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Art schlägt Wurzeln: Wie Kunst natürlich aufblüht und die Natur selbst zum Kunstwerk wird. Eine Tour zu Gärten, Werken und inspirierenden Ideen.

I don’t paint nature. I am nature.“ So selbstbewusst brachte wohl nur Jackson Pollock den universellen Zusammenhang von Kunst und Natur auf den Punkt. Ganz ohne florale Muster, rein mit abstrakten Farbtropfen schüttete er die Kraft der Natur auf die Leinwand. Den Spitznamen Jack the Dripper“ musste man sich schließlich erst einmal verdienen. Mit seinen ­Action Paintings hinterließ der US-amerikanische Künstler markante Spuren in der Kunstszene, die bis heute für Rekordpreise in Millionenhöhe sorgen. Und auch die eine oder andere Frage aufwerfen: Immer wieder scheinen findige Kritiker Muster aus der Natur in seinen Werken zu erkennen. Eine Interpretation, auf die der Künstler Zeit seines Lebens eine klare Antwort parat hatte: My concern is with the rhythms of nature … I work inside out, like ­nature.“ Der Künstler als kreatives Werkzeug der Natur.

Seerosen und Superbäume
Genau in diesem Rhythmus der Natur schwingen immer mehr Künstler – in unterschiedlichsten Formen, an vielfältigsten Plätzen. Die Natur ist und bleibt treibende Kraft und Inspiration der Kunstwelt. Manchmal deutlich, manchmal subtil, immer kreativ. Während Monet mit seinen Seerosen die Natur aus seinem Garten in Giverny in Museen auf der ganzen Welt ‑brachte, bahnt sich Kunst auch immer öfter ihren Weg in die Natur. Teilweise in gigantischem Ausmaß. In Singapur etwa wachsen formschön Baumskulpturen in den Himmel. Gardens by the Bay“ nennt sich das Projekt, durch das Millionen von Besuchern jährlich flanieren. 

Die solarbetriebenen Supertrees weisen schon von Weitem den Weg in diese Parkanlage der Superlative, die mehr einer Gartenstadt ähnelt. In der Nacht leuchten die bis zu 50 Meter hohen Stahlgebilde eindrucksvoll, untertags vertrauen sie auf ihre natürliche Pracht. Die futuristischen Skulpturen sind Heimat seltener Pflanzen, die sich hier ungestört Richtung Himmel ranken. Ganz im Einklang mit der Natur – mittels Photovoltaik wird die Stromversorgung für Beleuchtung und Kühlsystem gesichert, Regenwasser für die Bewässerung wird autonom gesammelt. Wagemutige können über einen 128 Meter langen Skywalk zwischen den Türmen spazieren und die Aussicht auf den Flower Dome – das größte Gewächshaus der Welt genießen.

Natur ist die wunderbarste Ausstellungsfläche und das genialste Ausstellungsobjekt zugleich.

A Walk in the Park
Dass Natur auch die wunderbarste Ausstellungsfläche sein kann, haben Christo und seine Frau Jeanne-Claude spektakulär immer wieder bewiesen. Eindrucksvolles Beispiel: Ihre 178 Wrapped Trees“ verwandelten den Berower Park der Fondation Beyeler in eine spektakuläre Installation. Für jeden Baum wurde ein extra Schnittmuster angefertigt, rund 55.000 Quadratmeter silber-grau schimmerndes Polyestergewebe wurden verwendet. Nachhaltiges Detail am Rande: Alle Materialien wurden nach dem Abbau wiederverwertet. Dabei muss sich Natur eigentlich nicht unter irgendwelchen Ver-packungen ver-stecken. Im Gegenteil. Oft ist sie einfach wunderbare Kulisse für Kunst. Skulpturenparks sprießen weltweit aus der Erde und laden Besucher zum entspannten Flanieren zwischen Bäumen, Wiesen und Installationen ein. 

Da darf man sich auch nicht wundern, wenn auf einmal Werke von Henry Moore, Andy Goldsworthy oder Roy Lichtenstein mitten in der Landschaft auftauchen. So geschehen tagein, tagaus im Storm King Art Center nördlich von New York City. Dort wandelt man zwischen Werken der ganz Großen und genießt vor allem im Indian Summer ein spektakuläres Outdoor-Feeling. Nicht weniger atemberaubend präsentiert sich die Aussicht auf den Fuji, die das Hakone Open-Air-Museum gleich als ideales Postkartenmotiv mitliefert. Das erste Freiluftmuseum Japans punktet mit Werken internatio-naler und japanischer Contemporary-Künstler, die völlig überraschend aus dem Boden zu wachsen scheinen. 

Werke wachsen wie Bäume aus der Landschaft.

