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Es gab sie schon mit Pailletten, aus Filz, mit Fell und mit Fransen – kaum eine Tasche hat so viele verschiedene Leben gelebt, wie Fendis ikonische Baguette. Als Teil der Frühling-/Sommer-2027-Kollektion von Maria Grazia Chiuri wird die stilprägende Schultertasche wieder neu interpretiert – cooler und brachialer als je zuvor.

Dabei begann alles vergleichsweise schlicht. 1997 entwarf Silvia Venturini Fendi eine kompakte Schultertasche, die sich eng unter den Arm klemmen ließ – ähnlich wie das französische Brot, dem sie ihren Namen verdankt. Während Ende der 1990er-Jahre in der Mode der Minimalismus dominierte, wurde die Baguette von Anfang an als wandelbare Leinwand gedacht: Die charakteristische rechteckige Form mit kurzer Schulterriemen, Frontklappe und FF-Schließe blieb, Materialien, Farben und Oberflächen konnten dagegen beinahe beliebig wechseln. Aus einem Modell wurden über die Jahre unzählige Varianten – bestickt, mit Perlen besetzt, aus exotischen Ledern, Pelz, Stoff oder Pailletten.

It’s Not a Bag – It’s a Baguette!

Zum endgültigen Popkultur-Phänomen machte sie um die Jahrtausendwende ausgerechnet ein Raubüberfall. In einer Folge von ​„Sex and the City“ fordert ein Dieb Carrie Bradshaw (Sarah Jessica Parker) auf, ihm ihre Tasche zu geben. Ihre empörte Antwort: ​„It’s a baguette.“ Die violette, mit Pailletten besetzte Version wurde damit ebenso berühmt wie ihre Trägerin und die Baguette zu einem der frühen Prototypen jener Tasche, für die sich der Begriff ​„It-Bag“ etablierte. Sarah Jessica Parker bezeichnete sie später sogar als eine Art Türöffner für die Modewelt von ​„Sex and the City“. Fendi wiederum spielte immer wieder mit diesem Moment und legte Carries violettes Modell später neu auf.

Nach ihrem Höhenflug um die Jahrtausendwende wurde es zunächst ruhiger um die Baguette. Andere Silhouetten rückten in den Vordergrund, das Konzept der klassischen ​„It-Bag“ verlor an Bedeutung – bis Fendi 2019 gezielt auf das eigene Archiv zurückgriff. Unter dem Motto ​„Baguette Friends Forever“ kehrte die Tasche in neuen Größen und Proportionen zurück, vom Mini-Format bis zur Crossbody-Version, begleitet von Neuauflagen bekannter Modelle. Der Zeitpunkt hätte kaum besser sein können: Die Mode entdeckte gerade die späten 1990er- und frühen 2000er-Jahre wieder für sich. Zum 25. Geburtstag folgte 2022 schließlich die große Hommage in New York. Fendi brachte 25 Archivmodelle als Re-Editions zurück und ließ unter anderem Marc Jacobs, Tiffany & Co. und Sarah Jessica Parker eigene Interpretationen der Baguette entwickeln. Spätestens damit war aus dem nostalgischen Comeback wieder ein fester Bestandteil der Gegenwart geworden.

Glam-Rock-Comeback

Fast drei Jahrzehnte später funktioniert genau diese Wandlungsfähigkeit noch immer. Schon für Herbst/​Winter 2026/27 hatte Chiuri die Baguette zu ihren Ursprüngen zurückgeführt: Auf Basis des Originalmodells 26424 kehrte sie mit aufwendigen Stickereien, Perlen, Fell und markanten Nieten zurück, ergänzt um einen zweiten Riemen für mehr Wandelbarkeit.

Für Frühling/​Sommer 2027 geht Chiuri noch einen Schritt weiter: Die Baguette wird kleiner, härter und exzentrischer und präsentiert bewusst eine rauere, fast glam-rockige Attitüde. Besonders radikal fällt eine neue Miniatur aus, deren Format laut Chiuri gerade noch für ein Smartphone gedacht ist. Die Baguette wird damit nicht neu erfunden, sondern auf ihre eigentliche Stärke zurückgeführt: eine vertraute Silhouette, die jede Generation wieder nach ihrem eigenen Geschmack verändern kann.


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