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Wien zählt zu jenen Städten, in denen Schmuck weit mehr ist als Zierde. Zwischen Graben, Kohlmarkt und Neuem Markt haben sich Juweliere etabliert, deren Geschichte über Generationen gewachsen ist – geprägt von Präzision, handwerklicher Kontinuität und der Fähigkeit zur Erneuerung.

Ob kaiserliches Erbe, architektonische Ikonen oder zeitgenössische Ateliers: Diese Häuser zeigen, wie lebendig Heritage sein kann, wenn Tradition nicht bewahrt, sondern weiterentwickelt wird.


Heldwein: Präzision und Kontinuität

Was 1902 in einem kleinen Atelier begann, wird heute in fünfter Generation am Wiener Graben kongenial weitergeführt – in Räumen, die 2008 erneuert wurden, ohne ihren Ursprung zu verleugnen. Gedämpftes Licht und diskrete Beratung prägen das Haus. Für Sebastian Schroeter steht das Handwerk im Zentrum: Qualität beginnt beim Können. Präzision der Hand, Blick für Linien, Gefühl für Material. Jede Fassung, jeder Stein spiegelt das wider. Die Verarbeitung entscheidet alles – darin liegt unser Erbe.“


Schullin: Tradition mit permanenter Weiterentwicklung

Gegründet 1888, ist das Haus seit 50 Jahren in Wien präsent – mit einer Handschrift, die vom Entwurf bis zur Fertigung im eigenen Atelier nachvollziehbar bleibt. Die beiden Hollein-Geschäfte am Kohlmarkt wurden zu architektonischen Markierungen und stehen heute unter Denkmalschutz. 2024 folgte der Schritt ins Looshaus am Michaelerplatz.

Architekt Peter Plattner modernisierte das Gebäude behutsam. Werkstatt und Designatelier am Kohmarkt arbeiten eng zusammen, ergänzt durch ein eigenes Edelsteinschleifatelier. Viele Schritte bleiben im Haus – vom Rohkristall bis zum fertigen Stück. Auch die Uhrmacherei ist verankert: Seit 1954 besitzt Schullin die Rolex-Konzession; die Werkstatt übersiedelte 2025 ins Looshaus.


Wagner: Eine Klare Linie, über hundert Jahre

Der blaue Wagner-Saphir fungiert als Signatur, die die Kollektionen zusammenhält. Im Atelier entstehen Stücke mit präzisen Proportionen und ausgewählten Edelsteinen. Parallel dazu ist Wagner ein wichtiger Partner im Luxus­uhrensegment und verbindet Wiener Tradition mit internationaler Uhrmacherei.


Rozet & Fischmeister: Ein Stück der alten Stadt

1770 gegründet, residiert das Haus am Kohlmarkt 11 in Räumen von ­Portois & Fix – ein Interieur wie eine kleine Schatzkammer. Als ehemaliger k.u.k. Kammerjuwelier wird das Unternehmen heute in sechster Generation geführt. Das Sortiment reicht von Juwelen bis zu Antikstücken; in der eigenen Werkstatt entstehen Restaurierungen und Umarbeitungen – eine Fortsetzung der Juwelierskultur des Hauses.


A.E.Köchert: Geschichte, untrennbar mit Wien verbunden

Seit 1814 prägt die Maison die Wiener Juwelierskunst – bis heute als Familienunternehmen in sechster Generation. Von Beginn an verband Köchert präzises Handwerk mit künstlerischem Anspruch und wurde rasch zu einem der bedeutendsten Juweliere der Mo­narchie. Berühmt sind die Sisi-Sterne“, geschaffen für Kaiserin Elisabeth – bis heute ein ikonisches Symbol österreichischer Schmuckkultur. Doch Köchert blieb nie im Historischen stecken: In den Ateliers am Neuen Markt und in der Habsburgergasse entstehen Stücke, die denselben Anspruch tragen wie einst die kaiserlichen Aufträge: sorgfältige Fassungen, edle Materialien, handwerkliche Klarheit.

Jede Generation brachte das Haus weiter – durch stilistische Erneuerung, durch den Ausbau der Werkstätten, durch die behutsame Wiederaufnahme historischer Entwürfe ebenso wie durch moderne Kreationen, die Köchert international sichtbar machen. Trotz aller Entwicklungen blieb das Fundament unverändert: Das Handwerk steht immer im Mittelpunkt. So fasziniert Köchert mit Schmuck, der bleibt – von den historischen Sternen bis zu heutigen Unikaten, die die Wiener Juwelierskunst in die Gegenwart tragen.

Glücksfund: Die verloren geglaubten Juwelen

Im Sommer 2025 wurde ein Kapitel Wiener Schmuckgeschichte neu aufgeschlagen: A.E.Köchert bestätigte, dass Stücke aus dem verlorenen Habsburger-Besitz – darunter der berühmte Florentiner Diamant – nach über hundert Jahren wieder identifiziert wurden. Der Stein, einst im Besitz der Medici und später Teil des kaiserlichen Hausschmucks, war nach dem Ende der Monarchie verschollen. Nun konnte ein Teil dieses Erbes in Kanada untersucht und als authentisch bestätigt werden. Für Köchert, jahrzehntelang Hof- und Kammerjuwelier, ist die Wiederentdeckung mehr als eine historische Sensation: Sie zeigt, wie eng das Haus mit dem Schicksal der Habsburger Juwelen verbunden bleibt. Neben dem Diamanten fanden sich auch seltene Objekte, etwa eine reich verzierte Uhr, die für Maria Theresia angefertigt worden war. Christoph Köchert beschreibt die Wirkung so: Man hält ein Kunstwerk in Händen – und plötzlich öffnet sich eine ganze Geschichte dahinter.“ Damit wird sichtbar, was Heritage hier bedeutet: nicht Nostalgie, sondern die Bewahrung eines kulturellen Fadens, der nicht reißen sollte. Die wiederentdeckten Stücke wurden einer Stiftung übergeben, damit ihr Wert – historisch wie emotional – gesichert bleibt.

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Getty Images ©

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