van Cleef & Arpels’ Modell der Segelyacht Varuna“ aus Gold, Silber und Jaspis trifft auf den sogenannten Portugiesen-Teppich des MAK, auf dem Schiffe, Seeungeheuer und Passagiere eine Welt zwischen Fernweh und Erzählung eröffnen.

Besonders spannend wird die Ausstellung dort, wo Maßstäbe kippen. Die 1933 patentierte Minaudière von Van Cleef & Arpels wirkt wie Architektur im Taschenformat: ein elegantes Necessaire mit exakt organisierten Fächern für Puder, Uhr, Feuerzeug oder Lippenstift. Ihr gegenüber steht ein klassizistischer Spieltisch von David Roentgen aus dem Jahr 1775, mehrfach aufklappbar und mit Spielfeldern für Karten, Schach und Backgammon ausgestattet. Beide Objekte erzählen von Präzision, Mechanik und der Kunst, Funktion in Form zu übersetzen.

Minaudière, 1935, Stryptor, Gelbgold, Silber, Diamanten
Sammlung Van Cleef & Arpels ©
Minaudière, 1935, Stryptor, Gelbgold, Silber, Diamanten

Ein weiteres Kapitel widmet sich Rhythmus und Geometrie. Stoffmuster aus dem Archiv der Wiener Werkstätte treffen auf dynamische Schmuckkreationen von Van Cleef & Arpels, darunter die Silhouette-Blume-Broschen aus den späten 1930er-Jahren. Hier zeigt sich, wie modern die Formensprache Wiens um 1900 bereits war – und wie nah sich textile Muster, Ornament und Schmuckdesign kommen können.

Zu den Höhepunkten zählt die berühmte Zip Halskette, die sich in ein Armband verwandeln lässt. Inspiriert von Reißverschlüssen aus Mode und Fliegeranzügen, wurde sie 1938 patentiert und in den 1950er-Jahren erstmals gefertigt. Im MAK tritt sie in Dialog mit einem Paravent von Koloman Moser aus dem Jahr 1906. Beide Objekte denken Verwandlung nicht als Effekt, sondern als gestalterisches Prinzip.

Am Ende richtet Glanzstücke“ den Blick auf Natur und Kosmos. Die Chrysanthemum Brosche von 1937 zeigt die berühmte Mystery-Set-Technik, bei der Edelsteine so gefasst werden, dass die Goldstruktur unsichtbar bleibt. Daneben verweist eine Armillarsphäre aus dem Jahr 1553 auf die Verbindung von Wissenschaft, Ornament und Weltdeutung.

Glanzstücke“ ist eine Ausstellung, die den Wert ihrer Objekte nicht über Glanz allein erklärt. Sie interessiert sich für Entstehung, Funktion, Wandel und kulturelle Bezüge. Wer Van Cleef & Arpels erwartet, bekommt High Jewelry auf höchstem handwerklichem Niveau. Wer wegen des MAK kommt, entdeckt die eigene Sammlung neu. Entscheidend ist die Reibung dazwischen.

Chrysanthemum Brosche, 1937, Platin, Gelbgold, Rubine im Mystery-Set (unsichtbare Fasstechnik), Diamanten
Sammlung Van Cleef & Arpels ©
Chrysanthemum Brosche, 1937, Platin, Gelbgold, Rubine im Mystery-Set (unsichtbare Fasstechnik), Diamanten

Gerade deshalb funktioniert diese Ausstellung als Sommertermin in Wien. Sie zeigt Schmuck nicht als abgeschlossenes Kapitel der Modegeschichte, sondern als präzise Form angewandter Kunst. Klein im Maßstab, groß in der Idee.

Glanzstücke. Van Cleef & Arpels High Jewelry × Masterpieces from the MAK Collection“
10. Juni bis 27. September 2026
MAK, Stubenring 5, 1010 Wien
mak​.at


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