Wer lieber tonnenschwere Bronzefiguren umkreist, ist im Musée Rodin in Paris richtig. Dort kann man in der akkurat angelegten Grünanlage menschliche Skulpturen des Meisters umrunden. Ein ganzer Wald voll Kunst erwartet einen im Ekebergparken in Oslo. Dort bevölkern prominente Künstler wie Damien Hirst, Fernando Botero oder Salvador Dalí das Areal. Und wenn man schon in Oslo ist, lohnt sich auch ein Abstecher in den Vigeland Park. Der riesige Skulpturengarten ist mit 214 Werken das Lebenswerk des namensgebenden Bildhauers. 

Hier scheint sich an jeder Ecke ein neues Highlight zu verstecken – eine gute Schulung für kunstinteressierte Augen, die gern draußen Kunstschätze entdecken. Als Training dafür sei auch ein Abstecher in den Garten des neu gestalteten Rijks Museums in Amsterdam empfohlen. Dort ziehen jeden Sommer Skulpturen eines modernen Künstlers in die Grünanlage. 

Und auch in Österreich lässt sich einiges entdecken. Im Skulpturenpark südlich von Graz können sieben Hektar Natur erkundet werden – Einblicke in Erwin Wurms Fat House“ inklusive. Oder man taucht in die ‑Swarovski Kristallwelten ein und erlebt funkelnde Kunst in der Tiroler Bergwelt.

Meaning by Nature
Getürmte Holzbretter, Figuren aus Dosen, Räder aus Einkaufswägen. Nicht immer erschließt sich die Bedeutung einer Installation gleich auf den ersten Blick, manchmal ist durchaus Interpretation oder ein Blick auf die Infotafel gefragt. Einfacher machen es einem da schon sogenannte Upcycling-Werke, die liefern nämlich ihre main message“ gleich mit. Was auch immer der Künstler mit dem konkreten Werk sagen möchte, die Grundidee erschließt sich bereits aus der Verwendung der Materialien: Gebrauchsgegenstände erhalten ein zweites Leben und blühen in freier Natur neu auf. Meister darin ist etwa der US-Amerikaner Christopher Fennell, der aus Müllobjekten architektonische Skelette baut. 

Wenn sie also das nächste Mal in Atlanta durch den Park schlendern, nicht wundern, wenn Ihnen ein überdimensionaler Kiefernzapfen aus Scheunenbrettern gegenübersteht. Der deutsche Künstler HA Schult hingegen begnügt sich nicht mit einzelnen Werken, er schickt gleich eine ganze Armee aus alten Dosen rund um die Welt. Mission seiner Trashpeople“? Auf das Müllproblem unserer Tage aufmerksam zu machen. 

Das ist auch das Anliegen des deutschen Künstlers Adam Stubley, wofür er Wale aus Plastikflaschen baut, wie er uns im Talk erklärt. Denn was wären die schönsten Parks und Gärten, wenn die Umwelt kaputt ist? Somit ist jedes Formen und Gestalten der Natur im Endeffekt eine Werbekampagne für einen achtsamen Umgang mit unserem Planeten.

Natürliche Schönheit
Denn eines darf man bei all den Kunstwerken rund ums Thema Natur nicht vergessen: Die eigentlichen Künstler unter freiem Himmel sind und bleiben Pflanzen, Bäume und Blumen selbst. Die kreativen Partner, wie es etwa Arte Sella formuliert. Dieses Kunstprojekt mitten in den Wäldern und Wiesen des Trentino ist Teil der Great Gardens of the World und lässt Kunst und Natur auf einmalige Weise verschmelzen. 

Im Rhythmus der Natur entfalten Äste, Blätter und Baumstämme ihre vollkommene Schönheit – sei es als Kathedralen oder Skulpturen. Oder gern auch als Vorlage für reales Design. Ein Best-of von menschlicher Kunst und natürlicher Eleganz. Denn schließlich gilt Jackson Pollocks Credo für uns alle: I am nature.“

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Aindrea ­Emelife: Nigeria auf der Biennale

Exklusiv: Die in London lebende Kunsthistorikerin Aindrea Emelife kuratiert den Beitrag Nigerias auf der heurigen Biennale von Venedig. Ein Gespräch über das große Interesse an afrikanischer Kunst und wie sie Klischees brechen möchte.


Sie haben den Nigerianischen Pavillon unter das Motto Nigeria Imaginery“ gestellt. Was hat es damit auf sich?
Es geht mir darum, zurück in die Vergangenheit Nigerias zu blicken und daraus Zukunftsszenarien zu entwickeln, wie das Land aussehen könnte. Oder anders gesprochen: wie Nostalgien zu Utopien führen können. Deshalb habe ich eine Gruppe von Künstlerinnen und Künstler gefragt, in ihre Erinnerungen abzutauchen, und sich ganz ihren Hoffnungen hinzugeben. Wir arbeiten an einem Manifest für Nigeria.

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