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Catherine Rénier, CEO von Van Cleef & Arpels, über Glanzstücke“ im Wiener MAK, die Verbindung von Schmuck und Kunst und die Bedeutung von Handwerkskunst in einer beschleunigten Welt.

Catherine Renier Van Cleef Arpels Johann Sauty
Johann Sauty ©
Catherine Renier

Eine Ausstellung in einem weltberühmten Museum – ist das vielleicht sogar der natürlichere Ort für eine Präsentation der Schmuckstücke von Van Cleef & Arpels als eine Boutique?

Beide Orte erfüllen unterschiedliche Aufgaben. Aber ja, eine Ausstellung in einem Museum ist für unsere Maison eine große Ehre, weil sie unsere Kreationen in den größeren Zusammenhang der dekorativen und angewandten Künste stellt. Dadurch entsteht ein Dialog mit Design und Kunsthandwerk, der neue Perspektiven auf unsere Arbeiten eröffnet. In einer Boutique erlebt man die zeitgenössische Identität von Van Cleef & Arpels. Eine Ausstellung hingegen erlaubt es, die kreativen Ursprünge des Hauses zu entdecken und die Inspirationsquellen kennenzulernen, die unsere Welt seit mehr als hundert Jahren prägen. Es sind zwei unterschiedliche, aber gleichermaßen wichtige Perspektiven.

MAK Ausstellungsansicht, 2026 GLANZSTÜCKE. Van Cleef & Arpels High Jewelry × Masterpieces from the MAK Collection MAK Ausstellungshalle (EG) Kapitel Wanderlust
Ivan Erofeev ©
MAK Ausstellungsansicht, 2026 GLANZSTÜCKE. Van Cleef & Arpels High Jewelry × Masterpieces from the MAK Collection MAK Ausstellungshalle (EG) Kapitel Wanderlust

Sie sprechen von einem Dialog mit der Kunst. Wann hat dieser bei Van Cleef & Arpels begonnen?

Unsere Maison war von Beginn an offen für unterschiedliche künstlerische Ausdrucksformen. Ein Beispiel ist die Wiederentdeckung des Grabes von Tutanchamun in den 1920er-Jahren. Gemeinsam mit dem Art déco beeinflusste der Hype um die Pharaonenzeit zahlreiche Kreationen unseres Hauses. Ebenso bedeutend war die Arbeit mit dem Tänzer und Choreografen George Balanchine in den 1960er-Jahren. Balanchine ließ sich von Edelsteinen inspirieren, während wir durch die Welt des Tanzes neue Impulse erhielten. Wenn man sein Ballett Jewels“ aus dem Jahr 1967 sieht, versteht man sofort, wie faszinierend diese Verbindung ist. Die Farben, die Musik, die Bewegungen – jede Szene eröffnet eine eigene Welt.

MAK Ausstellungsansicht, 2026 GLANZSTÜCKE. Van Cleef & Arpels High Jewelry × Masterpieces from the MAK Collection MAK Ausstellungshalle (EG) Kapitel Architecture
Ivan Erofeev ©
Ausstellungsansicht von "Glanzstücke" im MAK

Aber wie lässt sich Tanz in Schmuck übersetzen? Bzw. Schmuck in Tanz?

Unsere Ballerina-Figuren sind da sicherlich das bekannteste Beispiel. Sie gehören bis heute zu den ikonischen Motiven des Hauses. Sie spiegeln ganz unterschiedliche Traditionen wider – vom klassischen Ballett bis zu zeitgenössischen Ausdrucksformen. Die Verbindung zum Tanz hat auch unser kulturelles Engagement beeinflusst. Mit Dance Reflections by Van Cleef & Arpels unterstützen wir seit einigen Jahren Choreografen sowie internationale Tanzinstitutionen. Wir fördern neue Produktionen und organisieren Festivals in verschiedenen Städten der Welt. Für uns ist das eine Form kultureller Verantwortung und zugleich eine Möglichkeit, etwas an die Kunstwelt zurückzugeben.

Welche anderen Kunstformen inspirieren Van Cleef & Arpels?

Architektur, dekorative Künste, Natur und Kosmos gehören seit jeher zu unseren wichtigsten Inspirationsquellen. Darüber hinaus spielen Literatur und Poesie eine bedeutende Rolle. Unsere jährlichen High-Jewelry-Kollektionen greifen regelmäßig kulturelle Themen auf. Eine aktuelle Kollektion widmet sich Ägypten und seinem Einfluss auf die Kunstgeschichte. Frühere Kollektionen waren von Werken wie Die Schatzinsel“ oder Shakespeares Ein Sommernachtstraum“ inspiriert. 

MAK Ausstellungsansicht, 2026 GLANZSTÜCKE. Van Cleef & Arpels High Jewelry × Masterpieces from the MAK Collection MAK Ausstellungshalle (EG) Kapitel Wanderlust
Ivan Erofeev ©
MAK Ausstellungsansicht, 2026 GLANZSTÜCKE. Van Cleef & Arpels High Jewelry × Masterpieces from the MAK Collection MAK Ausstellungshalle (EG) Kapitel Wanderlust

Zurück zur Ausstellung im MAK: Welche Überraschungen haben Sie beim Besuch erlebt?

