Mit dem Vision BMW ALPINA zeigt BMW, wie die traditionsreiche Marke künftig Luxus, Geschwindigkeit und Understatement verbinden will.
Wenn BMW wenige Tage vor dem Concorso d’Eleganza Villa d’Este an den Chiemsee lädt, dann weiß man sofort, dass es nicht um irgendeine Präsentation gehen wird. Und spätestens beim Ankommen im Chiemgauhof wurde klar, dass BMW dieser Präsentation eine ganz besondere Bedeutung geben wollte.
Der gesamte Abend war exklusiv reserviert, internationale Journalisten waren angereist, und als plötzlich alle Smartphones in versiegelten Sicherheitstaschen verschwanden, stieg die Spannung endgültig. Danach passierte allerdings erst einmal: nichts. Sturmwarnung. Verzögerung. Noch eine Verzögerung.
Also wartete man. Führte Gespräche mit Kollegen aus aller Welt, versuchte sich als Co-Pilotin für Langstreckenrennen reinzureklamieren, widerstand den Cocktails und blickte immer wieder Richtung See.
Und dann, irgendwann spät am Abend, kam endlich der Moment, auf den alle gewartet hatten.
BMW zeigte erstmals den Vision BMW ALPINA – das Concept Car für die neue Marke BMW ALPINA.
Eine neue Rolle innerhalb der BMW Group
Mit 1. Januar 2026 wurde BMW ALPINA offiziell als eigenständige Marke in die BMW Group integriert. Damit bekommt BMW ALPINA künftig eine völlig neue Rolle: als exklusive Luxusmarke zwischen BMW Oberklasse und Rolls-Royce.
Das klingt zunächst strategisch, wirkt beim ersten Blick auf das Fahrzeug aber erstaunlich emotional.
Denn der Vision BMW ALPINA versucht gar nicht erst, möglichst futuristisch oder laut zu sein. Stattdessen zeigt die Studie genau das, was man zwar oft sucht, aber nur ganz selten findet: Geschwindigkeit, Komfort und Understatement.
Oder anders gesagt: ein Auto für Menschen, die keine Lust haben, ständig Aufmerksamkeit zu erzeugen – aber trotzdem etwas Besonderes fahren wollen.
Und vielleicht ist genau das heute fast schon radikal. Während viele Luxusautos versuchen, immer aggressiver, extrovertierter oder digitaler zu wirken, setzt BMW ALPINA weiterhin auf dieses sehr europäische Verständnis von Geschwindigkeit: souverän, entspannt und mit einer gewissen Gelassenheit.
Der berühmte Satz von Burkard Bovensiepen passt deshalb heute wahrscheinlich besser denn je: „Ein entspannter Fahrer ist ein schnellerer Fahrer.“
Die Ästhetik der Ruhe
Mit 5,20 Metern Länge und seiner fließenden Coupé-Linie wirkt der Vision BMW ALPINA extrem elegant. Nichts daran ist aggressiv, nichts überzeichnet. Genau das macht ihn spannend.
Entworfen wurde die Studie unter der Leitung des Österreichers Maximilian Missoni, heute verantwortlich für BMW Oberklasse und BMW ALPINA. Seine Idee: ein Design, das sich erst beim zweiten Blick komplett erschließt.
Missoni nennt das „Second Read“.
Viele Details entdeckt man tatsächlich erst später. Die klassische „Shark Nose“ vorne erinnert an historische Alpina-Modelle wie den B7. Die berühmten Dekorlinien laufen jetzt fast unsichtbar unter dem Klarlack über die Karosserie. Und auch die legendären Mehrspeichenräder bleiben erhalten – allerdings deutlich moderner interpretiert.
Alles wirkt reduziert, aber extrem präzise.
Luxus ohne Übertreibung
Besonders gelungen ist der Innenraum des Vision BMW ALPINA.
Hier verzichtet BMW ALPINA auf übertriebene Digital-Showeffekte und setzt stattdessen auf Materialien und Atmosphäre. Vollnarbiges Leder aus der Alpenregion, feine Heritage-Nähte in Blau und Grün und ein Kristallglas-Set in der Mittelkonsole zeigen, wie ernst man das Thema Handwerk nimmt. Selbst die gravierten Linien in den Gläsern greifen die typischen Alpina-Räder auf.
Das wirkt nie laut oder demonstrativ luxuriös, sondern erstaunlich entspannt. Fast wie ein sehr gutes Boutiquehotel auf Rädern.
Die österreichische Verbindung
Spannend ist auch, wie stark Österreich mit der Geschichte von ALPINA verbunden ist und mit BMW ALPINA auch bleibt.
In den 1970er Jahren war es Niki Lauda, der ALPINA im Motorsport endgültig legendär machte. Sein Sieg beim 24-Stunden-Rennen am Nürburgring 1973 im BMW Alpina 3.0 CSL gehört bis heute zu den großen Momenten der Marke. Noch berühmter wurde seine Rekordrunde auf der Nordschleife – schneller als sämtliche damaligen Werksautos von BMW und Ford.
Heute prägt mit Maximilian Missoni erneut ein Österreicher die Marke.
Der gebürtige Grazer denkt dabei weniger wie ein klassischer Autodesigner, sondern eher wie ein Architekt. Proportionen, Ruhe und Materialität spielen für ihn eine größere Rolle als reine Effekte.
Und genau das spürt man beim Vision BMW ALPINA.
Von der Schreibmaschine zum Luxusautomobil
Dabei vergisst man leicht, wo ALPINA ursprünglich herkommt.
Die Wurzeln liegen nämlich gar nicht im Automobilbau, sondern in der Feinmechanik. 1949 gründete Dr. Otto Rudolf Bovensiepen das Alpina Büromaschinen-Werk in Kaufbeuren. Die dort produzierten Schreibmaschinen galten als technische Meisterwerke.
Diese Präzision übertrug Burkard Bovensiepen später auf Automobile. Aus einer kleinen Manufaktur entstand Schritt für Schritt eine Marke, die immer etwas anders war als die Konkurrenz: schneller als viele Luxusautos, komfortabler als viele Sportwagen und deutlich zurückhaltender als beides.
Eine Marke mit Charakter
Der Vision BMW ALPINA zeigt deshalb weit mehr als nur ein neues Auto.
Er zeigt, wie BMW ALPINA künftig Luxus interpretieren will: weniger laut, weniger aggressiv, weniger überinszeniert. Stattdessen geht es um Qualität, Ruhe, Material und dieses sehr europäische Verständnis von Eleganz.
Mit dem ersten Serienmodell auf Basis des BMW 7er, das für 2027 erwartet wird, beginnt für BMW ALPINA eine komplett neue Ära.
Und selten hat sich ein Marken-Neustart so selbstverständlich angefühlt.
Persönlich habe ich mich übrigens sofort in die Rückspiegel verliebt, die es leider wohl nie auf die Straße schaffen werden. Wobei: Vielleicht kommt ja irgendwann doch noch BMW ALPINA Interior – ähnlich wie Bentley es vormacht. Schön wäre es jedenfalls, ich melde mich mal für die Spiegel an.
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