Sehr viele! Manche Werke, die wir seit Jahren kennen, erscheinen hier in einem völlig neuen Zusammenhang. Ich denke zum Beispiel an einige unserer berühmten Clips. Bisher haben wir sie meist im Zusammenhang mit Couture betrachtet, weil ihre Gestaltung an Fäden oder Stoffstrukturen erinnert. In dieser Ausstellung werden sie jedoch in einem Kapitel präsentiert, das sich mit rhythmischen Mustern und Wiederholungen beschäftigt. Plötzlich erkennt man eine völlig neue Dimension dieser Schmuckstücke. Neben der Verbindung zur Mode tritt nun auch die Idee von Rhythmus, Wiederholung und ornamentaler Struktur hervor. 

Die Ausstellung zeigt eindrucksvoll die handwerkliche Qualität Ihrer Kreationen. Welche Bedeutung hat Handwerkskunst heute?

Handwerkskunst ist das Fundament unseres Hauses. Zwischen einer ersten Idee und einem fertigen Schmuckstück liegt ein langer Prozess aus Zeichnung, Modellierung, Materialauswahl und handwerklicher Umsetzung. Dieser Prozess braucht Zeit. Er erfordert Geduld, Präzision und Erfahrung. In einer Welt, die immer schneller wird, gewinnt dieser bewusste Umgang mit Zeit an Bedeutung. Viele Stücke in dieser Ausstellung wurden vor Jahrzehnten geschaffen und besitzen noch heute dieselbe Ausdruckskraft. Das ist für mich die eigentliche Bedeutung von Zeitlosigkeit.

MAK Ausstellungsansicht, 2026 GLANZSTÜCKE. Van Cleef & Arpels High Jewelry × Masterpieces from the MAK Collection MAK Ausstellungshalle (EG) rechts und links: ZIP Halsketten und Armband, 1952–55, Van Cleef & Arpels Collection Bildmitte: Koloman Moser, Par
Ivan Erofeev ©
Ausstellungsansicht von "Glanzstücke" im MAK

Könnte man sagen, dass Zeit und Geduld heute selbst zu einem Luxus geworden sind?

Ja, sicherlich. Gleichzeitig würde ich noch einen weiteren Wert nennen: Neugier. Neugier ist die Grundlage jeder kreativen Entwicklung. Ohne Neugier gäbe es weder Inspiration noch Dialog. Diese Ausstellung ist letztlich aus der gegenseitigen Neugier des MAK und von Van Cleef & Arpels entstanden.

Wie bewahren Sie traditionelle Handwerkskunst für die Zukunft?

Viele unserer ikonischen Techniken werden seit Jahrzehnten von Generation zu Generation weitergegeben. Denken Sie an die berühmte Mystery-Setting-Fassung oder an die Herstellung unserer Zip“-Necklaces. Diese Techniken existieren seit den 1930er-Jahren und werden bis heute beherrscht, weil das Wissen kontinuierlich weitergegeben wurde. Dabei handelt es sich nicht um Fähigkeiten, die man einfach aus einem Handbuch lernen kann. Junge Handwerker lernen, indem sie erfahrenen Meistern bei der Arbeit zusehen. Deshalb ist die Weitergabe von Erfahrung für uns von entscheidender Bedeutung. 

Gleichzeitig haben wir uns gefragt, wie wir diese Welt auch einem breiteren Publikum öffnen können. Vor etwa vierzehn Jahren haben wir deshalb die L’École, School of Jewelry Arts gegründet. Dabei handelt es sich nicht um eine klassische Berufsschule für angehende Juweliere; vielmehr ist sie ein Ort des Lernens und Entdeckens für alle, die sich für Schmuck, Edelsteine, Kunstgeschichte oder Handwerkskunst interessieren. Auch im Rahmen der Ausstellung werden zahlreiche Veranstaltungen stattfinden. Wir bringen Dozenten unserer Schule nach Wien und bieten Vorträge, Workshops und Gesprächsformate an.

Zip1955
Sammlung Van Cleef & Arpels ©
Zip Halskette, 1955, Gelbgold, Platin, Smaragde, Diamanten

Ihr berufliches Leben ist eng mit Schönheit verbunden. Erinnern Sie sich an besondere Emotionen, als Sie zum ersten Mal außergewöhnlichen Schmuck erlebt haben?

Für mich stehen außergewöhnliche Schmuckstücke immer in Verbindung mit Emotionen. Natürlich bewundere ich die technische Meisterschaft, die Kreativität und die handwerkliche Präzision. Aber letztlich sind es die Gefühle, die solche Werke auslösen, die sie wirklich besonders machen. Eine Ausstellung wie diese macht genau das sichtbar. Sie vereint außergewöhnliche Objekte, die teilweise selten oder sogar noch nie in dieser Form präsentiert wurden. Man erlebt sie nicht isoliert, sondern im Austausch mit anderen Werken, anderen Materialien und anderen Geschichten. Dadurch entsteht etwas, das über die einzelnen Objekte hinausgeht, und man kann in eine Welt aus Kreativität, Geschichte und Handwerkskunst eintauchen.


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